«Wo ist sie denn versteckt?»

Beim Stück «Leiche gesucht» kommt der Theaterbesucher am Namen Rudolf Fischer nicht vorbei: Er führt nicht nur Regie und mimt den Opa – er hat das Stück auch selber geschrieben.

Drucken
Leiche_Dsc.jpg

Leiche_Dsc.jpg

Solothurner Zeitung

Helmuth Zipperlen

Mit dieser Kriminalkomödie, die am Sonntag erfolgreich zur Uraufführung gebracht wurde, debütiert Rudolf Fischer, der langjährige Leiter des «Teatro Mobile» in der Mausefalle als Dramatiker. Jahrelang hatte er bestehende Theaterstücke für das Kleintheater eingerichtet, so dass ihn die Spieler fragten, ob er sich denn nicht selber als Autor versuchen wolle. Um ein Bühnenstück zu schreiben, bedarf es indessen einer gewissen Ruhe und Ungestörtheit. Auf einem Flug nach Singapur, das konstante Summen der Flugzeugmotoren in den Ohren, überlegte Fischer eine mögliche Handlung, und bei der Landung hatte er das fertige Stück im Kopf.

Es verging aber nochmals geraume Zeit, bis er sich schliesslich im Burgund vor den Computer setzte und innerhalb weniger Stunden den grössten Teil des Stücks eintippte. Danach gab es noch gewisse Abstimmungen und kleine Korrekturen zu machen. Den potenziell Mitwirkenden wurde das Manuskript zum Lesen gegeben, und diese fanden, es sei tauglich. Und nun kann sich auch ein grösseres Publikum über das Verwirrspiel um eine Leiche amüsieren.

Eine nicht alltägliche Familie

Im Esszimmer der Andermatts spielt sich das zweiaktige Geschehen ab. Das Bühnenbild zeigt viele Bilder an der Rückwand und dazwischen ein recht beachtliches Schwert. Es darf durchaus gerätselt werden, ob dies einfach Schmuck oder ein Mordwerkzeug ist. Kleinere Möbel und als unverzichtbares Requisit ein Telefon komplettieren die Ausstattung.

Nach und nach tauchen die Mitglieder der Familie Andermatt auf: Zuerst der Opa - nicht nur schlecht, sondern auch wenig geschlafen - der aber gleich mit dem Auto wegfährt. Allerdings nicht ohne eine mysteriöse Notiz zu hinterlassen. Auch Susi Andermatt, die Schwiegertochter, beklagt sich über nächtlichen Lärm im Haus und schon kommt ihr Mann, Thedi Andermatt, der es eilig hat, zu einer geschäftlichen Besprechung zu kommen. Die Tochter Käthi, Lehrerin, muss mit ihren Schülern das Verhältnis Bürger und Polizei behandeln, nicht ahnend, dass sie in Bälde selber in diese Lage gerät. Schliesslich kommt noch völlig unausgeschlafen Sohn Philipp, ein Medizinstudent.

Dunkle Gedanken gehören bei Familie Adermatt dazu: Susi hat in der Nacht Mordfantasien gewälzt, Thedi möchte seinen arroganten Kunden am liebsten umbringen, und Philipp wünscht sich eine Leiche, um endlich richtig Anatomie zu studieren. Schliesslich ruft Opa an und faselt kaum verständlich etwas von einer Leiche im Haus. Und schon stehen die beiden Kriminalinspektoren Imbach und Lauterbrunner vor der Haustür und wollen nach einem anonymen Telefonanruf das Haus nach einer Leiche durchsuchen.

Viel Sprachwitz

Bei so viel Theatererfahrung verwundert es nicht, dass Rudolf Fischer seinen Erstling dramaturgisch geschickt aufgebaut hat. Dazu kommt, dass er in den Dialogen viel Sprachwitz untergebracht hat. So wird denn beispielsweise der Polizist Lauterbrunner schon mal als Leisebacher angeredet. Rudolf Fischer überzeugt auch als Opa Andermatt, welcher anfänglich die Falle stellt, um schliesslich als Deus ex Machina die Fäden zu entwirren. Mireille Gasche und David Gnägi finden als Eltern ebenso den richtigen Ton wie Mireille Membrez und Christoph Stapfer als deren erwachsene Kinder. Die beiden Polizisten, die in Zivil ermitteln, werden durch Michael Weibel und Remo Streit so unterschiedlich wie möglich gegeben. Dass die Agierenden auch im richtigen Licht stehen ist Anja Käsermann, welche die Technik betreut, zu verdanken. Der Aufführung selber hätte etwas mehr Tempo gut getan, doch wird sich dieses wohl bei den weiteren Aufführungen von selber einstellen. Das Fazit ist eine Uraufführung, welche unterhalten will und dieses Ziel dank dem Spiel und der gepflegten Sprache aller Akteure im Grossen und Ganzen auch erreicht.

Theater Mausefalle Weitere Aufführungen am 23., 24., 30. und 31. Oktober, jeweils
20 Uhr. Sonntag, 25. Oktober, um 17 Uhr.

Aktuelle Nachrichten