Wenn das Solothurnerlied ertönt

Am Montag hat in Solothurn der Prozess gegen Michael John und einen ehemaligen Solothurner Geschäftspartner begonnen, die mit der Plastikpalettenfirma PPal von sich reden machten. Doch nicht nur damit.

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Solothurner Zeitung

Andreas Toggweiler

Als Amtsgerichtspräsident Frank-Urs Müller die Liste mit Schadenersatzforderungen von ehemaligen PPal-Aktionären vorliest, ertönt vom Glockenspiel am Amthausplatz das Solothurner Lied: Gut 1,5 Mio. Fr. haben die Teilhaber in die PPal gesteckt, bevor ihnen klar wurde, dass die durch den deutschen Geschäftsmann Michael John versprochenen grossen Renditen wohl nicht so schnell erzielt werden können. 2007 ging die Firma konkurs.

Geld verprasst statt investiert

Dass John einen Grossteil des Firmenkapitals verprasst hat, sieht die Staatsanwalt als erwiesen an. So habe er etwa 2004 innert kurzer Zeit drei Luxusfahrzeuge erworben, darunter einen Bentley Turbo R für Fr. 65 000. Fünf weitere Luxusfahrzeuge habe er bestellt, aber nie bezahlt. Darüber hinaus sicherte er sich selber ein monatliches «Beraterhonorar» von Fr. 27 700 zu nebst einer Einstandszahlung von Fr. 200 000. Auch die mehrmalige Miete eines Privatjets ist dokumentiert sowie einer Luxusvilla im Tessin. Nur die Palettenproduktion in China wollte einfach nicht so recht vom Fleck kommen; unter anderem, weil die dortige Fabrik in der Ankündigungsphase steckenblieb - mangels Anzahlungen. John (56), der angab keine Ausbildung zu haben, sich aber im Internet mit einem Ingenieurtitel schmückte, unterliess es auch, die Zahlungen rund um die Firma zu dokumentieren. Zwar existieren offenbar kistenweise Belege, aber keine Buchhaltung. Dafür sei sein damaliger Solothurner Geschäftspartner zuständig gewesen, betonte John bei der Vernehmung mehrmals.

Dildos, Nachtclubs und Paletten

John erwies sich in der Einvernahme als sehr eloquent, verwickelte sich aber auch in Widersprüche. Was nicht ganz überraschend ist, wenn man in so unterschiedlichen Branchen wie dem Internet-Dildo-Handel, dem Nachtclubgewerbe und der Palettenproduktion tätig sein will. Die Märkte für Sex-Spielzeuge und Logistik bieten wenig Synergien, und wenn einem dann der russische Leibwächter noch mit Erotik-Chats eine Telefonrechnung von 14 000 Fr. unterjubelt, kann das schon verunsichern. Jedenfalls kam John mit dem Geld der jeweiligen Investoren in keiner der genannten Branchen auf einen grünen Zweig. Und irgendwann scheint er auch den Überblick über seine angebliche Millionenguthaben bei der UBS verloren zu haben. Denn am Schluss waren nur noch Schulden auf dem Konto. So kündigte er gestern an, seine Palettenaktivitäten «für 140 Mio. zu verkaufen» und jene zu entschädigen, die zu ihm gehalten haben. Patente hat er allerdings keine. Und ein Teil des Geldes dürfte zudem für die geplante Geschlechtsumwandlung draufgehen. «Ich habe mich in meiner Haut als Mann nie wohlgefühlt», sagte er am Rande der Verhandlungen. Schöne Frauen habe er aber stets gern gehabt. «Wahrscheinlich bin ich nach der Umwandlung lesbisch.»

Einem Schnorrer aufgesessen

Für den mitangeklagten ehemaligen PPal-Verwaltungsrat, der in Solothurn ein Beratungsbüro betrieb, ist klar, dass er einem Hochstapler auf den Leim ging. Er sah sich in der Rolle des gutgläubigen Opfers, der vom Selbstdarsteller John rücksichtslos ausgenutzt wurde.

Staatsanwalt Rolf von Felten sah dies etwas anders. Zwar habe sich H. nicht bereichern wollen, und auch ein hoher Solothurner Steuerbeamter und Politiker Otto Ineichen seien John auf den Leim gegangen (wir berichteten). H. trage aber Mitverantwortung. «Er war der einzige, der John hätte stoppen können.» Er forderte eine bedingte Gefängnisstrafe von einem Jahr für H.

John soll hingegen für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis, da er uneinsichtig sei und auch in Deutschland bereits wegen räuberischer Erpressung verurteilt wurde.

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