Schule
Wehmut, auch Freude aufs Neue

Die Schule in Reisiswil ist Geschichte. Nach den Ferien drücken die Schüler in Gondiswil oder Melchnau die Schulbänke. An der Abschlussfeier war viel Wehmut zu spüren, doch die Kinder freuen sich auch auf das Neue.

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Reisiswil Schlussfest

Reisiswil Schlussfest

az Langenthaler Tagblatt

Karin Iseli-Trösch

Auf dem Pausenplatz des Schulhauses Reisiswil ist an diesem Abend mächtig viel los. Die Gesamtschule feiert ihren Abschluss. Kinder wetteifern am Töggelikasten oder versuchen sich an der Mohrenkopfschleuder. Eltern, Grosseltern und andere Dorfbewohner sitzen an den zahlreichen Tischen und geniessen Pommes mit Wurst. Daniela Häusler, die Klassenlehrerin, schaut dem Treiben mit einem Lächeln auf den Lippen zu. Hin und wieder wandert ihr Blick wehmütig zum Schulhaus hinüber.

Die Zeit ist abgelaufen

Für sie und ihre Schulkinder ist die Zeit in Reisiswil abgelaufen. Nach den Sommerferien gehen die zehn Erst- bis Sechstklässler in Gondiswil respektive in Melchnau zur Schule. Daniela Häusler wird im aargauischen Habsburg eine neue Stelle antreten - wiederum an einer Mehrklassenschule.

Im Schulhaus Reisiswil wird es dennoch nicht an Kinderlachen fehlen. Dafür sorgen ab August die Kindergartenkinder von Reisiswil und Gondiswil. Spricht Daniela Häusler von ihrer Zeit als Lehrerin in dem 200-Seelendörfchen, gerät sie ins Schwärmen: «Ich hatte eine sehr gute Zeit hier. Die Kinder waren verhältnismässig einfach zu betreuen, und die Zusammenarbeit mit den Eltern und der Gemeinde war zumeist super.»

In der Zusammenlegung der Schulen Reisiswil und Gondiswil sehen Häusler und ihre Kollegin Katharina Würgler, die in Reisiswil ein Teilpensum inne hatte, sowohl Vor- wie auch Nachteile: «Für die nicht ganz so ehrgeizigen Schüler ist es bestimmt von Vorteil, wenn sie nicht alleine oder nur zu zweit in einer Klassenstufe sind, sondern eine grössere Vergleichsmöglichkeit haben», meint etwa Daniela Häusler. Zudem seien zehn Kinder manchmal schon etwas wenig gewesen, um ein Projekt durchziehen zu können. Auf der anderen Seite habe man bei dieser überblickbaren Kinderschar sehr gut auf jeden einzelnen Schüler eingehen können. Katharina Würgler lobt vor allem den sozialen Aspekt einer solchen Gesamtschule: «Hier lernen die Kinder, einander ganz selbstlos zu helfen.»

Nach Melchnau mit dem Fahrrad

Die Fünftklässlerin Natalie und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder David Steffen sind die einzigen Schüler, die nicht nach Gondiswil sondern nach Melchnau in die Schule gehen werden. Der Grund: Ihr Haus steht auf Melchnauer Boden. Dass sie und ihre Vorfahren dennoch in dem viel näheren Reisiswiler Schulhaus zur Schule gehen durften, verdankten sie einem Extraabkommen. Denken die beiden Kinder an den Wechsel, kommen ganz unterschiedliche Gefühle hoch. «Ich muss in eine ganz andere Klasse. Da kenne ich kaum jemanden. Und da es für uns keinen Schulbus gibt, müssen wir entweder mit dem Fahrrad in die Schule oder die Eltern müssen uns hinbringen», sagt Natalie. Ob sie zum Mittagessen jeweils nach Hause gehen werden oder ob sie einen Mittagstisch besuchen, sei deshalb noch nicht klar. Auf die neuen Lehrer freuen sich aber beide. Auch die Tatsache, dass sie fortan das Schulzimmer mit vielen anderen Kindern teilen werden, ist für beide völlig in Ordnung.

Auch Erstklässlerin Mirjam Leuenberger freut sich auf mehr Mitschüler. Sie wird ihren Schulweg fortan mit dem Schulbus hinter sich bringen, was dem kleinen Mädchen sichtlich Vorfreude bereitet. «Schade finde ich es aber, dass ich dann die anderen Kinder meiner jetzigen Schule nicht mehr sehen werde. Wir hatten es wirklich gut miteinander», sagt Mirjam. Bei ihrer Mutter löst der Gedanke an die Schliessung der Schule etwas Wehmut aus. Schon sie sei hier zur Schule gegangen und habe viele gute Erinnerungen an diese Zeit. «Klar hätte es von mir aus noch so weitergehen können, aber die Lösung mit Gondiswil ist aus meiner Sicht eine gute.»

Wie sehr das ganze Dorf die Schule vermissen wird, zeigte sich während der Abschlussfeier. Der Mehrzweckraum war bis auf den letzten Platz besetzt. Es mussten sogar noch zusätzliche Stühle gebracht werden. So sei es immer gewesen, wenn die Schule ein Theater oder sonst etwas aufgeführt habe, sagt Lehrerin Katharina Würgler. «Ein Schulanlass wurde in Reisiswil regelmässig zu einem kleinen Dorffest.»

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