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«Velofahrer leben auch im Aargau gefährlich»

Verkehrssituation Hintere Bahnhofstrasse Aarau, 4. Maerz 2010. Ein Fussg?ngerstreifen und ein roter Radstreifen ohne Vortritt f?hrt ueber die Strasse. Velofahrer Fussgaenger.

«Velofahrer leben auch im Aargau gefährlich»

Verkehrssituation Hintere Bahnhofstrasse Aarau, 4. Maerz 2010. Ein Fussg?ngerstreifen und ein roter Radstreifen ohne Vortritt f?hrt ueber die Strasse. Velofahrer Fussgaenger.

Im Aargau ist die Zahl der Velototen letztes Jahr zurückgegangen - dank neuen Radwegen, glaubt der Kanton. Die Begründung stösst auf Widerspruch. Nicht mustergültig, sondern oftmals gefährlich, seien die Routen, heisst es in vielen Reaktionen. Kritik gibt es für gesetzlos radelnde Velofahrer und falsche Markierungen in Aarau.

Hans Lüthi

Der rote Belag als Zeichen des Vortritts wird von den Velofahrenden hoch geschätzt. Aber: «Ohne Abtrennung durch eine weisse und gelbe Leit- und Sicherheitslinie besteht rechtlich kein Vortritt», schreibt Paul Roth, Fachspezialist für Signalisationen. Das bestätigt Fridolin Vögeli, Leiter Strassenunterhalt im Departement BVU, doch auf den Kantonsstrassen gebe es nur gesetzlich korrekte rote Radstreifen.

Die Sündenfälle finden in den Gemeinden statt, welche oft eigene «Strassenmaler» anstellen. Dazu gehört ausgerechnet die Stadt Aarau, an der Hinteren Bahnhofstrasse hat sie einen solchen Unsinn produziert: Neben dem Fussgängerstreifen verläuft ein roter Radstreifen – ohne Vortritt für die Velofahrer. Weil diese das nicht realisieren, entstehen sehr gefährliche Situationen. «Könnte Fridolin Vögeli solche falsche Anwendungen entfernen lassen?», schreibt Peter Warthmann. Vögeli betont dazu, er werde bei der Stadtverwaltung Aarau erneut intervenieren.

Zwischen Lastwagen und Zügen

Ein Velototer weniger als letztes Jahr im Aargau sei noch lange kein Grund zur Freude und Entwarnung, findet Monika Häusermann. Es brauche «ein gutes Radwegnetz für ein gefahrenloses Velotraining mit Kindern». Reiche Gemeinden seien begünstigt, «nur so kann ich mir erklären, warum sich z.B. im mittleren Wynental Schülerinnen und Schüler auf dem täglichen Schulweg immer noch zwischen Lastwagen und langen WSB-Zügen einklemmen lassen müssen». Gefährlicher gehe es nicht mehr, ein Ausweichen auf die Trottoirs sei bei Fussgängern und Polizei höchst unbeliebt.

«Im Vergleich zu Deutschland und Österreich fristen wir Velofahrer im Aargau geradezu ein Mauerblümchendasein», meint Peter Gloor. Weiter: «Ausgesprochen katastrophal ist noch heute die Situation rund um den Hallwilersee, besonders auf der linken Seeseite.»

Vortrittsrecht für jeden Feldweg

«Es wird wirklich viel unternommen», lobt Andreas Lüthy den Kanton und meint neben den separaten Radwegen vor allem auch die Kernfahrbahnen. Leider widerspreche diese Aussage der Situation auf dem Radweg zwischen Oberkulm und Zetzwil. Kurz vor dem tödlichen Unfall sei letztes Jahr der Vortritt den Radfahrern weggenommen worden. Auch die Ein- und Ausfahrt zu und von diesem Radweg «ist sehr unbefriedigend und gefährlich».

François Droux freut sich einerseits, dass an schönen Frühlingssonntagen so viele Radfahrer unterwegs sind. Als Pendler auf der Strecke Oberrohrdorf–Baden stört ihn der Unterbruch «durch mindestens fünf ziemlich gefährliche Kreuzungen». Ein Radweg an der Hauptstrasse verdiene diese Bezeichnung nicht, wenn der Vortritt allen Feldwegen und Nebenstrassen gewährt werde.

Störende Inseln und Schnittstellen

Als Velofahrer und Autofahrer sieht Hans-Ulrich Stutz durch die Brille beider Verkehrsteilnehmer. «Die Inseln in der Strassenmitte zur Verkehrsberuhigung sind sehr gefährlich». Weil hier die gelb markierten Radstreifen unterbrochen sind, «quetschen sich die Autos trotzdem durch». Der Kanton ist daran, die unbefriedigende Situation zu überprüfen.

Einen ganzen Strauss an Mängeln und Verbesserungen listet Irene Walter auf, die in der Freizeit und auf dem Arbeitsweg jährlich rund 2500 Kilometer zurücklegt. Vor allem bei den Schnittstellen des Verkehrs – Einmündungen, Kreuzungen, Lichtsignale – ortet sie grosse Mängel. Auch die Kombination von Radwegen und Fussgängerstreifen sei gefährlich. Hindernisse gebe es auf den Radwegen zuhauf, Belagsschäden, Abflussdeckel, Rinnen, Glasscherben, Verschmutzungen. Gefährlich bei Radstreifen sei das viel zu nahe Vorbeifahren von Autos, Bussen und speziell der schweren Lastwagen.

Velofahrer als Verkehrssünder

Ins Schussfeld geraten auch die Velofahrer selber: «Würde man die Radfahrer büssen, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten, gäbe es noch weniger Unfälle», schreibt Yvonne Koch. Es gibt offensichtlich solche, «die trotz Radwegen auf der Strasse fahren. Wenn möglich noch freihändig, in der einen Hand das Handy, in der anderen ein Drink oder Glace», schildert Verena Frei ihre Beobachtungen.

Kein Verständnis hat Auto- und Velofahrer Hans Bieri für jene Zweiradler, die vor dem Rotlicht aufs Trottoir hüpfen, die Kolonne überholen und die Fussgänger gefährden. Neben vielen guten Radwegen gebe es leider auch schlechte, betont Heinz Bircher und nennt die Strecke von Hunzenschwil bis Suhr.

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