Unrentable Kirschenernte: Bauern lassen die Früchte hängen
Unrentable Kirschenernte: Bauern lassen die Früchte hängen

Etwa vier Tonnen Kirschen hat der Wittnauer Bauer Herbert Schmid in den letzten drei Wochen von seinen Hochstammbäumen gepflückt. Ein Geschäft, das sich nicht mehr lohnt. Nicht wenige Bauern im Fricktal lassen die Kirschen daher einfach hängen.

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Herbert Schmid vor Kirschbäumen

Herbert Schmid vor Kirschbäumen

Aargauer Zeitung

Deborah Balmer

Die Kirschenernte 2010 ist bei Bauer Herbert Schmid eigentlich gut ausgefallen: Etwa vier Tonnen der roten Früchte hat der Wittnauer von seinen Hochstammbäumen gepflückt - alle von guter Qualität. Beim Pflücken geholfen haben ihm Kollegen, Verwandte und Schulkinder, die ihr Sackgeld aufbessern wollten.

Dahinter steckt allerdings bei allen viel Ideologie: Den Schulkindern hat Schmid zwar einen kleinen Zustupf überreicht, die Erwachsenen hingegen musste er mit Naturalien bezahlen: «Geld konnte ich ihnen keines geben, dafür gabs vielleicht Schnaps oder eine Flasche Wein - und alle werden ans Erntedankfest eingeladen», sagt Schmid, dem in Wittnau ein Erlebnisbauernhof gehört.

Im besten Fall eine Nullrunde

«Das Geschäft mit den Hochstammkirschbäumen ist im besten Fall noch eine Nullrunde», sagt Herbert Schmid. Früher war der Handel mit Kirschen für Herbert Schmid ein wichtiger Einkommensfaktor - doch heute rentiert die klassische Kirschenproduktion nicht mehr. Zwar sei der Preis für Tafelkirschen seit etwa 20 Jahren gleich geblieben. Doch das Hauptgeschäft bei den Hochstammkirschen liegt bei den Konservenkirschen und dieses ist zusammengebrochen. «Bei den Konservenkirschen gibt es einen Preiszerfall, weil der Druck aus dem Ausland sehr gross ist», bemerkt Schmid.

Klagen will der Fricktaler nicht. Er hängt am Kirschenanbau, der seit Jahrzehnten ins Fricktal gehört. Früher gab es hier anders als im Mittelland viele kleine Betriebe, für die der Anbau in der Vergangenheit einen wichtigen wirtschaftlichen Betriebszweig bedeutete. Die Fricktaler verkaufen Kirschen mit klingenden Namen: Schauenburger, Heidegger, Hedelfinger, Basler Langstieler, Basler Adler, Dollenseppler und Lampästler.

Mehr Aufwand, weniger Erlös

So schöne Namen sie tragen, dieses Jahr sind auch noch die Produktionsstandards verschärft worden, was vor allem einen höheren administrativen Aufwand bedeutet. «Das und der Preiszerfall haben vielen Bauern abgelöscht. Es gibt deshalb nicht wenige Landwirte im Fricktal, die dieses Jahr ihre Kirschen an den Bäumen einfach hängen lassen», so Schmid. Auch er selber hat bei mehreren Bäumen die Kirschen nicht gepflückt. Allerdings deshalb, weil sie sich von der Grösse her nur noch für Brennkirschen eignen würden. «Und dafür gibt es noch weniger Geld als für Konservenkirschen», so der Bauer.

Viele Bauern haben bereits vor längerer Zeit auf Niederstammkirschbäume umgesattelt: «Damit kann die Produktion der Tafelkirschen rationalisiert werden - und weil die kleineren Bäume bewässert und mit einem Dach gegen den Regen geschützt werden, ist die Qualität der Kirschen meist sehr gut.»

Auch Schmid besitzt Niederstammbäume. Und doch hängt er an seinen 70 Hochstammbäumen und der klassischen Kirschenproduktion. Er ist überzeugt: «Die besten Kirschen der Schweiz wachsen im Fricktal - hier stimmt das Klima für die roten Früchte.»

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