Florian Müller

Die Trockenlegung des Kanals zwischen Aarau und Schönenwerd zu Sanierungszwecken bleibt nicht ohne Folgen für die Tiere, die im und um den Fluss leben. Heiner Keller von der AG Natur und Landschaft (ANL) informierte am Dienstagabend über die laufenden Arbeiten sowie die Schutzmassnahmen für die Tiere.

Wie ein riesiges Aquarium

Auch wenn die Interessen zwischen Ingenieuren und Biologen oft auseinandergehen, ist eine derartige Trockenlegung eines Kanals für beide Seiten gleichermassen wichtig.

Währenddem die einen endlich die fälligen Sanierungen in Angriff nehmen können, finden die anderen plötzlich ein riesiges Aquarium vor, das ausgezeichnete Möglichkeiten für Untersuchungen bietet. Der Umweltbeauftragte Heiner Keller nutzte denn auch diese Chance.

Er informierte die Aarauerinnen und Aarauer über Fische, Krebse und andere Aarebewohner. Zum Beispiel zählte er zwanzig verschiedene Fischarten, unter anderem sogar die bedrohten Fische Wels, Bachneunauge, Nase, Äsche und Dorngrundel.

Die globalisierte Aare

«Die Anpassungsfähigkeit der Fische ist ganz erstaunlich. Sie können sogar in diesem öden Kanal überleben», meint Keller erfreut. Dank guten Fischpässen beim Kraftwerk sei die Bewegungsfreiheit der Fische und damit deren erfolgreicher Fortbestand möglich.
Keller informierte aber auch über andere Flussbewohner wie zum Muscheln und Krebse. Es ist ganz erstaunlich, wie diese den Weg in die Aare gefunden haben.

Da wäre beispielsweise die Wandermuschel (auch Dreiecksmuschel oder Zebramuschel genannt) zu nennen, die, ursprünglich im Schwarzen Meer heimisch, ihren Weg in die Aare gefunden hat. Dazu Kellers Erklärung: Die Muscheln heften sich an Bootsrümpfe und gelangen durch Transporte in neue Gewässer.

Wer war denn in letzter Zeit mit seinem Boot am Schwarzen Meer? Aus Nordamerika wurden der Kamberkrebs und der Signalkrebs eingeschleppt.

Zusammen mit der ursprünglichen asiatischen Körbchenmuschel lebt in der Aare eine «internationale» Gemeinschaft, die leider auch einheimische Arten verdrängt.

Versenkte Velos als Biotop

Dank der Trockenlegung wurden diverse Gegenstände entdeckt: Unter anderem entfernte man Gehstöcke, eine Armeewaffe und Fahrräder aus dem Flussbett. Velos sind scheinbar das perfekte Biotop für die eingeschleppten Muscheln, die sich an den Rahmen kleben, wie Keller den interessierten Aarauerinnen und Aarauern erklärte.

Am Freitag wird der Kanal wieder geflutet. Die Konzession des Kraftwerks läuft bis 2014, dann ist ein Ausbau in Sicht. Der Stromverbrauch steigt stetig; breitere Kanäle und neue Turbinen sollen mehr Strom produzieren. Weitere Fotos im Netz

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