Verkehr
Sie fahren vermehrt auf Trottoirs

Die Velofahrer fahren immer häufiger auf Trottoirs, Fussgängerstreifen oder missachten ein Rotlicht. Obwohl es verboten ist, beweist die Polizei oftmals Fingerspitzengefühl.

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Velofahrer auf Trottoir

Velofahrer auf Trottoir

Aargauer Zeitung

Silvan Hartmann

Seit 2004 steigen in der Schweiz die Unfallzahlen der Velofahrer stetig an. Und vor 25 Jahren wurden noch 1000 verletzte Velofahrer weniger registriert als heute. Das zeigt die jährliche Statistik der Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Ein Beispiel am Dienstagmorgen in Frick: Auf der Hauptstrasse sind quietschende Reifen eines Autos zu hören - gerade noch hats gereicht, beinahe hätte es hier einen Unfall gegeben. Der Fahrer steigt wutentbrannt aus seinem Auto und ruft dem flüchtigen Velofahrer etliche unnette Worte hinterher. «Das darf doch nicht wahr sein», murmelt er geschockt vor sich hin. Ein Velofahrer fuhr - wohl ohne den Verkehr zu beobachten - vom Trottoir auf die Strasse und überquerte mit vollem Tempo fahrend den Fussgänger-Streifen. «Es ist unglaublich, wie die Velofahrer heutzutage fahren. Sie denken immer, dass sich der Autofahrer schon achtet. Dabei können gerade solche eher unübersichtliche, enge Strassen wie hier in Frick tödlich sein», sagt er noch immer mit erhöhtem Puls.

Dieser Fall ist ein typisches Beispiel, wie es täglich auf den Schweizer Strassen vor sich geht. Und das Problem ist bekannt. In letzter Zeit fallen die Velofahrer, die auf nicht geduldeten Strassen oder Strecken fahren, nicht nur auf den Statistik-Blättern auf. «Ich kann ja verstehen, wenn Velofahrer nicht auf der Strasse fahren wollen mit all den Lastwagen und Autos. Aber keine Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer zu nehmen und einfach drauflosfahren, das kann sich auch ein Velofahrer nicht leisten», sagt der Rheinfelder Autofahrer. Er spricht an, was den Velofahrern zu denken gibt: Einerseits wollen sie nicht auf den überfüllten Strassen fahren, weil sie gefährdet sind. Fahren sie andererseits auf den Trottoirs, gefährden sie die Fussgänger.

Rolf Graf, Chef der Regionalpolizei Oberes Fricktal, will zwar das vermehrte Fahren auf unbefugten Strecken nicht kommentieren, bestätigt aber, dass die Polizei dabei vielfach Fingerspitzengefühl beweisen müsse. Deshalb käme es auch mal vor, dass ein Velofahrer auf dem Trottoir nicht gebüsst werde - obwohl es verboten ist, darauf zu fahren. «Es gibt aber auch Velofahrer, die beispielsweise meinen, dass ein Rotlicht nicht für sie gelte und sie deshalb die Verkehrsregeln nicht zu befolgen hätten», sagt Graf. Dort würde die Polizei durchgreifen und die Falschfahrer auf den Zweirädern darauf aufmerksam machen.

Ein «Trottoir-Velofahrer» wird also noch lange nicht einem Raser gleichgestellt: «Sie sind überhaupt nicht dem gleichen Gefahrenpotenzial ausgesetzt. Missachtet ein Autofahrer die Verkehrsregeln, so gefährdet er auch andere, nicht nur sich selbst», sagt Graf. Um die bedenkliche Statistik wieder auf die Werte der 80-er-Jahren zu bringen, braucht es zuverlässige Velofahrer - und eine Polizei, die auch bei «Trottoir-Velofahrern» durchgreift.