Stephan Aeschlimann
«Ohne Internet wären wir nicht hier»

Von Ennetbaden nach Eriswil: Stephan Aeschlimann und Ursula Yelin sind mit ihrer Firma Gartenwerke zuoberst in den Oberaargau gezogen. Ein idealer Standort, finden sie, obschon ihre Kundschaft im Mittelland liegt.

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Gartenwerke

Gartenwerke

az Langenthaler Tagblatt

Jürg Rettenmund

Ist man in Eriswil, ist man noch nicht bei Stephan Aeschlimann und Ursula Yelin und ihrer Gartenwerke GmbH. Kurz nach dem Dorfplatz zweigt rechts ein Strässchen ab, überquert die Langeten und steigt dann nochmals 50 Meter in die Höhe. Dort, im Eigen auf 800 Meter über Meer, haben der Gärtner und Gartendesigner und die Landschaftsarchitektin vor zwei Jahren ein Mehrfamilienhaus gekauft.

Die beiden bezeichnen sich als Fachleute für Gartenplanung und Anlegen von anspruchsvollen Bepflanzungen. 2002 gründeten sie ihre gemeinsame Firma und installierten sich im Schlösschen Ennetbaden. In der Remise mieteten sie sich mit Wohnung und Büro ein. Gleichzeitig konnten sie die Gartenanlage betreuen.

Etwas Eigenes

«An sich ein idealer Standort», sagt Aeschlimann. Doch weil er eine grosse Auswahl an Pflanzen selbst zieht und vermehrt, war er auf zusätzliche Flächen angewiesen. «Damit wurde es zusehends mühsam», erklärt er: «Waren die Kulturen an einem Ort hergerichtet, wurde die Pacht gekündigt, und wir mussten von vorne anfangen.» Deshalb wurden sie rätig: «Etwas Eigenes muss her.»

Gesucht haben der gebürtige Oberönzer und seine aus München stammende Lebens- und Geschäftspartnerin auch im Oberaargau. Eriswil lag allerdings nicht zuerst in ihrem Fokus, denn diesbezüglich machen sie sich keine Illusionen: Ihre Aufträge werden sie auch in Zukunft vor allem im Mittelland finden. Neben dem bisherigen Schwerpunkt im Aargau sehen sie aber auch im Raum Langenthal-Herzogenbuchsee zusätzliches Potenzial.

Dort standen sie jedoch als Interessenten für Landwirtschaftsland in Konkurrenz zu Pferdehaltern. Gegen sie konnten sie preislich nicht mithalten. Deshalb begeisterten sie sich schliesslich für das Mehrfamilienhaus in Eriswil. Haus und Umschwung sah man zwar an, dass sich längere Zeit niemand mehr richtig um sie gekümmert haben, dafür war die Landschaft darum herum traumhaft.

Die Wildnis ist gerodet

In der Zwischenzeit hat die Wildnis einem Schaugarten mit Gärtnerei Platz gemacht. Nächste Woche eröffnen ihn Aeschlimann und Yelin offiziell mit mehreren Tagen der offenen Tür und verschiedenen Vorträgen.

Als stärksten Trumpf ihrer Firma bezeichnen die beiden die Kombination von Planung der Architektin und Fachwissen des Gärtners über die Pflanzen. «Ich verwende nicht nur die zehn Prozent, die man in der Mehrzahl der Gärten sieht», erklärt Aeschlimann. Dabei setzt er auf Pflanzen aus aller Welt, besonders auch aus Südafrika und aus dem Mittelmeerraum, die er und seine Frau aus ihrer Berufserfahrung kennen.

Wichtig ist den beiden auch die genaue Kenntnis der Pflanzen, damit ihre Gärten nicht nur während der Blüte ein schönes Bild abgeben. Das Kommen und Gehen, das Wachsen und Vergehen beziehen sie in ihre Planung mit ein.

Erster Preis an Giardina 2008

Als einen der Höhepunkte ihrer bisherigen Tätigkeit bezeichnen sie den ersten Preis, den sie an der Gartenmesse Giardina 2008 des Zürcher Gärtnermeisterverbandes erhielten: Sie konnten ihren persischen Garten «Persica» als Schaugarten anlegen.

Als Neuheit in der Schweiz lancierten sie die Dienstleistung «Blumenbeet im Paket», eine Art Baukasten, mit dem man selbst eine Blumenrabatte anlegen kann: Man liefert ihnen die Masse und erhält einen Pflanzplan, die Stauden und die Blumenzwiebeln samt einer Pflegeanleitung ins Haus geliefert.

Viele Bestellungen dafür, wie auch für die Pflanzen aus ihrem umfangreichen Katalog, erreichen sie heute übers Internet. «Ohne dieses Kommunikationsmittel hätten wir unseren Betrieb nicht nach Eriswil verlegen können», sind sie sich einig.

Für einmal haben also Globalisierung und moderne Kommunikation nicht zum Ausbluten des ländlichen Raumes beigetragen, sondern dort für neues Leben in alten Mauern und an bereits vergandeten Hängen gesorgt. «Vielleicht», hoffen Stephan Aeschlimann und Ursula Yelin, «entdecken unsere Kunden sogar die Hügel des Oberaargaus als Ausflugsregion».

Öffnungszeiten während der Eröffnung vom 2. bis 5. September: Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr. Anschliessend Donnerstag und Freitag 10 bis 12 und 13 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr.

Weitere Informationen und Programm der Eröffung: www.gartenwerke.ch

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