Heirat
Neuster Trend: Heirat auf dem Bauernhof

Das Zivilstandsamt Schöftland rückt neuerdings auch ins rustikale Bauernhaus und ins noble Widenmoos-Resort aus. Für exotische Orte wie den Hallwilersee erlaubt das Gesetz jedoch keine Bewilligung.

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Barbara Vogt

Béatrice Meili und Rolf Baumann stehen vor ihrem Bauernhaus in Kirchleerau. Seit einigen Jahren führen sie ein Bed& Breakfast. Und seit Neustem stellen sie den Raum unter dem Dachgeschoss Paaren als Trauungslokal zur Verfügung.

Dahinter steht eine berührende Geschichte: Der Sohn des Cousins von Rolf Baumann lebt mit seiner Partnerin in Schottland. Regelmässig besucht dieser seine Verwandtschaft im Suhrental. Sein Traum: eine Trauung im Haus seiner Urgrossmutter – in jenem Bauernhaus, in welchem Béatrice Meili und Rolf Baumann leben.

Nur in geschlossenen Räumen

Am nächsten Freitag geben der Schotte und seine Partnerin sich in diesem Haus das Jawort. Eine Zivilstandsbeamtin des Regionalen Zivilstandsamtes Schöftland vollzieht die Trauung.

«Siebzig Personen aus dem In- und Ausland erleben diesen Moment», freut sich das Besitzerpaar. «Das Ereignis feiern wir mit einem Apéro.» Der Raum im Bauernhaus in Kirchleerau ist wie geschaffen für eine Trauung: langer Tisch, Piano, Kronleuchter, Cheminée, weiche Teppiche.

Ist eine Trauung ausserhalb des Amtslokals überhaupt statthaft? «Ja», sagt Monika Frauchiger, stellvertretende Leiterin des Zivilstandsamtes Schöftland. Allerdings gibt es laut Zivilstandsgesetz gewisse Vorschriften.

So kann eine Trauung nicht unter freiem Himmel stattfinden. «Der Raum muss geschlossen und amtlich bewilligt sein», erklärt Monika Frauchiger. «Brautpaare würden gern kreativer heiraten, in einer Waldhütte oder im Garten.

Aber das geht nicht.» Auch muss der Gemeinderat der betroffenen Ortschaft das zusätzliche Trauungslokal bewilligen und dies dem Innendepartement melden.

Für das Trauungslokal in Kirchleerau hat der Gemeinderat bereits seine Zustimmung erteilt. «Natürlich hoffen wir, dass sich künftig auch andere Paare bei uns trauen lassen», so Béatrice Meili und Rolf Baumann.

Nicht gratis

Kirchleerau und 13 weitere Gemeinden aus dem Suhren-, Rueder- und Uerkental sind seit 2004 dem Regionalen Zivilstandsamt Schöftland angeschlossen. Das Amtslokal befindet sich in der umgebauten Schlossscheune, zudem können sich Paare in einem Raum im Schloss das Ja-Wort geben.

Die Räume seien gefragt, meint Zivilstandsbeamtin Monika Frauchiger, der Lage wegen: «Der Schlossgarten ist für Apéros begehrt.» Weil das Zivilstandsamt einmal im Monat am Samstag offen ist, kommen viele auswärtige Brautpaare.

Reisen die Zivilstandsbeamtinnen aus Schöftland in ein auswärtiges Trauungslokal, machen sie das nicht gratis. Laut Monika Frauchiger stellen die Zivilstandsämter den Brautleuten Weg und Zeit in Rechnung. Daneben müssen die Paare die Miete des Raumes bezahlen.

Eheregister verlangt Gemeindename

In der Region gibt es inzwischen viele originelle Trauungslokale, seit jüngstem das noble Widenmoos-Resort in Reitnau. «Bei uns ist das Brautpaar das einzige auf dem Rasen», wirbt das Widenmoos für Exklusivität.

Ehrwürdige Trauungslokale sind die Schlösser Hallwyl, Lenzburg oder Wildegg. Auf dem Hallwilersee ist eine Trauung jedoch unmöglich. Im Eheregister muss ein Trauungslokal von einer bestimmten Gemeinde stehen.

In der Region Aarau finden Trauungen auf Schloss Liebegg, im Schlössli Aarau oder im Museum Suhr statt. Die Wahl des Trauungslokals sei auf die Bedürfnisse des Paares abgestimmt, sagt der Leiter des Zivilstandsamtes Aarau, Beat Koch: «Im Schlössli Aarau haben zehn Personen Platz, auf der Liebegg hingegen kann eine ganze Gesellschaft dinieren.»

Auch der Auftritt der Brautleute sei unterschiedlich: Manche Paare erschienen im Galakleid, andere reisten in der Kutsche an.

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