Mit Kreuz und Fahnen in den Tod

3000 Katholiken und 1000 Reformierte verloren im Zweiten Villmerger Krieg 1712 ihr Leben. 300 Jahre später zeichnet ein Landschaftstheaterstück von Paul Steinmann aus Villmergen vor dem Schloss Hilfikon das Ereignis nach und wagt einen Ausblick auf die heutige Zeit.

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Mit Kreuz und Fahnen in den Tod

Mit Kreuz und Fahnen in den Tod

Jörg Baumann

Das Landschaftstheaterstück von Paul Steinmann über den Zweiten Villmerger Krieg hat erst einen Arbeitstitel: «1712 – Eine Schlacht in Gottes Namen». Aber der Enthusiasmus ist gross. Vier Freiämter Theatergruppen haben sich zum Verein «Szene Freiamt» zusammengeschlossen: das Kellertheater Bremgarten, der Verein Kultur im Sternensaal Wohlen, MuriTheater und die Theatergesellschaft Villmergen. Sie bilden die Plattform für ein Theatereignis, das es so im Freiamt noch nie gegeben hat, nämlich vor der grossartigen Kulisse des Schlosses Hilfikon, wo die katholischen Innerschweizer Truppen 1712 ihr Kriegskommando eingerichtet hatten.

Modernere Kriegstechnik

Jedes Schulkind weiss : Die reformierten Berner siegten im Zweiten Villmerger Krieg. Der Bremgarter Historiker Fridolin Kurmann, erster Präsident des Vereins «Szene Freiamt», hat dafür eine einfache Erklärung: Die Berner hatten die modernere Kriegstechnik und besassen mehr Schusswaffen als die Katholiken, die nach der veralteten Methode fochten, «als ob sie noch Streitäxte und Hellebarden geführt hätten». Zudem spielte das Wetter den Bernern in die Hand. Die Bünz führte in der entscheidenden Schlacht am 25. August 1712 Hochwasser. Die Bünzebene war überflutet. Im Sumpf verloren 3000 Katholiken ihr Leben.

Innerlich hat der Schreibprozess am Stück für Paul Steinmann zwar bereits begonnen. «Aber es ist noch vieles offen. Zuerst müssen wir wissen, wie viele Theaterspieler mitmachen wollen.» Sicher sei, dass die Schlacht nicht nachgestellt werde. Für Steinmann bewegt sich das Stück zwischen zwei Polen, «zwischen dem, was vor 300 Jahren passierte, und dem, was heute immer noch geschieht». Autor Paul Steinmann möchte herausfinden, «ob wir heute weiter gekommen sind als damals im Zweiten Villmerger Krieg». Er will keine Geschichtslektion bieten, sondern eine solide Antwort auf die Schlacht finden.

Jeder kann mitwirken

«Alle können im Stück mitmachen», betont der in Wohlen aufgewachsene Regisseur Adrian Meyer – also nicht bloss die Mitglieder der vier Theatergruppen, die hinter dem Vorhaben stehen. Gesucht würden nicht nur Spielerinnen und Spieler, sondern auch theaterbegeisterte Leute, die hinter der Kulisse tätig sein möchten, gibt Produktionsleiter Goggo Zweifel aus Merenschwand zu verstehen. «Wer mitmachen will, muss bereit sein, 2012 seine Sommerferien zu opfern», hebt Adrian Meyer hervor. Vorentscheidend wird sein, was am 25. September läuft. An diesem Tag treffen sich alle, die sich fürs Landschaftstheaterstück interessieren, zu einer Informationsveranstaltung.

Die Premiere findet am 25. Juli 2012 statt, am 300. Jahrestag der Schlacht bei Villmergen. Anmeldungen von Interessentinnen und Interessenten nehmen das Kellertheater Bremgarten, Kultur im Sternensaal, MuriTheater und die Theatergesellschaft Villmergen entgegen. Kontaktstelle: Fridolin Kurmann, Bremgarten (fridolink@bluewin.ch, Telefon 056 633 79 42).

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