Oensingen
Mit ihm geht eine Ära zu Ende

Nach 15 Jahren ist Schluss: Die Pizzeria Bingo-Bongo im «Bad Klus» schliesst auf Ende Jahr ihre Tore. Die Wirtschaftsflaute, weniger Lastwagen-Chauffeure und der Tod seines Bruders machen dem Wirt Antonio die Gloria zu schaffen.

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Bingobongo

Bingobongo

Solothurner Zeitung

Fabian Muster

Antonio di Gloria kann nicht mehr: «Ich bin von morgens um 6 bis nachts um 1 Uhr auf den Beinen. Ich will mir das nicht noch einmal fünf oder zehn Jahre aufhalsen.» Der Pächter und Wirt des Restaurants Bad Klus in der Äusseren Klus bei Oensingen hört auf Ende Jahr auf. Dann läuft der Pachtvertrag aus. «Das Restaurant ist zu gross, um so wenig Umsatz zu machen», nennt di Gloria einen der Hauptgründe. Um «sicher einen Drittel» sei der Umsatz zurückgegangen. Zu wenig, um 18 Angestellte sieben Tage in der Woche im Zweischichtbetrieb zu finanzieren. «Wir haben die Kundschaft mit dem weniger grossen Portemonnaie, und diese sparen halt jetzt bei den Restaurantbesuchen. Verübeln kann ich ihnen dies nicht.»

Zu wenig Lastwagen-Parkplätze

Doch der umtriebige Wirt spürt nicht nur die Wirtschaftskrise, auch die Chauffeure suchen die Beiz seit dem Wegfall des grossen Lastwagen-Parkplatzes nach dem Landi-Neubau weniger häufig auf. Eine Umzonung für einen neuen grossen Parkplatz zwischen der Liegenschaft und der OeBB-Linie hat der Regierungsrat abgelehnt (wir berichteten). Seither ist nur noch der kleinere Platz hinter dem Restaurant als Parkiermöglichkeit für Camions vorhanden sowie abends 25 Plätze für Autos auf dem Landi-Areal.

«Bad Klus» soll Beiz bleiben

«Wir wollen das ‹Bad Klus› auf jeden Fall als Restaurant weiterbetreiben - wenns geht gleich ab Anfang 2010», sagt Mitinhaber Bruno Steinmann. Der Mann aus Schötz LU hat die Liegenschaft vor drei Jahren zusammen mit Jasmin Brunner aus Balsthal gekauft. Einen Wirt aus der Region würde er bevorzugen, einige Interessenten seien vorhanden, so Steinmann. Er wäre auch bereit, in das geschichtsträchtige Haus zu investieren, wenn ein Pächter ein neues Konzept vorstellte. Bisher haben die neuen Besitzer rund 200 000 Franken ausgegeben. Zum jetzigen Pächter Antonio di Gloria hätte man ein gutes Verhältnis gehabt, betont Steinmann. «Gerne hätten wir ihm das Haus weiterverpachtet.» (fmb)

Dazu kommen private Gründe. Sein Bruder und Geschäftspartner ist dieses Jahr verstorben. Und seine 80-jährige Mutter kann altersbedingt nur noch beschränkt mithelfen. «Ich habe die Nase nicht voll, aber aufgrund dieser Umstände frage ich mich schon, wie viel Idealismus man haben muss, um diese Beiz weiterzuführen.»

Di Gloria wollte Liegenschaft kaufen

Seit 1986 steht der Name «Bingo-Bongo» für Pizzen aus dem Hause der Gebrüder di Gloria. Zuerst startete die Pizzeria im Restaurant Löwen in Balsthal, dann war man in der «Schmitte» an der Schmiedengasse für rund fünf Jahre daheim, bevor die beiden vor 15 Jahren das «Bad Klus» übernahmen. «Ich höre natürlich mit einem weinenden Auge auf», sagt di Gloria. Er habe zur Liegenschaft geschaut, wie sie ihm selbst gehören würde. Über eine halbe Million Franken soll er nach eigenen Angaben investiert haben. Eine Gartenterrasse für 150 Personen, eine Bar, einen neu gestalteten Eingang, einen Weinkeller oder Duschen für die Chauffeure sind einige der Neuerungen der letzten Jahre. Als der frühere Besitzer Peter Lässer aus finanziellen Schwierigkeiten die Liegenschaft nicht mehr halten konnte, wollte Wirt di Gloria eigentlich zugreifen. Doch ihm fehlte das nötige Geld. Die Liegenschaft fiel schliesslich an Jasmin Brunner und Bruno Steinmann (siehe Text unten).

Und was macht Antonio di Gloria ab Januar 2010? «Seit 10 Jahren arbeiten wir mit dem Interkantonalen Feuerwehr-Ausbildungszentrum (ifa) in der Klus zusammen, vielleicht mache ich da noch was weiter», sagt der 49-Jährige. Eine andere Variante wäre eine kleinere Beiz zu führen. Doch entschieden sei noch nichts.

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