Er war der erste Kaiser der ältesten Erbmonarchie der Welt seit rund 200 Jahren, der zu Lebzeiten den Thron für seinen Nachfolger freimachte. Nun ist Akihitos ältester Sohn Naruhito das neue Symbol der Einheit der Nation. Auf diese Rolle ist ein japanischer Monarch laut der pazifistischen Nachkriegsverfassung beschränkt. Zu politischen Fragen darf sich der Kaiser nicht äussern.

Bei einer ersten von drei Zeremonien zur Inthronisierung von Naruhito wurden dem neuen Kaiser am Mittwoch von Beamten des Haushofamtes zwei der Throninsignien überreicht: ein Schwert sowie Krummjuwelen, die das Kaiserhaus von der Sonnengöttin Amaterasu erhalten hat. Die einfache Zeremonie begann um 10.30 Uhr Ortszeit (0300 MESZ) und dauerte lediglich zehn Minuten.

Erste kaiserliche Worte

Parallel wird ein Hauptritualist im Namen des Kaisers dem Spiegel - der dritten Throninsignie als Vertretung der Gottheit - mitteilen, dass der Kaiser die Insignien entgegennimmt. Später wird Naruhito bei einer weiteren Zeremonie seine erste Ansprache vor Vertretern des Staates und seiner Kaiserfamilie halten.

Japans neuer Kaiser Naruhito verkündete am Mittwoch, dass er den Chrysanthemen-Thron bestiegen habe. Er werde im Einklang mit der Verfassung seine Verantwortung als Symbol des Staates erfüllen, sagte der 59-Jährige in seiner ersten Botschaft an das Volk.

"Ich bete aufrichtig für das Glück der Menschen und die weitere Entwicklung der Nation wie auch des Friedens der Welt", sagte Naruhito bei einer kurzen feierlichen Zeremonie im Palast an der Seite seiner Gemahlin, Kaiserin Masako.

Als erster ausländischer Staatsgast wird US-Präsident Donald Trump Ende dieses Monats den neuen Kaiser treffen. Die USA mit ihrem atomaren Schutzschild sind Japans wichtigster Sicherheitspartner.

Bruch mit Traditionen

Die eigentliche Thronbesteigungszeremonie "Sokuirei Seiden no gi" findet am 22. Oktober statt, zu der auch zahlreiche Würdenträger aus dem In- und Ausland geladen werden. Anschliessend werden der neue Kaiser und seine Gemahlin, Kaiserin Masako, bei einer feierlichen Parade in einer offenen Limousine durch Tokio fahren. Es folgen zudem Banketts mit mehr als 2000 geladenen Gästen. Eine dritte Zeremonie, das sogenannte Daijosai, folgt dann am 14. und 15. November. Danach ist Naruhito dann endgültig in die Reihe der Kaiser aufgenommen.

Naruhito will sich seinen Vater, der mit vielen alten Traditionen am Hofe brach und dem Volk so nah war wie kein anderer Kaiser vor ihm, zum Vorbild nehmen. Zugleich dürfte er für frischen Wind sorgen. Seine Regentschaft dürfte nach Meinung von Palastbeobachtern anders als die seines Vaters nicht mehr so stark unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges stehen, von dem Akihito geprägt war. Während seiner 30-jährigen Ära war Akihito ein überzeugter Verfechter der pazifistischen Nachkriegsverfassung und galt als Gewissen der Nation.