Schweinegrippe
«Handschläge sollten unterlassen werden»

Ob die Schülerinnen und Schüler zum Schulanfang das Schweinegrippe-Virus in die Schulzimmer mitbringen werden, weiss niemand so genau. Doch die Schulen rüsten schon mal auf.

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Weiningen

Weiningen

Limmattaler Zeitung

Bettina Hamilton-Irvine

Wenn am Montag Hunderte von Limmattaler Schülerinnen und Schülern nach den Ferien in ihre Klassenzimmer zurückkehren, erwartet sie anstelle eines Begrüssungsanlasses eine Lektion im Händewaschen. Und in gewissen Schulen werden sie sogar angehalten, auf den Handschlag oder das Begrüssungsküsschen mit ihren Freunden zu verzichten und sich stattdessen ohne Körperkontakt willkommen zu heissen.

Seifenspender, Papiertücher, Kübel

«Wir wollen auf keinen Fall Panik verbreiten, aber wir haben alle nötigen Vorkehrungen getroffen», sagt Sabine Waser, Primarschulpräsidentin in Weiningen. Tatsächlich hat man an der Primarschule Weiningen eine ganze Palette an Massnahmen ergriffen, um die Verbreitung des H1N1-Virus möglichst zu verhindern: Die Schulzimmer sind mit Seifenspendern ausgestattet worden, Handtücher wurden durch Papiertücher ersetzt und Abfallkübel mit Deckel ausgestattet. Daneben habe man Informationsblätter zu Hygienemassnahmen im Schulhaus verteilt, die Eltern informiert und jegliche Grossanlässe wie den traditionellen Begrüssungsanlass nach den Ferien abgesagt, so Waser. Ob man die Klassenlager allenfalls absagen werde, habe man noch nicht entschieden. «Nun warten wir erst mal ab, was kommen mag», sagt Waser. «Wir sind vorbereitet.»

Spitäler verschärfen Massnahmen

Nachdem in Basel eine junge Mutter in Lebensgefahr schwebt, weil sie durch einen Spitalbesucher mit der Schweinegrippe infiziert worden ist, verschärfen verschiedene Spitäler ihre Vorsichtsmassnahmen, um Patientinnen und Patienten besser schützen können. Auch im Spital Limmattal erwägt man zusätzliche Schutzmassnahmen, wie Spitaldirektor Gregor Frei bestätigt: «Wir haben uns auf jeden Fall Gedanken gemacht. Was wir sicher machen, ist, Händedesinfektionsmittel für die Besucher bereitzustellen.» Man überlege sich auch, Schutzmasken an die Besucher abzugeben, so Frei. Dies habe man jedoch noch nicht eingeführt.
Bereits seit einigen Wochen werden im Zürcher Unispital Schutzmasken an die Besucher verteilt. Erst als Reaktion auf den Fall in Basel hat man dieselbe Massnahme im Triemlispital ergriffen. Beide Spitäler weisen ausserdem mit Infotafeln an den Eingängen auf das richtige Verhalten bei Grippesymptomen hin.
Die junge Mutter, die sich im Bruderholzspital im Kanton Basel-Landschaft mit dem Schweinegrippe-Virus angesteckt hat, nachdem sie ein Kind geboren hatte, liegt unterdessen im Basler Unispital im künstlichen Tiefschlaf. Das Kind ist offensichtlich nicht infiziert worden. Gemäss Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sind bis am Dienstag in der Schweiz 683 Fälle von Schweinegrippe im Labor bestätigt worden. Gestorben ist an dem Virus in der Schweiz bis anhin noch niemand. (BHI)

«Handschläge unterlassen»

Ähnlich ausführlich vorbereitet hat man sich an der Oberstufe Weiningen, welche von Schülern aus Unterengstringen, Geroldswil und Oetwil besucht wird. Wie Schulpräsidentin Ingrid Donatsch erklärt, hat man die nötigen Massnahmen an einer speziellen Sitzung besprochen. Danach wurde mit Seifenspendern, Papierhandtüchern und gedeckten Kübeln aufgerüstet. Zusätzlich werden Feuchttücher an die Lehrpersonen abgegeben, und diese angehalten, damit täglich Türklinken und Armaturen zu reinigen. Auch die Hauswarte würden sich öfters als bisher auf ihre Putzrunden begeben.

«Wir haben die Schüler ausserdem darauf hingewiesen, dass Begrüssungen mit Handschlägen oder Küssen unterlassen werden sollten», betont Donatsch. Auch das Lehrpersonal werde auf Händeschütteln verzichten. Gestern seien Informationsbriefe an die Eltern verschickt worden und in den Klassen seien Instruktionen zum korrekten Handwaschen geplant. «Ich persönlich habe keine Angst vor der Schweinegrippe», sagt Donatsch. «Aber wir müssen die nötigen Vorkehrungen treffen. Schliesslich haben wir auch eine gewisse Vorbildfunktion.»

Relativ entspannt geht man die ganze Sache in Urdorf an. «Wir werden den Schulbetrieb auf jeden Fall weiterführen», erklärt Schulpräsident Stefan Zehnder. Man halte sich an die Richtlinien der Bildungsdirektion und habe die Eltern mit einem entsprechenden Schreiben informiert. «Wichtig ist, dass man die Grundlagen einhält und ein Augenmerk auf die Sache richte», so Zehnder. «Panik ist nicht angezeigt.»

Nur das Übliche

Auch in Birmensdorf und Aesch nimmt die Schulpflege eine eher pragmatische Haltung ein. «Wir orientieren uns an den Richtlinien der Bildungsdirektion» sagt Rolf Preisig, Präsident der Sekundarschulpflege. Dazu gehörten die üblichen Hygienemassnahmen, sowie Informationsbriefe an die Eltern und Anweisungen an die Schüler. «Darüber hinaus haben wir aber keine besonderen Schritte geplant», so Preisig.

Grosse Veranstaltungen abgesagt

Etwas weiter geht man in Dietikon, wo bis zu den Herbstferien alle klassenübergreifenend Informationsveranstaltungen abgesagt sind. Selbst der Schulbesuchsmorgen und der Tag der offenen Tür zum 100-Jahr-Jubiläum des Zentralschulhauses sowie die vorangehende Projektwoche wurden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, wie Schulpräsident Gaudenz Buchli mitteilt.

Weiter habe man alle nötigen Vorkehrungen, gestützt auf die verbindlichen Richtlinien des Volkschulamtes, getroffen. Schüler und Eltern würden detailliert informiert, so Buchli, und, wo nötig, angeleitet: «Vor allem mit den kleineren Kindern werden wir zum Beispiel auch das richtige Händewaschen üben.»

«Das Kind wird isoliert betreut»

Wie in den anderen Gemeinden stützt man sich auch in Schlieren auf die Anweisungen des Kantons, wie Bea Krebs, Ressortvorsteherin Bildung und Jugend bestätigt. Dasselbe gilt für die Gemeinde Uitikon, die als einzige der Limmattaler Gemeinden sogar Informationen zur Schweinegrippe auf die Webseite der Schule gestellt hat. Dort wird unter anderem beschrieben, wie Schülerinnen und Schüler behandelt werden, falls sie einschlägige Symptome aufweisen: «Das Kind wird eine Mundmaske erhalten und so lange isoliert betreut, bis die Eltern das Kind abholen können.»

Zum hygienischen Schutz habe man genügend Papierhandtücher, Flüssigseifen und Mundschutzmasken organisiert. Ausserdem werde man gemäss der Empfehlung des Kantons bis auf weiters auf klassenübergereifende Veranstaltungen verzichten.