Hände hoch beim Bremsen

Die fünfte und letzte Ausfahrt des Regio-Skate Baden-Wettingen war trotz Herbsttemperaturen ein Renner...

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Andreas Bannwart

Ich gebs zu: Eigentlich war mir das Wetter am Montag zu garstig für nächtliche Rollerblades-Runden. Aber was tun, wenn die letzte Regio-Skate-Ausfahrt des Jahres stattfindet? Freizeitschuhe ab, Rollerblades an, in den Lift, runter, raus, los.

19.40 Uhr, Bahnhofplatz Baden, 20 Minuten bis zum Start. Nur: Wo sind sie alle? Einladung falsch gelesen? Ah, eine Dame in Rollerblades sitzt am Rand des Bahnhofbrunnens. Ein Auto des Regio-Skate-Teams mit Lautsprechern auf dem Dach steht bereit, nebenan ein paar Herren des Teams in leuchtenden Überzügen, bereit für die Ausfahrt. «Bist du Helfer?», fragt mich einer. «Nein, Fahrer.» Das soll auch so bleiben. Frisch ist es und ich merke, wie es mir an meinen Allerwertesten zieht.

Punkt 20 Uhr haben sich doch noch 30 Skater eingefunden, die dem Geländer entlang abwärts auf den Casino-Kreisel zurollen. Das Regio-Skate-Team sperrt die Strasse ab, die Skater suchen den Weg zwischen Strassenmarkierungen und letzten Regenspuren hindurch und nehmen in der Kreisel-Kurve Schwung auf. An der Gruppenspitze ein Polizei-Töff, zuhinterst der Besenwagen mit den Lautsprechern und ein Polizeiauto. Eine Eskorte wie bei einem Staatsbesuch. Dass ich das einmal erlebe...

In der Römerstrasse reicht ein leichtes Abstossen vom Boden, um bis zum abfallenden Streckenteil unter der Bahnunterführung durchzubrettern – schneller als ich wollte und dachte, komme ich unversehrt an. Wie ein Schaf der Herde folge ich der Gruppenspitze entlang der Bruggerstrasse, bevor wir uns in den Schlossbergtunnel hineinstehlen. Erst der Aufstieg zum Schadenmühleplatz trennt den Routinier vom Amateur. «Gell, jetzt schwitzt du auch», sagt mir
einer. Und ob.

Und da lauert noch etwas, hinter dem «Spitzbueb»: der Bahnübergang. Hier war ich schon mit dem Velo gepurzelt. Also: Füsse hoch, einer nach dem anderen, Arme raus und rudern.

Um 20.32 ist Trinkpause vor dem Fressnapf in Dättwil. Eine kurze, denn es locken die lange Busspur nach Baden und das freie Schlängeln um die gelben Buchstaben «B U S» herum. Ja, das Lausbübische, das gefällt mir. Und weil die Polizei mitfährt, darf ich sogar. Doch während ich selbstvergessen der Stadt entgegenrolle, habe ich plötzlich den Besenwagen im Nacken. Ich bin zum Schlusslicht geworden und habe mir die Ohren kalt gefahren kurz vor dem Schadenmühleplatz. Dort, wo alle Skater ihre Hände in die Luft strecken – das Zeichen für «bremsen», bis der derbe Gummigeruch der Bremsklötze in der Nase beisst.

Über die leer gefegte Hochbrücke rollen wir zur Kanti Baden hin für die grosse Pause. Schnallen lösen, Füsse lüften. Und dann nochmals los durch Wettingen für den Rest der 14 km langen Strecke. Beim Bahnhof wagt sich sogar ein Feuersalamander auf die Strasse. Mal lasse ich meine Beine nach vorne pendeln, mal den Oberkörper. Ich wundere mich fast, dass ich noch nicht auf den Teer geklatscht bin. Dabei bleibt es bis zur Ankunft in der Badstrasse, wo mir die angesammelten Schweissperlen langsam in die Augenhöhlen kullern. «Ah, die fahren wieder!», ruft eine überraschte Passantin. Ja, zum letzten Mal in diesem Jahr. Glücklich, wer dabei war.

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