Gäste trinken Kaffee an milder Novemberluft

In vielen Aarauer Cafés sitzen die Gäste dieser Tage gerne an den Tischen vor dem Restaurant. Sobald sich der Nebel jeweils am Nachmittag lichtet, steigt das Thermometer bis auf 15 Grad hoch.

Drucken
Teilen
November-Kafi in Aarau
5 Bilder
Restaurant Graben
Starbucks Bequeme Sessel vor dem Starbucks.
Falken
Tuchlaube

November-Kafi in Aarau

Schweiz am Sonntag

Von Deborah Balmer

«Wir haben jeden Tag Gäste, die ihren Kaffee auf der Terrasse trinken», heisst es im Restaurant Graben. Und auch in der Crêperie an der Pelzgasse nutzt man die milden Temperaturen, um sich mit dem Kafi nach draussen zu setzen. Vor dem Restaurant Tuchlaube stehen derzeit ein kleiner Tisch, vier Stühle und ein Sonnenschirm - direkt neben dem riesigen noch undekorierten Weihnachtsbaum. Im Restaurant Starbucks im Kasinogarten sagt Alexandra Hadorn: «Sobald der Nebel weg ist, setzen sich die meisten Gäste am liebsten nach draussen.»

Zwar könne man hier den ganzen Winter auf der Terrasse sitzen - wenn es winterlich kalt ist, wärmen die Heizstrahler die Gäste. «Doch diese braucht es jetzt nicht», so Hadorn. Starbucks ist eigentlich schon sehr auf Weihnachten eingestellt: Kaffeetassen mit Weihnachts-Sujets, Plüschfiguren und festliche CDs verkauft die amerikanische Kette.

Dazu passen die fast frühlingshaften Temperaturen nur schlecht. Die Aargauer Meteorologin Christine Jutz, die beim Schweizer Fernsehen SF arbeitet, sagt: «Das warme Wetter der letzten Tage haben wir einem Hochdruckgebiet über der Adria zu verdanken - dieses bringt warme Luft aus Nordafrika zu uns.»

Gleichzeitig ist das Wetter laut der Meteorologin durch eine Föhnströmung beeinflusst. In Gebieten, in denen der Föhn bläst, steigen die Temperaturen dann gleich nochmals an. Besonders mild kann es im Aargau beispielsweise auf der Lägern werden. «Am Freitag hat man hier 15 Grad gemessen», so Christine Jutz.

Rekordtemperaturen wurden dieser Tage in Chur und in Visp gemessen: Frühlingshafte 19 Grad zeigte das Thermometer an. Im Wallis war es laut Jutz um diese Jahreszeit letztmals 1984 so warm. Auch der Aarauer Wetterbeobachter Eugen Wehrli bestätigt: «Dieser November liegt bis jetzt etwa drei Grad über der Norm.» Wegen der Klimaveränderung würde der Herbst aber seit 1980 immer wärmer.

Die fast frühlingshaften Temperaturen, die auch in Aarau herrschen, freuen nicht jeden: Patrick Donauer ist Eismeister in der Keba: «Wir hoffen auf den Wintereinbruch.» Die Keba hat bereits seit Ende September den Betrieb aufgenommen. Davon profitieren würden zwar unter der Woche fast täglich Schulklassen aus der Region.

Doch: «An den Wochenenden kommen weniger Besucher auf die Kunsteisbahn als sonst zu dieser Jahreszeit», bedauert Donauer. Arbeit hat der Eismeister allerdings mehr, als wenn es kälter wäre. Weil das Eis schmilzt, muss er regelmässig Wasser vom Aussenfeld aufnehmen. Auch braucht es viel Energie, um das Eis zu kühlen. Auch anderswo hofft man auf den Wintereinbruch. So der Sportartikelverkäufer Beat Häberli, der sein Geschäft zwischen den Toren in der Altstadt in Aarau hat: «Am besten laufen bei uns derzeit Wanderjacken und Wanderhosen. Die Winterkleider und die Wintersportausrüstung sind aber Ladenhüter.»

Für Häberlis Geschäft ist es eindeutig zu warm: «Jetzt haben wir 17 Grad, vor einem Jahr habe ich vor dem Geschäft Schnee geschaufelt», erinnert sich Häberli. Zwar würden die Kunden ins Geschäft kommen und sich die Winterartikel anschauen: «Kaufen tun sie aber nichts.»

«Einen wirklichen Wintereinbruch sehe ich noch nirgends», sagt die Meteorologin Jutz. Zwar wird es in diesen Tage leicht kühler, doch es bleibt mild. Trotzdem: «Eine weisse Weihnacht ist natürlich möglich - ist einmal kalte Polarluft im Anzug, kann der Winter in zwei bis drei Tagen hier sein.»

Aktuelle Nachrichten