Biber
Erleichterung hier, Ärger da

Dass ab 2010 alle Schüler nach Biberist in den Unterricht sollen, missfällt den Eltern im Schöngrün und im Bleichenberg. Sie überlegen sich, die Beschwerde weiterzuziehen.

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Christof Ramser

Die Eltern in den stadtnahen Aussenquartieren von Biberist sind verärgert. Diese Woche hatte der Regierungsrat beschlossen, die Beschwerde gegen den Gemeinderatsentscheid zum Schulort abzulehnen (siehe gestrige Ausgabe). «Vor allem die Oberflächlichkeit des Regierungsratsbeschlusses überrascht mich», sagt Vreni Bürki, Mutter zweier Schülerinnen im Schöngrün-Quartier.

«Ich bin heftig enttäuscht.»

Enttäuscht ist auch Jürg Herren, der am Lunaweg wohnt. Auch sein Kind soll gemäss Beschluss des Gemeinderats dereinst die Schule in Biberist besuchen. «Der Entscheid der Regierung kam für mich natürlich nicht unerwartet», sagt der Jurist. «Aber unseren Anliegen wurde im Verfahren nicht entsprechend Rechnung getragen.» Herren betont, dass es ihm nicht um die Qualität der Schulen gehe, sondern einzig um den Schulweg. Und der sei ab Sommer 2010 zu lang und zu gefährlich. $

Gerade auch der neue Aespli-Kreisel sowie das befürchtete hohe Verkehrsaufkommen beim Lidl bereiten Vreni Bürki Sorgen. Die Eltern der 22 Schulkinder aus den betroffenen Quartieren prüfen nun, die Beschwerden weiterzuziehen. Gemäss Rechtsmittelbelehrung des Regierungsratsbeschlusses ist das Bundesgericht die nächste Instanz. Die Beschwerdefrist beträgt 30 Tage. Zu allfälligen Erfolgsaussichten will sich Jürg Herren nicht äussern.

«Biberist ist kinderfreundlich»

Der Biberister Gemeindepräsident Martin Blaser ist nach dem Regierungsratsbeschluss beruhigt. «Ich nehme mit Erleichterung davon Kenntnis». Die Regierung hält fest, dass der Gemeinderatsbeschluss weder rechtswidrig noch willkürlich gefällt zustande gekommen sei. Das sei wichtig, so Blaser.

Er glaubt, dass die Schulkinder aus den stadtnahen Quartieren künftig eine grössere Verbindung zu Biberist haben werden. «Der Bezug zum eigenen Dorf wird stärker.» Der Vorwurf, der Gemeinderat setze das Image Biberists als kinderfreundliche Gemeinde aufs Spiel, schmerze ihn, sagt Blaser auf Anfrage: «Das ist Unsinn. Biberist bietet viel in diesem Bereich. Den Beweis haben wir erbracht.»

Der Schulweg sei zumutbar, die aktuellen Busverbindungen ausreichend. Die Schulkommission erarbeitet die Bedingungen für den Schulwechsel und ist beauftragt, flexible Lösungen vorzuschlagen. Die Gemeinde spart mit der neuen Schülerzuteilung 200 000 Franken.

«Quartier hält zusammen»

Trotzdem resigniert Vreni Bürki nicht. Im Gegenteil: Sie ist zuversichtlich, dass
ihre Kinder auch in Zukunft nicht in Biberist zur Schule gehen. Mitunter seien da unkonventionelle Lösungen gefragt. Aber: «Unser Quartier hält zusammen.»

Denn auch die Freizeit würden ihre Kinder weiterhin in Solothurn verbringen und dort die Vereine besuchen. Stets mit dem Auto hin und her zu fahren, sei keine Option. «Dazu bin ich nicht bereit».

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