Die wahre Identität bleibt ein Heiligtum

Das kunterbunte und witzige Fasnachtsprogramm in der «Alten Mühle» Langenthal ist ein Renner.

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Die wahre Identität bleibt ein Heiligtum

Die wahre Identität bleibt ein Heiligtum

Solothurner Zeitung

Am Samstagabend fand sie zum zehnten Mal statt: die Fasnachts-Klein-Kunst. Was als Protest zum Gönnerabend eingeführt wurde, ist heute eine gelungene Ergänzung zum Programm der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft.
Dieser Meinung ist auch die Urwaldhexe Kurunkel.

karin iseli-trösch

Fasnacht ist ohrenbetäubend laut – und öfters mit einem nicht zu verachtenden Alkoholkonsum verbunden. Doch Fasnacht ist auch kunterbunt, witzig und hinterfragend. Dies zeigte sich einmal mehr an der diesjährigen Fasnachts-Klein-Kunst (FKK) in der «Alten Mühle». 200 Personen schafften es: Sie beschafften sich rechtzeitig einen Eintritt für dieses Spektakel. Es fand bereits zum zehnten Mal statt.

Viele andere mussten an diesem Abend draussen bleiben. «Wir wären glücklich, wenn wir Platz für 300 Gäste hätten», sagte Organisator Peter Moser. Die Nachfrage nach Tickets steige Jahr für Jahr. Sobald eine genügend grosse Lokalität mit geeignetem Ambiente gefunden werde, ziehe der FKK-Abend um. Der 77-jährigen Urwaldhexe Kurunkel waren diese Platzprobleme egal. Sie sass ganz hinten im Saal, am Ende einer der langen Tischreihen. Sie schunkelte und lachte, was das Zeug hielt. «Ich bin bereits zum zweiten Mal an der FKK. Warum? Weil meine Tochter mich wahnsinnig lieb hat und mich deswegen einlädt», sagte sie. Ihren richtigen Namen wollte sie nicht verraten. An der Fasnacht ist die wahre Identität schon fast so etwas wie ein Heiligtum.

Fasnacht ist auch gut für die Bildung

Durch den Abend führten Gilbert und Oleg – im wahren Leben Andi Vettiger und Dominik Rentsch genannt. Die beiden sind absolute Multitalente. Egal ob bauchmuskelstrapazierende Komik, ulkige Musik oder mehr oder weniger verblüffende Zauberei; das Duo überzeugte in jeder der drei Sparten. Das Publikum war jedes Mal begeistert, wenn Gilbert und Oleg auf die Bühne traten, oder im Fall von Oleg wohl eher strauchelten. Dass Fasnacht auch durchaus gut für die Bildung sein kann, war nach diesem Abend auf jeden Fall klar: Wer weiss beispielsweise schon so genau, in welchem Kanton der Oberaargau wirklich liegt? Gilbert und Oleg kamen nach einigen Diskussionen zum naheliegendsten Ergebnis: dem Kanton
Aargau. Doch am meisten tobte das Publikum nicht beim Komikerpaar, sondern bei der Ansage Peter Mosers: «Ab diesem Jahr ist nicht nur im Saal, sondern auch im Foyer striktes Raucherverbot.»

Das wohl bekannteste Gesicht an diesem Abend zierte den Hals der Langenthaler Kulturministerin Paula Schaub (EVP). Für sie war die FKK übrigens nicht nur ein witziger Abend, sondern vor allem auch die eigene Geburtstagsparty. Sie feierte am gleichen Tag ihren 49. Geburtstag. Was Moser mit einem struppigen Stoffblumenstrauss bedachte.

Die Urwaldhexe Kurunkel ist eine leidenschaftliche Fasnachtsliebhaberin. Auch wenn ihr das rein optisch niemand zutrauen würde. Sowohl ihre Tochter, wie auch die Enkelin sind in einer Guggenmusik, sagte sie. Ein Umstand, welcher der rüstigen Dame viel abverlangt: «Fasnacht bedeutet für mich in erster Linie einmal Stress», sagte sie und lachte. «Ich nähe nicht nur für mich jedes Jahr ein Kostüm, sondern ebenfalls für meine Enkeltochter. Doch eigentlich bin ich sehr froh über dieses närrische Treiben. Sonst bekomme ich ja kaum je ein warmes Essen in meinem Hexenhäuschen, und am Fasnachtsumzug gibts immer so leckere Bonbons.»

Viele Lacher für die Plöörnöggle

Ausser dem Essen standen an der FKK diverse musikalische und sprachgewandte Gruppen im Mittelpunkt des Geschehens – zum Beispiel die in der Region bekannten «Vierklang». Die vier Oberaargauer liefern klassisch unterhaltende A-cappella-Musik. Höhepunkt war der Auftritt der Tambouren Langenthal. Diese überraschten mit einer originellen Zugabteilmusik. Worum es sich dabei handelte, war schwer zu sagen. Am besten studiert man einmal auf einer Zugfahrt ein wenig genauer all die kleinen und grösseren Dinge in so einem Abteil. Dabei überlegt man sich schliesslich, wie sich damit Musik machen lässt.

Viele Lacher ernteten die Plöörnöggle. Die fünf gestandenen Männer der Comedy-a-cappella-Band nahmen nicht nur sich selber und die beachtlichen Leibesfüllen auf die Schippe, sondern auch allerlei volkstümliche Kinderlieder. So besangen sie unter anderem die Ramseiers und ihren Verkauf von Gras. Hörenswert waren die Plöörnöggle jedoch nicht nur wegen des Witzes in ihren Texten, sondern auch wegen ihrer beachtlichen Stimmlagen. Während einer der Männer im Keller sang, erklomm ein anderer ohne Mühe die oberste Spitze im Kirchturm – bildlich gesprochen, versteht sich.

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