Wuhr
Die Suche nach alten Siedlungen

Bereits im Juni fand der Spatenstich für eine knapp 30 Millionen Franken teure Überbauung auf dem Wuhr-Areal statt. Nun ist der Archäologische Dienst des Kantons Bern vor Ort und nimmt erste Grabungen vor.

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Solothurner Zeitung

Tobias Granwehr

Mit drei Personen ist der Archäologische Dienst des Kantons Bern momentan auf dem Wuhr-Areal präsent. Dort werden die Aushubarbeiten für eine neue Überbauung mit fünf Häusern und über
50 Wohnungen vorgenommen. Zurzeit werde an zwei Stellen nach archäologischen Strukturen gebaggert, erklärt Marianne Ramstein auf Anfrage. Die Bereichsleiterin Landsiedlungen und Gräberfelder des Archäologischen Dienstes weiss noch nicht genau, was sie auf dem Wuhr-Areal erwartet: «Wir stellen gewisse Verfärbungen fest. Das sind erste Zeichen, die uns sagen: Hier kommt etwas archäologisches zum Vorschein», so Ramstein. Es werde allerdings noch einige Wochen dauern, bis erste Resultate vorlägen und Aussagen gemacht werden könnten. Dennoch: Die Archäologin rechnet «mit Resten einer wohl mittelalterlichen Siedlung und mit neuzeitlichen Gewerbebauten».

Für Ramstein ist Langenthal kein unbekanntes Pflaster. Sie hat auch die Grabungen im Unterhard, die im Zuge der Bauarbeiten zur «Bahn 2000» durchgeführt wurden, geleitet - und danach die Ausstellung «Aus dem Schatten ans Licht» im Museum Langenthal mitgestaltet (wir berichteten).

Gebäudemauern Richtung Langete

Bereits diesen Frühling führte Grabungsleiter Urs Liechti auf dem Wuhr-Areal erste Sondierungen durch. So habe er herausfinden können, welchen Arbeitsaufwand das Team jetzt erwarte, sagt Liechti. «Es ist wichtig, diesen im Vorfeld einzugrenzen.» Denn: Die Grabungen werden eng mit den Bauarbeiten koordiniert, so dass die Bauherrschaft nicht zu lange auf den Baubeginn warten müsse. Liechti und sein Team stellten fest: «Je weiter wir Richtung Wuhrparkplatz und Langete kommen, umso mehr gibt es Anzeichen auf Gebäudemauern.»

Um möglichst bald detaillierte archäologische Erkenntnisse zu erhalten, wird das Grabungsteam laut Ramstein in den nächsten Wochen auf voraussichtlich über zehn Personen anwachsen. Dann werden zudem grosse Zelte auf dem Areal errichtet, damit die Grabungen jederzeit wettergeschützt durchgeführt werden können. Gemäss Liechti handelt es sich um eine der grösseren Flächen, die in den letzten Jahren im Kanton Bern von den Archäologen bearbeitet wurde.

Grabungen in Planung einberechnet

Bauherrin der zirka 30 Millionen Franken teuren Überbauung Wuhr ist die ABG baugroup AG, eine Schwesterfirma der Ducksch & Anliker Architekten AG. Mitinhaber Stephan Anliker ist sich bewusst: Das Tempo des Archäologischen Dienstes gibt auch das Tempo beim Bauen vor. «Das war uns aber von Anfang an klar, wir haben die Grabungen bei der Planung einberechnet», so Anliker. Es sei viel Koordination mit dem Archäologischen Dienst nötig - und das funktioniere gut. Es werde eine Verzögerung beim Bau geben. Diese werde aber kein halbes Jahr betragen, sagt er.

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