Farnern
Die Computer-Tüftler von der Jurahöhe

Innert elf Jahren hat sich die Boss Info AG in Farnern als Anbieter von Informatik-Gesamtlösungen eine führende Stellung aufgebaut. Als KMU verhilft Boss vorwiegend anderen KMU zur effizienten Erledigung des «Papierkrams».

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Simon Boss

Simon Boss

Schweiz am Sonntag

von Franz Schaible

Er heisst nicht nur so, er ist es auch: Simon Boss hat die Informatikfirma Boss Info AG gegründet und ist Mehrheitsaktionär. Was 1998 als Einmannbetrieb startete, ist heute eine landesweit tätige Unternehmung mit sechs Standorten und 90 Angestellten. Auffallend ist nicht nur der Name, sondern auch der Firmensitz. Kaum jemand erwartet im schmucken, noch intakten Bauerndorf Farnern, hoch am Jurasüdfuss auf 800 Metern über Meer gelegen, einen Dienstleistungsbetrieb.

«Wir wurden zu Beginn schon kritisch beäugt. Es war für viele Einwohner unvorstellbar, dass das Geschäft rentieren kann», erinnert sich der 41-jährige Simon Boss. Das sei aber alles Schnee von gestern. Heute sei die Firma im Dorf akzeptiert und man schätze sich gegenseitig.

«Wir optimieren bei unseren über 1000 Kunden die Geschäftsprozesse», umschreibt der Firmengründer das Dienstleistungsangebot. Was unspektakulär, theoretisch und trocken klingt, hat grosse Auswirkungen auf die internen betrieblichen Arbeitsabläufe. Das Zauberwort heisst Enterprise Resource Planning, Ressourcenplanung oder kurz ERP.

Dabei gehe es darum, die in einer Firma vorhanden Ressourcen wie Kapital, Betriebsmittel oder Personal möglichst effizient für den betrieblichen Ablauf einzusetzen. «Dazu bieten wir unsere massgeschneiderten Softwarelösungen an», sagt Boss und veranschaulicht das Ganze an einem Beispiel.

Die Zentrale liegt im beschaulichen Bauerndorf

Dass die Boss Info AG ihren Hauptsitz in Farnern hat, sei einem Zufall zu verdanken, erzählt Simon Boss. Der gebürtige Oberaargauer und seine Frau suchten für ihren kleinen «Zoo» (Pferde, Lamas, Ziegen, Hunde, Schlangen) eine Liegenschaft mit viel Umschwung. Fündig wurden sie dann in Farnern.

1998 gründete der zuvor bei der Swisscom tätige Informatik-Ingenieur die Firma und arbeitete zu Beginn alleine vom Dachgeschoss aus. Nur einen Steinwurf entfernt kaufte er wenig später ein Vierfamilienhaus, das zum Hauptsitz der Boss Info AG wurde und immer noch ist. Aktuell arbeiten 30 Angestellte in Farnern. Es sei sicher kein konventioneller Hauptsitz.

«Aber den Angestellten und den Kunden gefällt es.» Zur Gruppe gehören heute fünf Filialen in Schönbühl, Sursee, Horw, Zürich und im waadtländischen Puidoux. Insgesamt beschäftigt Boss heute 90 Angestellte inklusive fünf Lernende (Mediamatiker und Informatiker). Simon Boss ist Mehrheitsaktionär, der Rest ist in den Händen der Geschäftsleitungsmitglieder. (FS)

Das bei Metzgereien installierte «BossGourmet»-System ermöglicht die Kalkulation, die Buchhaltung, das Kassawesen bis hin zur Etikettierung (Zusammensetzung, Verfalldatum usw.) mit einem Programm vom PC aus. Wenn etwa der Preis für Kalbfleisch ändert, kann man die Preisänderung am PC eingeben, gleichzeitig wird die Waage im Laden entsprechend umprogrammiert.

Nach demselben Prinzip bietet Boss Lösungen für verschiedenste Branchen an. Die wichtigsten Kunden seien Produktionsfirmen, Service/Dienstleister sowie Handelsbetriebe. «Wir beliefern kleine bis grosse Firmen», sagt der Geschäftsführer. Die Zahl der Benutzer der Programme in den jeweiligen Betrieben reiche von 10 bis 650; im Durchschnitt würden jeweils 50 Benutzer mit dem installierten Programm arbeiten.

Als Grundgerüst setzen die «Bergler» auf Produkte von Microsoft. Diese Software-Grundversionen bauen die Boss-Informatiker und Software-Ingenieure aus, entwickeln sie weiter bis hin zur kundenspezifischen Lösung. «Wir kaufen also das Fundament ein und veredeln es. Denn es macht keinen Sinn, das Rad nochmals neu zu erfinden», erläutert er.

Unter den Firmen, die Microsoft-Grundversionen einsetzen, figuriere Boss unter den drei Grössten in der Schweiz. Insgesamt sei der ERP-Markt aber stark fragmentiert. «Selbst unsere Hauptkonkurrenten wie SAP oder Abacus kommen nicht über einen Marktanteil von sieben Prozent.»

Bereits früh habe er festgestellt, dass es eine gewisse Grösse brauche, um in diesem harten Konkurrenzmarkt wachsen zu können. Die Programme setzten sich aus vielen Modulen wie Finanzwesen, Lager/Logistik, Fertigung oder Einkauf zusammen. «Für alle braucht es Spezialisten, die ein kleiner Anbieter gar nicht zur Verfügung hat», begründet Boss das starke Wachstum der Firma.

Innerhalb von elf Jahren hat Boss sieben Mitkonkurrenten übernommen. Der Umsatz verdoppelte sich von 6,5 Millionen Franken im 2006 auf über 13 Millionen im vergangenen Jahr. Die Zahl der Beschäftigten stieg in den letzten acht Jahren von 10 auf fast 100.

Besteht mit dieser rasanten Expansion nicht die Gefahr, dass die Firma managementmässig überfordert ist und die finanziellen Strukturen aus dem Lot geraten? Dieses Risiko bestehe durchaus. Aber Boss Info habe das Wachstum gut verkraftet und investiere immer erst dann, wenn zuvor genügend Geld verdient worden sei. «Die Übernahmen sind nur teilweise fremdfinanziert, und wir sind finanziell gesund», beteuert Boss.

Familienbetriebe

Sie stehen nicht im Rampenlicht - trotzdem sind sie das Fundament der Schweizer Wirtschaft: die KMU. Ohne die meist familiengeführten kleinen und mittleren Unternehmen läuft nämlich nicht viel.

Die grosse Mehrheit der Betriebe gehört in diese Kategorie, und sie beschäftigen deutlich mehr als die Hälfte aller Angestellten; auch in den Kantonen Solothurn und Bern. Wir stellen in einer Serie KMU-Vertreter vor, die sich national und international auf ihren Märkten erfolgreich behaupten. (FS)

Trotzdem sei nun nach dem Wachstum eine Phase der Konsolidierung angesagt. Nicht zuletzt auch wegen der aktuellen Wirtschaftskrise. Da die Kunden vermehrt Hard- und Software aus einer Hand wollen, verkaufe Boss auch die Systeme, auf denen die Softwareprogramme laufen. Mit der Hardware erzielt Boss rund einen Viertel des Gesamtumsatzes.

Und in diesem Bereich harze es nun, weil die Kunden Investitionen in die Infrastruktur aufschieben. «Das spüren wir stark.» Unter anderem deshalb habe man den Personalbestand im laufenden Jahr von 95 auf 90 Angestellte reduziert. Zudem hätten unerwartete Mehrkosten in einer Niederlassung im vergangenen Jahr zu einem Verlust geführt.

«Dieses Jahr rechnen wir aber mit einer schwarzen Null.» Insgesamt bleibt der Jungunternehmer optimistisch. «Für 2009 haben wir einen Umsatz von 15 Millionen Franken budgetiert und für 2010 eine weitere Steigerung um zehn Prozent.»

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