Allmend

Die Allmend I: Von der Grossbaustelle zur Naturoase

Fünfzehn Jahre lang war sie Bauplatz für den SBB-Tunnel Zürich–Thalwil und den Üetlibergtunnel. Nun wurde aus der Allmend I eine Naturoase.

Thomas Marth

Die Fussgängerüberführung, die von Wollishofen her die Allmend I bis zur Sihl hin überquert, bot eine gute Aussicht auf die riesige Baustelle: Hier wurden zum Beispiel die Betonschalungen für den Eisenbahntunnel zwischen Zürich und Thalwil gegossen, der Aushub wurde über eigens verlegte Gleise abgeführt. Nun wurde das Gebiet renaturiert und neu gestaltet. Von der Überführung herab blickt man auf Trockenwiesen, Picknickplätze und Weiher. Ein flach zur Autobahn hin ansteigender Erdwall dämpft den Verkehrslärm.

Das Gelände ist eingezäunt, denn dieser 16Hektaren grosse Teil der Allmend Brunau ist für Vierbeiner gesperrt. Die Überführung bleibt stehen, damit Hund und Herrchen auch aus Wollishofen ohne Umwege in jenen Teil des Areals gelangen können, wo sie weiterhin geduldet sind.

Auentypische Bäume

Für die Neugestaltung der Allmend I zeichnete das Büro Raderschall aus Meilen verantwortlich. Wie Roland Raderschall am Medienrundgang erklärte, hat man sich am früheren Aussehen des Geländes orientiert. Bis ins 19. Jahrhundert, als die Sihl kanalisiert wurde, präsentierte es sich als Auenlandschaft. Inselartig in die Wiese gepflanzte Baumgruppen mit auentypischen Bäumen erinnern nun daran: Silberpappeln und Silberweiden, Ulmen und Erlen. Als Solitäre dazwischen wachsen Eichen.

Wer auf dem Weg vom Restaurant «Casa Bonita» (früher «Kantine») her durch das Areal spaziert, findet rechter Hand eine ganze Anzahl von Picknickplätzen. Links vom Weg hat die Natur Vorrang: Betreten verboten. Ranger sorgen dafür, dass sich die Besucher auch daran halten, und stehen für Fragen zur Verfügung. Am Katzensee habe man damit gute Erfahrungen gemacht, sagte Paul Bauer von Grün Stadt Zürich.

Ein Weiher mit Zweitfunktion

Allerdings regiert auch links des Weges nicht die Natur allein. Das hat mit der Infrastruktur im Untergrund zu tun. So würde das bei einem Brand im Bahntunnel verbrauchte Löschwasser in den idyllischen Weiher im vorderen Geländeteil hochgepumpt. In Zisternenwagen würde es danach abtransportiert. Weiter hinten ist ein Versickerungsbecken angelegt, in welches das hier reichlich anfallende Strassenabwasser geleitet wird.

Die Neugestaltung der sich in eine Sihlschlaufe schmiegenden Allmend I hätte ursprünglich auch das Flussufer umfassen sollen. Der Kanton wollte im gleichen Zug den Hochwasserschutz verbessern und der Sihl mehr Platz einräumen. Dieses Projekt liegt aber bis heute auf Eis. Der Hochwasserschutz wird unter Einbezug der Stadt Zürich als Ganzes neu überdacht. Die Aufweitung des Flusses ist durch eine Einsprache des Heimatschutzes blockiert. Er möchte die Militärbrücke und die Wehre als Zeugen der früheren Nutzung des Areales erhalten. Bis 1987 diente die Allmend der Armee als Übungsplatz.

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