Satelliten

Die Aargauer und der Weltraum

Professor Jörg Sekler zeigt stolz das Modell von Swiss Cube: Der  würfelförmige Minisatellit hat eine Kantenlänge von 10 Zentimetern.

Jörg Sekler

Professor Jörg Sekler zeigt stolz das Modell von Swiss Cube: Der würfelförmige Minisatellit hat eine Kantenlänge von 10 Zentimetern.

Aargauer Studenten der Fachhochschule Technik in Windisch mischen im Weltraum mit: Sie entwickelten die Software für den ersten Schweizer Mini-Satelliten Swiss Cube.

Von Jörg Baumann

Jörg Sekler, Dozent am Institut für Automation und Mitglied einer internen Fachgruppe an der erfolgreichen Fachhochschule (FH) in Windisch, zeigt seinen ganzen Stolz: «Wir haben den Beweis erbracht, dass auch eine Fachhochschule ihren Beitrag an die Weltraumfahrt leisten kann. Unsere Schule ist auf die Anwendung spezialisiert. Das ist unsere Stärke.»

Auf die ersten Daten, die der Swiss Cube vom Nachthimmelglühen auf die Erde schicken wird, wartet Jörg Sekler gespannt. Er berichtet: «Der Swiss Cube taumelt noch im Weltraum. Es dauert drei Wochen, bis er auf seiner Bahn stabil gehalten werden kann.» Aus seiner Erdumlaufbahn, 750 Kilometer über der Erde, soll der Satellit danach die ersten Daten vom Phänomen des Nachthimmelsleuchtens nach Windisch senden.

Der Satellit soll mindestens vier Monate seine Arbeit im All verrichten, vielleicht aber auch ein ganzes Jahr. Allzu leistungsfähig sei der Swiss Cube aber noch nicht, bemerkt Sekler. Er erwartet im allerbesten Fall ein Bild pro Tag, «wahrscheinlich aber weniger». In Windisch werde deshalb intensiv an einem leistungsfähigeren Nachfolgemodell gearbeitet. «Ich rechne damit, dass wir zusammen mit den anderen beteiligten Schulen etwa zehn neue Satelliten herstellen können.»

Der Swiss Cube kreist seit zehn Tagen um die Erde. Aber der Student Tom Middelweerd beschäftigt sich bereits mit der nächsten, stark verbesserten Generation des Satelliten. Middelweerd aus Lommiswil studiert als Wochenaufenthalter an der FH in Windisch im fünf-ten Semester Systemtechnik.

Er gehört damit zur kleinen, ausgewählten und schlagkräftigen Truppe, die am Swiss Cube arbeitet. Für die Semesterarbeit über den Swiss Cube erhielten Middelweerd und sein Studienkollege einen glatten Fünfer. «Mit dieser Note bin ich zufrieden», meint Middelweerd.

Die Pionierzeiten der Weltraumfahrt mit den Mondlandungen, die Bruno Stanek so spannend am Schweizer Fernsehen nacherzählte, erlebten Middelweerd und die gleichaltrigen Studenten nicht. Dafür sind sie schlicht zu jung. Als Informatikstudent beschäftigte sich auch Laurin Müller aus Rütihof bei Baden intensiv mit dem Swiss Cube.

«Unser Team entwickelte die Software weiter, die zur Auswertung der Daten dient, die der Swiss Cube einmal auf die Erde schicken wird», sagt Müller. 540 Arbeitsstunden steckten er und ein Kollege in die Bachelor-Arbeit, die ungemein spannend gewesen sei. Das sei eine einmalige Chance gewesen, am Weltraum zu schnuppern.

Heute hat Müller nichts mehr mit der Raumfahrt zu tun. Er arbeitet als frisch diplomierter Ingenieur in einer «normalen» Softwareentwicklerfirma in Zürich. «Wenn die ersten Bilder vom Swiss Cube kommen, werde ich sicher wieder vor Ort sein», sagt er.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1