Andrea Flückiger

Wer das Puppen-Atelier von Anna Barbara Hofer betritt, staunt nicht nur über die wunderschönen Porzellan-Puppen, die einem aus den Glasvitrinen zuzuzwinkern scheinen, sondern auch ob der riesigen Ansammlung von Puppengiessformen, die die Utzenstorferin über Jahre hin gesammelt hat. «Die Puppenmacherei ist ein materialintensives Hobby», bestätigt die 47-jährige Werbeberaterin lachend, die sich offiziell «Grand Master of Dollmaking» nennen darf. «Und da ich seit 20 Jahren stets ein Auge für geeignetes Material offen halte, hat sich da einiges bei mir zusammengefunden.»

Sie habe bereits als Mädchen gerne mit Puppen gespielt, erzählt Anna Barbara Hofer: «Aber richtig den Ärmel hereingenommen hat es mir an einem Puppen-Kurs bei Therese Aebi aus Zielebach vor über 20 Jahren. Seither hat mich die Faszination der Puppenmacherei nicht mehr losgelassen."

Puppen herstellen ist eine Kunst

Bereits die Herstellung eines schönen Porzellan-Puppenkopfs und der dazu passenden Hände und Füsse ist eine Kunst: nachdem Anna Barbara Hofer die Rohlinge in ihrem Spezialofen bei 1160ºC gebrannt hat, bemalt sie die Porzellanteile in mehreren Arbeitsgängen hauchdünn. Dazwischen wird die neu aufgemalte Farbe immer wieder bei ungefähr 720ºC gebrannt - je nach Farbton variiere nämlich die Temperatur ein wenig, erklärt die begeisterte Puppenmacherin: «Beim Brand stets die richtige Temperatur zu finden ist eine ‹Wissenschaft› für sich. Wird das Porzellan unterbrannt, bekommen die Teile einen - im wahrsten Sinne des Wortes - gräulichen Teint, ist die Temperatur zu hoch, beginnt alles zu glänzen, was - ausser bei den Augen - nicht erwünscht ist.»

Porzellanpuppen hätten vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich und Deutschland ihre Blütezeit erlebt, berichtet die Utzenstorferin, die ihrem Hobby vor allem im Winter oder bei Regenwetter frönt: «Diese Puppen waren aber nicht als Kinderspielzeug gedacht; vor allem die französischen Puppen wurden zur «Erziehung der guten Tochter» benutzt: indem die Mädchen Kleider für die Puppen herstellten, lernten sie das Nähen.»

Eine andere Verwendung der Porzellanpuppen seien die so genannten Modepuppen gewesen: «Da man Kleider nicht ab der Stange kaufen konnte, stellte der Schneider im Schaufenster jeweils verschiedene Modelle aus, die man sich anschliessend nach Mass machen lassen konnte.»

Anna Barbara Hofer interessiert sich besonders für das Reproduzieren historischer französischer Puppen, da diese bei der Gestaltung der Kleider einen gewissen Freiraum erlauben: «Bei der Puppe selber muss jedes Detail wie Wimpern und Augenbrauen stimmen, aber bei den Kleidern kann ich mich innerhalb der damaligen Mode frei bewegen.» Dazu recherchiert die handwerkliche Allrounderin, die im letzten Jahr am Internationalen Puppenkongress in Boppard (D) für ihren «Pirat Johnny» den «Oscar» der Puppenmacherei, den «Top Award Magge» gewonnen hat, in Museen, Büchern, Fachzeitschriften und im Internet. Und sie sucht die passenden Stoffe, Knöpfe und Spitzen auf Flohmärkten, in Brockenstuben, an internationalen Börsen und Messen. «Manchmal bekomme ich aber auch von Leuten eine Nähkiste oder Waren aus Hausräumungen geschenkt, da hat es oft sehr schöne Sachen darunter.»

Wissen weiter geben

Die Puppenmacherin freut sich stets, wenn sie ihr Wissen weitergeben kann. So gibt sie denn auch immer wieder Kurse, an denen interessierte Leute - meist Frauen - eine eigene Puppe anfertigen können. «Neben regulären Kursen, die ich anbiete, habe ich auch Frauen, die gelegentlich anrufen und fragen, ob ich am Abend Zeit hätte, weil sie an ihrer angefangenen Puppe weiterfahren möchten.» Wenn sie es einrichten könne, sage sie jeweils gerne zu: «Denn zu sehen, wie die Freude an der abwechslungsreichen Handarbeit, die die Herstellung einer Puppe verlangt, in andere Hände übergeht, bedeutet mir sehr viel.»