Chris Barber lässt alte Zeiten aufleben

Der Jazzclub Solothurn, beheimatet im Clubkeller des Restaurants Sternen, gehört zu den primären Institutionen der städtischen Jazz-Förderung. Er kann am Samstag im Konzertsaal mit einem Galakonzert der legendären Chris Barber Jazzband das 30-Jahr-Jubiläum feiern und auf eine intensive Konzerttätigkeit zurückblicken.

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Solothurner Zeitung

Hans R. Fröhlich

Seit 30 Jahren treffen sich die Jazzfreunde des traditionellen Jazz jeden letzten Freitag des Monats im Keller des Restaurants Sternen. Rolf Imhof als Gründer und Präsident des Jazzclubs Solothurn betont denn auch: «Die Leute sind hier wie eine Familie. Der Zusammenhalt ist noch fast besser. Dies belegt eine nahezu konstante Mitgliederzahl, die sich schon nach wenigen Jahren auf über 200 eingependelt hat.» Nach wie vor entsprechen die Aktivitäten und Veranstaltungen des Jazzclubs dem Bedürfnis vieler Liebhaber des Traditional Jazz, wie er bald nach dem Weltkrieg als Revival auch in der Schweiz erst recht Fuss fasste. Die Gründung 1979 in Solothurn geht auf eine Zeit zurück, als der Boom des authentischen Jazz, angeführt von Louis Armstrong, Sidney Bechet und den stilinhärenten Szenen von New Orleans, Kansas City, Chicago bis L.A. bereits 30 Jahre zurücklag und hauptsächlich auf der Verbreitung durch die amerikanischen Sender AFN und «Voice Of America» beruhte.

Subkultur in Kellergewölben

In den 50er-Jahren wurden erste Jazzclubs gegründet, 1958 auch in Solothurn. Mit der Eröffnung von Jazzkellern entstand eine neue, im wörtlichen Sinn «Subkultur». Gleichzeitig schossen die Amateurbands wie Pilze aus dem Boden, die sich im Wettbewerb am Zürcher Amateur Jazzfestival zu messen begannen. Man hielt sich an die amerikanischen Originale wie die Louis Armstrong- und Eddie Condon All Stars, Count Basie und Duke Ellington. Die ebenfalls in diesem Zeitraum gegründeten geschäftstüchtigen europäischen Profibands Chris Barber und Dutch Swing College Band fanden mit Livekonzerten und den aufkommenden Vinylplatten beim Publikum grossen Zuspruch. Der Einbruch kam mit dem Rock And Roll. Die Jazzer distanzierten sich. Nat King Cole sang: . . . and Mr. Cole Don't Play Rock And Roll, und Bill Haley setzte mit «Rock Around The Clock» quasi das Zeichen: «Jetz häts gschälet».

Die Rettung des Oldtime Jazz

Der Oldtime Jazz wurde von den neuen Musikrichtungen links überholt und die junge Generation sprang auf. Bald hiess es, der Jazz ist tot. Auch in Solothurn lief diesbezüglich nichts mehr. Doch Jazzliebhaber setzten sich mit dem Gedanken auseinander, die Szene wieder zu beleben. So kam es, dass im Herbst 1978 im Restaurant Löwen der jetzige Jazzclub Solothurn mit der Absicht gegründet wurde, öffentliche Konzerte durchzuführen. Im Restaurant Sternen fand man den geeigneten Keller, der die typische Oldtime-Jazzstimmung aufkommen lässt. Dort fand bereits am Freitag, 10. November 1978, das Eröffnungskonzert mit «Ernie Bauder's Dampfkapelle» statt. Erst mit dem Hinzukommen der Statuten wurde der Jazzclub Solothurn am 26. Januar 1979 mit der Loose-Connection aus Solothurn offiziell eröffnet.

Im selben Jahr gingen weitere zehn Konzerte über die Bühne. Anfängliche finanzielle Engpässe sind mit dem Engagement von heute fünf Sponsoren weitgehend behoben. Im selben Jahr wurde übrigens auch «Jazz im Chutz» von Rolf Rickenbacher gegründet, wo bis heute Mainstream und Modern Jazz gespielt wird. Anfänglich organisierte Rolf Imhof die beliebten Riverboat Jazz-Partys auf der Aare, und von 1985 bis 1995 fanden auf der Schanze die «Jazz- im-Freien»-Konzerte statt. In den 30 Jahren spielten insgesamt 150 Bands im Rahmen der Clubkonzerte. Der Club gab sich nicht etwa nur mit regionalen Bands zufrieden. Zahlreiche national und international renommierte Bands gaben ihre Gastspiele, darunter das «Mike Lipskin (p)Trio», «J.M. Rhythm Four + Peter Appleyard (vib)».

Rekordhalter aus Solothurn

Erstaunlich viele moderne Formationen wie Franco Amrosetti, das «Isla Eckinger Quintett with Clark Terry», das «Daniel Humair Quartett» oder Peter Schärli zeigten, wie vielseitig das Angebot war und ist. Mit 26 Auftritten weit abgehoben führt die Ambass Town Jazzband Solothurn mit ihren traditionellen Weihnachtskonzerten die «Sternen»-Rangliste an. Bereits vor fünf Jahren wurde die wohl beliebteste Oldtime-Formation Europas, The Big Chris Barber Jazzband aus London zum 25-Jahr-Jubiläum im Landhaus engagiert. Dieses Jahr kann die Band ihr 60-jähriges Bestehen feiern. Diesen Samstag, 12. September, wird die elf-köpfige Formation um 20 Uhr im Konzertsaal auftreten und mit ihrem Programm einmal mehr für Furore sorgen. An «Ice Cream» wird es bestimmt nicht fehlen.

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