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Chemiefreier Reis, die hervorragende thailändische Küche – und warum Buddha trotzdem schlank ist

Der Norden Thailands ist touristisch nicht so erschlossen wie der Süden. Gerade deswegen lohnt sich eine Reise.

Dominic Kobelt
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Pressereise Norden Thailand
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Eine der beeindruckenden Buddha-Statuen im Sukhothai Historical Park. In der geschichtsträchtigen Ruinenstätte stehen zudem 16 Tempel, vier Hinduschreine, aber auch Festungswälle und Gräben.
Sukhothai Historical Park. In der geschichtsträchtigen Ruinenstätte stehen Buddha-Statuen, 16 Tempel, vier Hinduschreine, aber auch Festungswälle und Gräben.
   
Wat Phrathat Lampang Luang
Wat Phrathat Lampang Luang
Wat Phrathat Doi Suthep
Wat Phrathat Doi Suthep, die singenden Mönche
Wat Phrathat Doi Suthep
Wat Phrathat Doi Suthep
Wat Phrathat Doi Suthep
Wat Phrathat Doi Suthep
Ein Mönch auf dem Weg zum Gebet.
Kleine Statuen am Fusse eines Tempels
Beim «Organic Agriculture Project» in Sukhothai dürfen Touristen in die Rolle eines Bauern schlüpfen.
Hier werden die Setzlinge gezüchtet
   
   
Dieser Reis kann nun abgepackt und verkauft werden.
Es werden auch Orchideen gezüchtet.
   
Zu den einzelnen Stationen kommt man mit einem kleinen Nutzfahrzeug.
Beim «Organic Agriculture Project» in Sukhothai dürfen Touristen in die Rolle eines Bauern schlüpfen.
Eine Ananas aus dem Früchte- und Gemüsegarten. Eindrücke von der Pressereise "Der Norden Thailands", 19. - 27. Juli
Eine Lotusblume.
Der Wasserbüffel wird nicht mehr zum Pflügen eingesetzt.
Hier darf man selber kochen: Die Profiköchin machts vor...
...Reporter Dominic Kobelt versucht es nachzumachen.

Pressereise Norden Thailand

Dominic Kobelt

Ein schmatzendes Geräusch ertönt, als der Fuss im Schlamm einsinkt. Bis zu den Knien stecke ich im Matsch. Vorsichtig löse ich ein paar Setzlinge aus dem Bündel, und drücke sie in die Oberfläche, etwa zehn Zentimeter von den anderen entfernt, wie es mir gezeigt wurde.

Unter der prallen Sonne bin ich froh um den Hut und die lockere Kleidung, die ich gegen die eigene eingetauscht habe, um auf dem Reisfeld arbeiten zu können.

   

  

zvg

Beim «Organic Agriculture Project» in Sukhothai dürfen Touristen in die Rolle eines Bauern schlüpfen. Auch Gemüse und Früchte werden hier angebaut, alles ohne Chemie oder künstlichen Dünger. «Der frühere König hatte Reformen eingeführt, die die Bauern stärken und die Umwelt schützen sollten», erklärt unsere Reiseführerin Suree Pongnopparat. «Weg von den Monokulturen, jeder sollte in seinem Garten das pflanzen, was er selber essen möchte. Was übrig bleibt, wird auf dem Markt verkauft», erklärt sie.

Die Anlage direkt neben dem kleinen Flughafen ist ein Experiment, das 1999 gestartet wurde, um den Reisanbau ohne chemische Zusätze zu fördern. Die positiven Erfahrungen führten dazu, dass die Anlage nach und nach vergrössert wurde. Nebst Reis wachsen hier Chilis, Ananas, Drachenfrüchte, Papayas, Auberginen, Zitronengras oder Basilikum. Besonders schön anzusehen ist die Orchideenzucht.

   

  

Dominic Kobelt

Verdientes Essen

Früher wurden Wasserbüffel eingesetzt, um die Felder zu pflügen. Heute erledigen Maschinen diese Aufgabe. «Die Tiere müssen nun nichts mehr machen, ausser Gras zu fressen», erklärt uns ein Thai. Wer möchte, darf sich auf den kräftigen Rücken eines Wasserbüffel setzen, wobei dieser sich kaum beim Fressen stören lässt und sich nur wenige Schritte bewegt – ein Erlebnis ist es trotzdem.

Es ist viel Arbeit nötig, bis eine Schale Reis auf dem Tisch steht. Denn nach der Ernte werden die Körner der Reispflanze maschinell von den Halmen getrennt und in zwei Grössen sortiert, erste und zweite Qualität. Gebrochene Körner werden von Hand aussortiert.

   

  

Dominic Kobelt

Dafür isst man im Restaurant vor Ort mit grossem Appetit, nicht nur, weil die Arbeit hungrig macht, sondern auch, weil das Essen hervorragend schmeckt. Reis wird fast zu jedem thailändischen Gericht serviert, er ist die Basis. Wohl auch deshalb, weil viele Gerichte stark gewürzt sind. Einige sind recht scharf, allerdings werden neben Chilis durchaus auch andere Gewürze und Kräuter eingesetzt, etwa Zitronengras, Limettensaft oder Basilikum – nur auf Salz wird praktisch ganz verzichtet. «Für gewöhnlich bestellen wir eine Speise mehr, als Leute am Tisch sitzen, und dann darf sich jeder von allem schöpfen», erklärt Suree.

Ein vollständiges thailändisches Menü besteht meist aus einer Suppe, einem Curry-Gericht, Fisch und Gemüse. Ein besonderer Genuss sind die Früchte, die frisch auf den Tisch kommen. Beispielsweise die Mangos, von denen in Thailand über 100 verschiedene Sorten wachsen. Sie werden oft zum Dessert mit Klebreis und Kokosnussmilch serviert: eine salzig-süsse Delikatesse.

Wer sich selbst als Koch versuchen möchte, dem sei ein Besuch in Baan Na Ton Chan empfohlen. Das kleine Dorf befindet sich knapp 90 Kilometer südlich von Sukhothai. Im Restaurant im Dorfzentrum lernen Touristen, ein traditionelles Essen zuzubereiten. Gekocht wird mit Dampf: Unter einem gespannten Tuch wird Wasser zum Sieden gebracht, darüber wird ein hutähnliches Geflecht gestülpt, sodass sich die Hitze staut.

Auf diesem Tuch wird zuerst ein hauchdünner Teig aus gemahlenem Reis verteilt. Sobald er fest wird, wird darauf Gemüse verteilt und die Seiten eingeschlagen. Die Zubereitungsart erinnert an eine Crêpe. Die fertige Reisnudel ist eine gefüllte Tasche, die als Suppeneinlage gegessen wird. Als weitere Einlage wird ein Spiegelei zubereitet, ebenfalls im Dampf, also ganz ohne Fett.

Ein Fahrrad für einen Franken

Der Norden Thailands bietet freilich mehr als gutes Essen. Um sich die Kalorien wieder abzutrainieren, empfiehlt sich eine Velotour: Fahrräder können für umgerechnet etwa einen Franken pro Tag gemietet werden. Nicht unbedingt ein Gefährt, mit dem man die Tour de Suisse bestreiten möchte, aber um in den grossen Parks herumzukurven, reicht es allemal. So lohnt sich eine Bike Tour durch den Sukhothai Historical Park und der buddhistischen Tempelanlage Wat Si Chum. Auf der historischen Ruinenstätte stehen 16 Tempel, beeindruckende Buddhastatuen, vier Hinduschreine, aber auch Festungswälle und Gräben. Die Baudenkmäler wurden mithilfe der Unesco restauriert und gehören heute zum Weltkulturerbe. Im Norden Thailands gibt es unzählige weitere Tempelanlagen zu entdecken. Etwa Wat Phrathat Doi Suthep, wo die Mönche allabendlich singen, oder den Wat Phrathat Lampang Luang, der mit vielen Holzschnitzereien verziert ist.

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Dominic Kobelt

Wer sich in religiösen Fragen nicht auskennt, der mag sich wundern, warum die Buddha-Statuen hier schlank sind, während man sie sonst oft mit dickem Bauch sieht. «Der mit dem dicken Bauch, das ist der ‹happy Buddha›. Er ist vor allem in China verbreitet», erklärt Suree.

In Thailand wird Buddha aber nicht als Gott, sondern als Mönch dargestellt, also zu Lebzeiten. Dass er damals dick war, ist eher unwahrscheinlich. Er soll als Jugendlicher ein guter Kampfkünstler gewesen sein, später musste er von den Gaben der Menschen leben und im Alter magerte er bis auf die Knochen ab. Auch die heutigen Mönche führen ein einfaches Leben und sind sehr schlank.

Tiefe Kriminalität dank Karma

Wie steht die Thailänderin selbst zu Buddha und der Religion, möchte ich von Suree wissen. «Weil Buddha für uns Thais ‹nur› ein Mönch ist und kein Gott, kann man sich von ihm auch nichts wünschen – obwohl einige das dann doch tun», erklärt sie und lacht. «Wir sind generell nicht so streng, jeder soll sich aus der Lehre die Teile herausnehmen, die ihn weiterbringen», findet sie. «Man sieht zum Beispiel auch in buddhistischen Tempeln Wahrzeichen aus dem Hinduismus. Die Leute bringen sie mit. Das stört uns nicht. So lange es den Leuten hilft, bessere Menschen zu werden, ist es nicht so wichtig, an was sie glauben», sagt sie und lächelt.

   

  

Dominic Kobelt

Wenn ein Tourist eine Tasche stehen lasse, dann habe er gute Chancen, dass ihm jemand hinterherrenne und sie zurückbringe: «Die meisten glauben an Karma, und deshalb stehlen sie nicht – die Kriminalität ist recht tief.»

Mönche sieht man ab und an mit gesenktem Kopf durch die Strassen laufen. Sie blicken nicht nur nach unten, um nicht von weltlichen Einflüssen – etwa hübschen Mädchen – abgelenkt zu werden, erklärt Suree. «Sie schauen auch auf den Boden, weil sie nicht auf Käfer oder Ameisen treten möchten – für sie ist jedes Leben wertvoll.»

Gut zu wissen

Anreise: Täglich fliegen Thai Airways und Swiss direkt von Zürich nach Bangkok. Von Bangkok aus gehen Inlandflüge weiter nach Sukhothai.
Beste Reisezeit: Thailand ist eine Ganzjahres-Destination. Beste Reisezeit für den Norden ist von November bis März/April. Von November bis Februar kann es nachts relativ kühl werden (bis 0 Grad Celsius). Im Sommer sind die Temperaturen angenehm, aber kurze und heftige Regenschauer möglich.
Visum: Schweizer Bürger benötigen für eine Reise nach Thailand einen bei der Ausreise noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass. Für einen Aufenthalt bis maximal dreissig Tage wird noch kein Visum benötigt.
Übernachten: Bangkok: Das «137 Pillars Suites & Residences» bietet viel Luxus und einen Pool auf dem Dach mit Panoramablick. Sukhothai: Das «Legendha Hotel» liegt nahe bei den Sehenswürdigkeiten. In Lampang ist das «Coconut Hotel» empfehlenswert, in Chiang Mai das «Anantara Resort».
Tipp: Thais begrüssen sich mit einer leichten Verbeugung. Dabei werden die Hände flach wie zur Andacht gefaltet, der Kopf leicht nach vorne gesenkt und freundlich gelächelt. Die Haltung der Hände beschreibt die soziale Stellung oder das Alter des Gegenübers. Legt man dabei den Zeigefinger aufs Kinn, ist das in den allermeisten Fällen die richtige Höhe.

Die Reise wurde vom Thailändischen Fremdenverkehrsamt www.tourismthailand.ch und Thai Airways ermöglicht.

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