Biberist ist gerüstet für ein Hochwasser

Die Empörung in Biberist war gross, als bekannt wurde, dass sich die Auflage des kantonalen Hochwasserschutzprojekts verzögert. Wie ist die Gemeinde zurzeit auf ein allfälliges Hochgehen der Emme vorbereitet?

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Anne-Regula Keller

Als bekannt wurde, dass das Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt des Kantons erst mindestens ein halbes Jahr später als vorgesehen aufgelegt werden kann, hat der Gemeinderat beim Departement protestiert undseine Besorgnis auch öffentlich kundgetan. «Zwischen der Gemeinde und dem verantwortlichen Bau- und Justizdepartement fanden inzwischen Kontakte statt», sagt Martin Blaser auf Anfrage. «Zwar müssen die offiziellen Fristen eingehalten werden. Biberist forderte aber, dass die Verfahren selbst so kurz wie möglich gehalten werden.»

Gemeinde hat Notfallkonzept

Der Führungsstab der Gemeinde hat sich eingehend mit dem Hochwasserschutz befasst. «Wir haben ein Notfallkonzept erarbeitet, denn es war ja schon länger klar, dass wir für die Zeit bis zur Fertigstellung des Hochwasserschutzprojekts alles uns Mögliche für eine neue Flut vorkehren mussten», erklärt der Gemeindepräsident. «An Informationsveranstaltungen 2007 und 2008 wurde die Bevölkerung informiert und an alle Haushaltungen in möglicherweise betroffenen Gebieten haben wir Merkblätter abgegeben (siehe Gemeinde-Website unter Verwaltung/Schutz und Sicherheit/Hochwasser/Merkblatt). Das Alarmsystem funktioniert so: In der Phase 1, «Hochwasser» einer Flut trifft sich der Feuerwehrkommandant mit dem Bauverwalter zur Kontrolle, Beobachtung und Beurteilung der Lage und um geeignete Massnahmen anzuordnen. In Phase 2 «Katastrophenalarm» mobilisiert der Feuerwehrkommandant den Führungsstab. Dieser entscheidet über weitere Schritte wie Sofortmassnahmen, Alarmierung der Bevölkerung, Aufbieten weiterer Einsatzkräfte etc.»

Automatische Vorwarnung

Der Führungsstab kann sich auf ein Frühwarnsystem abstützen. «Wir bekommen von der Wasserpegel-Messstelle bei Burgdorf automatisch einen Hochwasseralarm, wenn die Durchflussmenge 150 Kubikmeter pro Sekunde überschreitet», erläutert Blaser. Selber beobachten müssen wir aber zusätzliche Unwetter im Einzugsgebiet der Emme zwischen Burgdorf und Biberist.» Der Abschnittführungsstab entscheide dann über das weitere Vorgehen.

«Die Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Führungsstab und dem Amt für Umwelt ist gewährleistet», hält der Gemeindepräsident fest. Mit der Auslösung des Katastrophenalarms werde gleichzeitig die Verbindung sichergestellt, damit bei Bedarf Unterstützung angefordert werden könne.»

Die Flut von 2007 gemeistert

«Wir haben beschlossen, keinen Beschaffungsantrag für weitere Elemente der mobilen Hochwassersperre Beaver zu stellen», erklärt Bauverwalter Ueli Sterchi. «Die vorhandenen 350 Meter des Beaver-Systems, die sich zu unterschiedlich langen Teilstücken zusammensetzen lassen, genügten 2007, um die beiden Problemstellen - beim Pfadiheim oben an der Dammstrasse und am Weidenweg zuunterst im Giriz - zu schützen.» Beim deutlich kleineren Hochwasser von 2005, als Biberist noch nicht über das Beaver-System verfügte, hatte die Emme dort Gärten und Untergeschosse überflutet. Zudem überlief an einigen Stellen der Damm. «Diesem Problem konnten wir grösstenteils mit Sandsäcken beikommen», sagt Sterchi.

Erfahrung und besser gerüstet

Die Gemeinde allein habe darum 1500 neue Säcke und den dazugehörigen Sand gekauft und auch Feuerwehr und Zivilschutz hätten ihren Vorrat aufgestockt. «Zudem haben wir jetzt nach dem Hochwasser von 2005 und dem deutlich schlimmeren von 2007, das wir aber ebenso deutlich besser im Griff hatten, zweifache Erfahrung mit der hochgehenden Emme», betont der Bauverwalter. «Während wir etwa für das damals neue Beaver-System 2007 zuerst Schneisen ins Ufergehölz schlagen mussten, sind solche inzwischen stets ausgeholzt und bereit. Auf ein allfälliges nächstes Hochwasser sind wir also nochmals besser ausgerüstet, und zwar sowohl betreffend Material als auch Organisation.»

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