Beschwerde gegen Kiesabbau-Bewilligung

Das grüne Licht fürs Bremgarter Kies-Ausbeutungsprojekt fehlt. Eine unerwartete Beschwerde verzögert das Grossvorhaben im Gebiet Chessel-Eichwald.

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Aargauer Zeitung

Lukas Schumacher

Vor wenigen Tagen unterzeichneten die Stadtbehörde Bremgarten und die Firma Otto Notter den Kiesabbauvertrag. Laut Vertrag wird die Otto Notter AG innert 20 Jahren 710 000 Kubikmeter Kies im Chessel-Eichwald abbauen. Der Ortsbürgergemeinde Bremgarten als Besitzerin dieses Gebietes winken happige Abbaugebühren.

35 000 Kubik Kies pro Jahr

Bei den Umweltorganisationen findet das grosse Bremgarter Kiesabbauvorhaben samt dem detaillierten Umweltverträglichkeitsbericht Zustimmung. Die noch nicht rechtskräftige Abbaubewilligung für das gesamthaft 710 000 Kubikmeter Kies umfassende Vorkommen gilt während 20 Jahren, von 2010 bis 2030. Folglich werden jährlich rund 35 000 Kubikmeter des Baurohstoffs im Bremgarter Chessel-Eichwald
abgebaut und zum Kieswerk Notter in Stetten transportiert. Hier wird der Kies hauptsächlich
zu Beton verarbeitet.
Vier Jahre nach Abbaubeginn soll die Auffüllung der neuen Grube beginnen. Für den Kiesabbau werden rund 8,2 Hekta-ren Wald gerodet. (sl)

Alles klar also, müsste man meinen. Denn Ende September hatte der Stadtrat Bremgarten die Abbaubewilligung erteilt, gestützt auf die Zustimmung des Bundesamtes für Umwelt und das Okay der kantonalen Fachstellen. Man ging davon aus, dass die Bewilligung Anfang Dezember Rechtskraft erlangt. Daraus ist nichts geworden. Eine Beschwerde legt das Projekt vorübergehend auf Eis.

Beschwerde mit Fragezeichen

Die Beschwerde gegen die Abbaubewilligung wurde von einer Bremgarter Ortsbürgerin verfasst. Der Ortsbürgerin missfällt der genehmigte Wiederaufforstungsplan. Gemäss diesem Plan soll die Hälfte der Waldfläche, die man für den Kiesabbau im Chessel-Eichwald abholzt, wieder aufgeforstet werden, vorab mit Eichen. Die gerodete Restfläche will man der Natur überlassen und einige Feuchtbiotope (Tümpel) erstellen. Gegen dieses Ansinnen wehrt sich die Bremgarterin. Ihrer Ansicht nach muss die ganze gerodete Fläche durch Jungbäume aufgeforstet werden.

Fraglich ist, ob die Ortsbürgerin überhaupt die Beschwerdeberechtigung besitzt. Sie hatte 2007 keine Einsprache eingereicht, als das Kiesabbaugesuch zur Einsichtnahme öffentlich auflag. Wer dies unterlässt, hat später in der Regel kein Beschwerderecht. Diesen Standpunkt vertritt denn auch die Stadtbehörde Bremgarten.

Gewehr bei Fuss

Der kantonale Rechtsdienst gibt keine Stellungnahme zu laufenden Verfahren ab. Immerhin verlautet aus «Aarau», die involvierten Parteien seien im Besitz eines zugeschickten Instruktionsblattes, und der Beschwerdeführerin sei eine Fristerstreckung gewährt worden, die sie zur Begründung der Beschwerde nutzen könne.

Sozusagen Gewehr bei Fuss steht Ralph Notter, Geschäftsführer der Kieswerk Notter AG in Stetten. Er hofft, dass die rechtlichen Querelen aufgrund der hängigen Beschwerde der Bremgarter Ortsbürgerin möglichst bald beigelegt werden. Denn im Winter, genauer im Januar/Februar 2010, soll der Rodungs-beginn im Chessel-Eichwald erfolgen. «Sodann könnten wir im August 2010 die erste Abbau-Etappe in Angriff nehmen», blickt Notter voraus. Das sei aber einstweilen leider Wunschdenken. Erst wenn die rechtsgültige Bewilligung eintreffe, könne seine Firma aktiv werden.

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