Mülifescht

Am (Mühl-)Rad der Zeit

Mittelalter am «Mülifescht»: Kräuterfrau massiert mit Ölen die Füsse einer Besucherin. (rgy)

Mühlifest Küttigen

Mittelalter am «Mülifescht»: Kräuterfrau massiert mit Ölen die Füsse einer Besucherin. (rgy)

Die alte Mühle in Küttigen drehte am Samstag das (Mühl-)rad der Zeit zurück. Mit einem originellen mittelalterlichen Markt wurde das erste «Mülifescht» im Juradorf zünftig gefeiert.

Raphaela Gysi

Seit elf Uhr morgens drehte das Spanferkel am Spiess und die Handwerker in ihren mittelalterlichen Roben machten sich an die Arbeit. Dem Organisationsteam um den «Mühlendoktor» Kurt Fasnacht ist es gelungen, all die Attraktionen mit Bezug zum Mittelalter nach Küttigen zu holen. Gleich eingangs des Marktes mahlten Kinder an einem kleinen Mahlstein ihr eigenes Mehl. Eine Töpferin zeigte ihre Töpferwaren, der Reinacher Zimmermann Martin Hoffmann machte sich an einem Baumstamm zu schaffen.

Schmuck aus Echthaar

Die aus Deutschland angereiste Carmen Kiefer meisselte gerade eine Inschrift in ein schön maseriertes Stück Holz. «Ich gehe im Schwarzwald oft an mittelalterliche Märkte und bearbeite dort Holz», sagte sie. Der Strohhutflechter Kurt Wismer aus Hägglingen ist einer der letzten im Kanton, der das alte Handwerk noch beherrscht.

Im Schopf neben der alten Mühle beeindruckten filigrane Schmuckstücke der Rombacherin Doris Griesser. Bei näherem Betrachten, sah man, dass es sich um Ketten und Ohrhänger aus Echthaar handelte. «Wir wollen eine alte Tradition wieder beleben. Europäisches Haar wurde seit dem ausgehenden Mittelalter um etwa 1680 bis zum zweiten Weltkrieg für die Herstellung von Schmuck verwendet. Im Appenzellerland schenkten die jungen Bräute ihren zukünftigen Ehemännern solche Ketten, oft auch zu Bändern von Sackuhren verarbeitet.» Die Kräuterfrau Lisetta Loretz Crameri aus Lenzburg massierte die Füsse der Besucher mit Ölen nach mittelalterlicher Rezeptur.

Trägerverein ist im Aufbau

Hans Jörg Wehrli, Präsident der Küttiger Museumskommission, warb für den geplanten Trägerverein zur Erhaltung und Restaurierung der alten Dorfmühle. «Eine solche historische Mühle, die in der hoffentlich bald wieder Korn gemahlen wird, muss man ganz einfach restaurieren, auch für zukünftige Generationen», ist Hans Jörg Wehrli überzeugt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1