Noch ist Spekulation, dass die Souldiva Whitney Houston an einem Medikamentencocktail verstorben ist. Man fand sie ertrunken in ihrer Badewanne ihres Hotelzimmers. Dort fand man auch eine Reihe verschreibungspflichtiger Medikamente, darunter Xanax - ein sehr häufig verschriebenes Medikament, das bei Angstzuständen, bei Depressionen und auch bei Schlaflosigkeit oder Nervositätszuständen (z. B. bei Flugangst) verschrieben wird. Es enthält den Wirkstoff Alprazolam, das, so die Webseite des Pharmaherstellers, «bei vernünftiger Verschreibung und Einnahme innert Minuten Angstzuständen und depressive Verstimmungen zu lösen vermag».

Der Wirkstoff dieses Medikaments von Pfizer ist Alprazolam. Er wird bei Angststörungen eingesetzt. Gefühle wie Unruhe oder Ausgeglichenheit werden im Gehirn über Botenstoffe reguliert. Dabei steht das Aktivierungssystem (Unruhe) im rhytmischen Wechsel mit einem hemmenden System (Ausgeglichenheit, Schlafzustand). Der wichtigste hemmende Botenstoff ist die Gamma-Aminobuttersäure (GABA).

So wirkt Xanax

  Der Wirkstoff dieses Medikaments von Pfizer ist Alprazolam. Er wird bei Angststörungen eingesetzt. Gefühle wie Unruhe oder Ausgeglichenheit werden im Gehirn über Botenstoffe reguliert. Dabei steht das Aktivierungssystem (Unruhe) im rhytmischen Wechsel mit einem hemmenden System (Ausgeglichenheit, Schlafzustand). Der wichtigste hemmende Botenstoff ist die Gamma-Aminobuttersäure (GABA).  

In Hollywood ist Xanax keine Unbekannte: 2005 wurde der einstige Kinderstar Macaulay Culkin («Kevin Home Alone») verhaftet, weil er im Besitze mehrere Tablettenpackungen war sowie einer Dosis Marihuana. Ein Rezept für Xanax, das auch in den USA verschreibungspflichtig ist, konnte er nicht vorweisen. Die Nichte des einstigen Gouverneurs von Florida, Jeb Bush, kam gar vor Gericht, als sie 2002 ein falsches Rezept benutzte, um an die Pillen zu kommen. Xanax wurde auch im Bett des toten Heath Ledger gefunden, Anna Nicole Smith nahm es, und auch Michael Jackson hatte es in seinem Pillenschränkchen. Der deutsche Modeschöpfer Wolfgang Joop sagte schon 2002: «In Amerika ist die beliebteste Partydroge Xanax, eine Art Anti-Panik-Tablette.» Streicheleinheiten für die Seele sozusagen.  Walo Lüönd kennt sie. Der Schweizer Schauspieler ging mit seiner Abhängigkeit an die Öffentlichkeit, als er realisierte, was sie in ihm auslöste: «Danach fühlte ich mich vögeliwohl.» Aber nicht lange: «Am Morgen darauf kam sie wieder, diese grauenhafte Angst. Sie schaute mich an, lähmte mich. Ich zitterte, hatte Schweissausbrüche.»

Das Psychopharmakum gehört wie Librium, Rohypnol oder Valium zur Gruppe der Benzodiazepine, die auch bekannt sind als Tranquilizer, also Beruhigungsmittel, und ist ein Blockbuster. Seine Zulassung bekam es, weil es in grossangelegten Studien nachweislich bei Panikattacken half. Weil es schnell (schon nach 20 Minuten) wirkt, ist es nicht nur bei Personen, die an Angstzuständen oder Panikattacken leiden, sondern auch als off label bei gestressten Leuten, die oft unterwegs sind, an Flugangst leiden und unter Druck stehen, sehr beliebt. Obwohl rezeptpflichtig, kann es ohne Probleme online bestellt werden.

Beliebt mit Folgen

Bei bei keiner Medikamentengruppe ist die Missbrauchsrate höher, die Abhängigkeit grösser. Die Fachwelt nennt das «low dose dependency», die WHO kategorisiert das als gesundheitsschädigend. Die Abhängigkeit führt zu Entzugserscheinungen wie Muskel- und Magenkrämpfen, Übelkeit und Kopfweh. Bei einer Überdosis kommt es zu Bewusstlosigkeit, Herzstörungen und Komazuständen. Bei alleiniger Einnahme wohl relativ unkritisch, ist das Medikament höchst gefährlich, da seine atemdepressive Wirkung potenziert wird, vor allem, wenn es mit anderen Benzodiazepinen oder Opiaten eingenommen wird. Koma und Atemstillstand sind dann die Folge. Laut eines Fazit eines US-Studie hat sich die Zahl der Opfer in den USA durch falsch eingenommene Medikamente in Kombination mit anderen Drogen in 21 Jahren mehr als vervierfacht. Von 50 Millionen Todesfälle in 21 Jahren wären vier Promille vermeidbar gewesen.

Tückisch an Xanax sind vor allem die Folgen einer längerfristigen Einnahme, wie sie Hollywoodstars womöglich betreiben. Gemäss dem Arzt und Suchtforscher Rüdiger Holzbach wird die Abhängigkeit nicht als solche erkannt. Den Rückgang der Medikamentenwirkung und allfällige Entzugserscheinungen halten die Abhängigen für eine Verstärkung der Symptome, die ursprünglich zur Einnahme führten, oder führen sie auf eine Wesensänderung zurück.

Xanax auch in der Schweiz

In der Schweiz erleben 10 bis 40 Prozent der Bevölkerung einmal eine Angstattacke. In den USA und Europa gehen Fachkreise davon aus, das rund 11 Prozent Benzodiazepine einnehmen, wobei nur rund 2 Prozent im Besitze eine tatsächlichen Verschreibung sind. Auch Vergiftungen mit Medikamenten zufälliger oder beabsichtigter Natur sind keine Seltenheit. Laut dem Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums kommen Benzodiazepine wie Xanax bei schweren Vergiftungen mit Medikamenten am zweithäufigsten vor. 2010 registrierte das Institut sieben Todesfälle, bei denen die Einnahme von Alprazolam gewollt war.

Und kein Ende ist in Sicht. Der Umsatz von Psychopharmaka hat sich in den letzten zehn Jahren laut Angaben des Krankenkassenverbands Santésuisse praktisch verdoppelt, auf heute 446 Millionen Franken. Den grössten Zuwachs verzeichnen dabei zwar die Antidepressiva, deren Umsatzanteil kontinuierlich auf mittlerweile 56 Prozent geklettert ist. Anders als Antidepressiva dürfen Benzos, wie sie unter Medizinern genannt werden, maximal sechs Wochen verschrieben werden. Doch daran halten sich längst nicht alle. Gemäss einer «Pilotstudie zur Rezeptierung von Benzodiazepinen in der Schweiz», die die Züfam 2003 in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Institut für Suchtforschung herausgegeben hat, waren rund dreissig Prozent der untersuchten Rezepte nicht gesetzeskonform. Interessant ist ausserdem, dass die Rezepte um so sorgloser ausgestellt wurden, je älter die Patientinnen und Patienten waren.