Pubertät
Teenie-Idole: Herzschmerz, Hysterie und Heulkrämpfe

Teenie-Idole, wie der kanadische Sänger Justin Bieber, rauben Kindern und Jugendlichen den Schlaf und lassen sie nicht selten in Heulkrämpfe verfallen. Sie sind aber auch wichtig für die Entwicklung und als Abgrenzung gegen die Eltern.

Silvia Schaub
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Teenie-Idols: wie die Zeit vergeht

Es herrscht Bieber-Alarm auf höchster Stufe. Ein schmächtiger Jüngling aus Kanada mit wuscheligem Haarschopf, der im Internet zum Star wurde, raubt Teenies den Schlaf und lässt sie in Heulkrämpfe verfallen, weil sie kein Ticket für das Konzert vom 8. April in Zürich ergattern konnten. Immerhin werden die vorwiegend weiblichen Anhängerinnen von Justin Bieber ab 17. März ihrem Idol auf der Kinoleinwand ein Stück näher sein können.

Die ganze Fan-Hysterie um den schmucken Jungen kann für manches Familienleben schon mal zur Belastung werden. Doch Allan Guggenbühl, Kinder- und Jugendpsychotherapeut, gibt Entwarnung: «Solche Projektionsfiguren sind wichtig in dieser Altersgruppe, sie geben Energie für die eigene Entwicklung.»

Das sieht auch Eveline von Arx so. Sie leitete von 2003 bis 2008 das Dr.-Sommer-Team der Jugendzeitschrift «Bravo» und ist heute Redaktionsleiterin der Zeitschrift «Fritz +Fränzi»: «Besonders Mädchen erleben nicht selten ihre erste Schwärmerei, die ein Idol in ihnen auslöst.» Das könne auch eine Vorbereitung in der Fantasie für eine spätere, «richtige» Beziehung sein.

Überhöhte Gestalten

Solche Fan-Phasen, als die saubere Zimmerwand mit Bravo-Starschnitten vollgepflastert wurde und man hoffte, dass der Angehimmelte jeden Moment von der Wand ins reale Leben steigen möge, sind freilich weder eine Erscheinung des Facebook- und Twitter-Zeitalters noch beschränken sie sich nur auf Mädchen.

Der Aufruf nach dem persönlichen Teenie-Idol auf der Redaktion zeigte, dass auch das männliche Geschlecht von solchen Phasen nicht gefeit war und ist. Also mögen auch schon vor Genera-tionen die Eltern den Kopf über die Teenie-Idole ihres Nachwuchses geschüttelt haben.

«Gerade mit Idolen, die eine ganz andere Lebenshaltung haben, wollen sich Jugendliche bewusst gegen die Eltern abgrenzen», so Guggenbühl. Die Idole werden schnell einmal zu überhöhten Gestalten, von denen sich die Jugendlichen besser verstanden fühlen als von den eigenen Eltern.

«Orientierung ausserhalb des Elternhauses»

«Es gehört zum Jugendalter, sich auch Orientierung ausserhalb des Elternhauses zu suchen», betont Eveline von Arx. Solche Fan-Phasen können aber plötzlich wieder abklingen. Guggenbühl: «Zum Beispiel dann, wenn die Jugendlichen merken, dass es keine Übermenschen sind, sondern Leute wie du und ich.» Solche, die ebenfalls eine Spinnenphobie haben und im Lift Atemnot bekommen – wie JustinBieber.

Solange die Idole einen Vorbild-charakter haben, sehen die Experten keinen Handlungsbedarf. Im Fall von Justin Bieber werden die wenigsten Eltern etwas einzuwenden haben. Er ist ein Vorzeige-Popstar, der vom Verliebtsein und Liebeskummer singt und keinen Sex vor der Ehe will. Jugendpsychotherapeut Guggenbühl: «Justin Bieber ist ganz harmlos.»