Abart
«Sechs Richtige», die es in sich haben

Als guter Geist ist Kurt Eggenschwiler aus dem Naturmuseum nicht wegzudenken. Seine Wichtigkeit steckt in der Bezeichnung Hauswart: Er wartet, pflegt und sorgt sich um viele wichtige Dinge des Museumsalltags und hat, was den nichtwissenschaftlichen Bereich betrifft, immer und überall den Durchblick.

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Blut

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Solothurner Zeitung

Katharina Arni-Howald

«Als ich erfuhr, dass die Wahl auf mich gefallen war, fühlte ich mich, als hätte ich im Lotto sechs Richtige getippt», lacht Kurt Eggenschwiler. Das war 1993. In der Ascom hatte man soeben die Leiterplattenfabrikation eingestellt, und der gelernte Elektromechaniker musste sich nach einer neuen Tätigkeit umsehen. Die Anstellung als Hauswart und Museumstechniker im Naturmuseum war anfänglich eine Herausforderung. «Es war alles neu, aber auch ein bisschen menschlicher», blickt Kurt Eggenschwiler auf den Anfang zurück. Heute ist er ein Profi mit Alltagsdurchblick und ein Allrounder im technischen, handwerklichen und zwischenmenschlichen Bereich.

Ausstellungsaufbau, Aquarien, Apéros

Wer als Hauswart im Naturmuseum arbeitet, muss nicht nur genauestens wissen, wie die Heizung, die Lüftung und die Feuermeldeanlage funktionieren, sondern er muss auch über Energieverbrauch Bescheid wissen, im Multimediabereich à jour sein, nach Anweisung des Konservators Ausstellungsmodelle entwickeln und herstellen und im Computer Gerätedokumentationen festhalten.

Doch das ist noch längst nicht alles: Eggenschwiler füttert und überwacht auch die Tiere in den Aquarien und Terrarien, organisiert Apéros und baut eigene und fremde Sonderausstellungen auf und ab. Zudem überwacht er die Aufsichtspersonen und die Kleinkasse und führt eine Inventarliste. Gefordert ist der 63-Jährige auch, wenn Schulen ins Haus kommen, und das sind nicht wenige. «Pro Morgen zwei bis drei», unterstreicht er die Aussage, dass im Naturmuseum «immer etwas los ist».

Defektschild ist «gar nicht lustig»

Die vielen Elektrogeräte, die in den verschiedenen Ausstellungskästen eingebaut sind und das attraktive Familienmuseum schweizweit bekannt machen, werden alle von Kurt Eggenschwiler selbst gewartet. «Nur wenn wir nicht mehr weiterwissen, schicken wir diese zur Reparatur», sagt der umtriebige Museumstechniker, denn «auf diese Weise können wir viel Geld sparen». Wenn an irgendeinem Objekt das Schild «Defekt» angebracht werden muss, ist das für Eggenschwiler «gar nicht lustig».

Kleinere Mängel, die vom Aufsichtspersonal auf dem Kontrollgang oder beim Reinigen der Vitrinescheiben entdeckt werden, versucht er am Morgen, «wenn noch keine Besucher im Haus sind» oder «am Abend, wenn alle gegangen sind», zu beheben. Gröbere Mängel oder elektrische Probleme müssen mit dem Hochbauamt besprochen werden, denn es könnte sein, dass für die Reparatur gar kein Kredit mehr vorhanden ist.

Es versteht sich von selbst, dass in einem Museum, wo man so viel «alänge cha», auch mehr beschädigt wird. Im Allgemeinen stellt Kurt Eggenschwiler den Kindern und Jugendlichen aber ein gutes Zeugnis aus. «Grössere Zerstörungen gibt es bei uns nicht. Die meisten Schäden entstehen, wenn sie in Gruppen kommen und übermütig sind.» In einem solchen Fall kann es schon einmal passieren, dass das Geweih eines Tieres heruntergerissen wird. Wenig Freude hat Kurt Eggenschwiler auch, wenn sich Einbrecher von aussen bemerkbar machen und durch die Fensterscheiben Steine ins Haus werfen.

«Herzblut» ausgelaufen

Einmal hat er auch erlebt, dass in der «Menschenausstellung», das rot gefärbte Wasser der «Herzpumpe» ausgelaufen ist. Das «Blut» sei in den Teppich eingedrungen und hätte viel Schaden angerichtet. In solchen Augenblicken ist für den Museumstechniker sowie Hauswart und Bastler Nachtdienst angesagt. Ansonsten ist für die Reinigung des Hauses ein Putzinstitut zuständig. «Ich helfe nur, wenn Not am Mann ist, trage aber die Verantwortung dafür, dass alles sauber ist.» Und das ist es in der Tat.

Dass Kurt Eggenschwiler die zentrale Kommunikationsdrehscheibe für den ganzen nichtwissenschaftlichen Bereich ist, ist in seinem Pflichtenheft festgeschrieben. «Ich werde über alles orientiert und leite es an die betreffenden Stellen weiter.» Daraus einen Machtanspruch zu erheben, liegt ihm fern. «In unserem Haus herrscht eine angenehme Atmosphäre, und wir arbeiten sehr gut zusammen.» Während er diese Worte spricht, klingelt das Telefon. Am anderen Ende interessiert sich eine Frau für ein Hasenpräparat. «Einen Augenblick bitte», sagt Kurt Eggenschwiler und leitet das Gespräch an die Museumspädagogin im Haus weiter. Bald ist Wochenende, und der Vater von zwei erwachsenen Kindern und eines Enkelkindes (das zweite ist unterwegs) freut sich auf die Zeit mit seiner Frau und aufs Segeln auf dem Neuenburgersee. Ein schöner Ausgleich zu seinem selbstständigen, aber oft auch anstrengenden Beruf.