The Voice of Switzerland
Für ihre Band wird Nicole Bernegger auch mal zur Einzelkämpferin

Nicole Bernegger steht seit 20 Jahren mit «The Kitchenettes» auf der Bühne. Erst durch die Castingshow «The Voice of Switzerland» wird die Birsfelderin berühmt. In der Sendung gezwungenermassen Einzelkämpferin will sie einfach mehr Aufmerksamkeit für ihre Band.

Leif Simonsen
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Die neue Stimme der Region ist schon lange im Geschäft.

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Juri Junkov

Um die richtigen Worte ist Nicole Bernegger selten verlegen. Warum sie sich als Schwangere im sechsten Monat antut, fast vor Angst sterbend auf ihren Auftritt bei «Voice of Switzerland» zu warten? «Ich hatte schon zwei Schwangerschaften – damals schon mussten die ungeborenen Kinder meine ganzen Emotionen absorbieren. Und das sind viele. Das Leben ist nun mal emotional, und vielleicht ist es besser, wenn sich die Kinder genug früh darauf vorbereiten.»

Warum sie in der Castingshow, die derzeit im Schweizer Fernsehen auf der Suche nach der besten Schweizer Stimme ist, sich ausgerechnet den Rapper Stress als Coach aussuchte? Den Mann also, der mit seinen provokanten, teilweise sexistischen Statements immer wieder aneckt – ganz im Gegensatz zur harmoniebedürftigen Bernegger. «Stress gilt als Perfektionist. Das ist genau das, was mich weiterbringt.»

Band einen Schritt weiterbringen

Nur wenn es darum geht, was die 35-Jährige antreibt, sich in eine Castingshow zu wagen, ringt die Birsfelderin nach den richtigen Worten. Schliesslich haben sich in solchen Sendeformaten wohl mehr Leute blamiert, als der Karriere den gewünschten Anschub verliehen. «Ja, warum eigentlich habe ich mich dort beworben?», zögert Bernegger die Antwort hinaus. «Irgendwie hatte ich das Gefühl, es könnte uns einen Schritt weiterbringen.»

Mit «uns» meint Bernegger ihre Band The Kitchenettes, mit der sie seit 2003 in Clubs auftritt. Soulmusik aus den Sechzigern ist nicht gerade das, was die Menschen in Scharen anzieht. Ein bisschen massentauglicher wurde die Musik zwar, als Amy Winehouse die Charts stürmte. Aber von der Musik leben? Unmöglich, auch weil die Gagen in Berneggers Grossband durch neun geteilt werden müssen.

Aber lieber durch neun teilen, als alleine auf der Bühne zu stehen. «Ich bin kein Einzelkämpfer», sagt Bernegger und spricht damit auch die Castingshow beim Schweizer Fernsehen an. Beim «Seelenstriptease», den sie dort am vergangenen Wochenende vor den vier Juroren Stress, Stefanie Heinzmann, Marc Sway und Philipp Fankhauser machen musste, fühlte sie sich anfangs so nervös wie noch nie zuvor in ihrer fast 20-jährigen Bühnenkarriere.

Trotzdem zog sie die Jury mit ihrem Nina-Simone-Cover «Feeling Good» in den Bann. Und mit ihr am Samstagabend die halbe Fernsehschweiz. Die Folge: Bernegger bleibt im Rennen um die schönste Stimme der Schweiz. Auch wenn es die in ihren Ohren gar nicht gibt: «Die eine schönste Stimme gibt es gar nicht. Es braucht unterschiedliche Stimmen.»

Was bei den «Battles» (16. Februar, 20. Februar und 23. Februar), den möglichen Halbfinals (2. und 9. März) sowie dem Final (am 16. März) rauskommt, ist im Vergleich dazu nur zweitrangig. «Das Gefühl, als sich die Stühle bei der Blind Audition zu drehen begannen, wird kaum mehr zu toppen sein.»

Keine Homestorys

Möglich aber, dass man ihr bald in Birsfelden etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt, wo sie mit ihrem Mann und ihren zwei Buben wohnt, die sie möglichst vom einsetzenden Medienrummel abschirmen will.

Deshalb sucht sie sich ein Café in der Stadt Basel als Interviewort aus. Bernegger will keine Homestorys über sich lesen. Noch verhält man sich ihr gegenüber in Birsfelden zurückhaltend, «und das ist ja auch angenehm». Wenn aber ihr Auftritt in «Voice of Switzerland» dazu führen sollte, dass «die Kitchenettes-Alben zukünftig nicht mehr wie viele andere zuunterst im CD-Stapel» liegen, dann wäre das gewiss noch angenehmer.

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