MIss Schweiz 2010/2011
Die Katzenäugige

Kerstin Cook ist die schönste Schweizerin auf Zeit. Die grosse Samstagabend-Kiste des Schweizer Fernsehens zeichnete sich aus durch gewohnte Elemente, angereichert durch einen Schuss Drama à la Heidi Klum.

Claudia Landolt
Drucken
Kerstin Cook ist die neue Miss Schweiz

Kerstin Cook ist die neue Miss Schweiz

Keystone

Was an ihr zuerst auffällt, sind ihre Augen: meeresgrün und irgendwie vielversprechend. Auf den ersten Blick nicht die Schönste der 12 Kandidatinnen - Miss Romande Sabrina Guilloud (Platz zwei) etwa verfügte über weit mehr Klasse und Gardemass. Laura Kämpf (schied in der zweiten Runde aus) über mehr Erotik und Temperament - hat, Kerstin jedoch zwei Attribute, die sie für dieses Amt prädestinieren: Die gewisse mädchenhafte Unschuld und die Fotogenität.

Projektionsfläche ohne Ecken und Kanten

Ersteres ist das Qualitätsmerkmal für die helvetische Prinzessin für ein Jahr. Eine Miss Helvetia muss Projektionsfläche sein, eine wandelbare glatte Fläche für Sponsoren, eine Märchenprinzessin für alle anderen. Ein bereits geformter Charakter mit Ecken und Kanten eigent sich dafür weniger. Ob Kerstin Cook frei von letzterem ist? Ein Hinweis auf das Gegenteil könnte ihre letzte Antwort im sogenannten Interview sein: Jede der drei Finalistinnen sass auf einem an Salvador Dali mahnenden Ungetüm von einem Stuhl und musste drei Fragen beantworten.

Bei der Frage, ob sie Glück im Beruf Glück in der Liebe vorziehen würde, entschied sie sich wenig überraschend für die Liebe. Und die Frage «Worauf achten Sie bei einem Mann zuerst?«, beantwortete sie mit «Auf die Ausstrahlung«. Auch das ein Allgemeinplatz. Spannend wurde es bei der Frage nach ihrem Glauben, denn Kerstin findet, man müsse an sich selbst glauben. Sie verzieht anschliessend das Gesicht, als sei sie nicht glücklich mit ihrer Antwort. Hat sie überlegt, ob sie gottgefälliger hätte ausfallen müssen? Wenig später wird die Frau mit Model-Erfahrung Fragen zur Religion ausweichen: «Das ist ein sehr persönliche Antwort», sagt sie beispielsweise der Reporterin des Blick.

Als ihre Liebsten bezeichnet Kerstin Cook - neben der Familie aus England - ihr Kaninchen und ihren Schatz Silvan Büchli. Seit drei Jahren ist Cook mit dem Nachwuchsspieler des FC Luzern zusammen. Und kurz nach der Krönung antwortet sie noch frei von der Leber weg, wie sie es wohl später nicht mehr tun wird: Als ihr peinlichstes Erlebnis bezeichnet sie den Moment, als sie in Unterwäsche zu Hause auf ihren Freund wartete, und als es klingelt, zur Tür eilt. Der Mann, der aber vor ihrer Tür stand, war nicht ihr Liebster, sondern der Postbote. Und was an ihr zu klein geraten ist, sei ihre Brust.

Katzenhaftes Flirten

Mehr wird nicht erwartet von einer Miss Schweiz, zumindest zu Beginn des Amtsjahres. Erwartet wird die Makkellosigkeit der Pose, die Perfektion des Repräsentierens - seien es nun eine Coop-Mütze, Beldona-Unterwäsche oder Light-Produkte einer Migros. Und Posieren kann sie. Kerstin war die Wandelbarste aller Kandidatinnen. Selbst die Aargauerin Jasmin Brunner, die seit vier Jahren in London ihr Einkommen als Model verdient, konnte ihr nicht das Wasser reichen. Blickt Kerstin in die Kamera, hat sie es drauf: Das laszive Flirten mit der Kamera. Katzenhafter Sex-Chic auf die saubere Art.

Wie die Show sonst noch war? Sven Epiney führte gewohnt unfallfrei (bis auf einen Versprecher, als er die Zahl der in der Endrunde verbliebenen Kandiatinnen ein wenig kleiner machte) durch den Abend. Ein Journalist verlieh ihm einmal das Attribut: Teflon-Sven. Und in der Tat, kleben blieb gar nichts am Moderations-Aushängeschild des SF DRS. Er verteilte fleissig Komplimente, die allerdings etwas gar zu pauschal waren, er selbst bekam kein einziges. Ansonsten war alles, wie es immer ist: Ein paar Choreographien hier, ein bisschen Bikini-Lauf da, ein Einspieler aus den Trainingslagern der Bewerberinnen - und fertig ist die Miss-Wahl. Offensichtlich aber war der Versuch dr Sendemacher, die biedere Show etwas aufzupeppen - mit einer gewissen Portion Drama, ohne die es heutzutage anscheinend nicht geht.

So wirkte der Catwalk-Lauf mit umgehender Jury-Bewertung befremdlich. Ähnlich deplatziert war die «Mutprobe» , als sich die Damen in einem Einspielr aus dem Missen-Camp in Madeira eine Steilwand hinabseilen mussten: Das Castingshow-Element mit zwei Höhenangst-Verweigerern schien keinen wahren Sinn zu haben. Vielleicht war es auch die gewisse Portion Drama, ohne die keine Casting-Show auszukommen kann.

Heidi Klum lässt grüssen

Bizarr war das Gespräch mit Fotograf Thomas Buchwalder, der mit Erklärungen auch die Einspielfilme seines Shootings aufpeppte. Besagtes Shooting auf Madeira hatte es in sich. Da mussten alle Kanddatinnen in Abendkleid und Make-up in einen Brunnen steigen, Körper, Gesicht und Haare unter Wasser. Jennifer Hurschler schluckte dabei nach eigenen Aussagen «mehrere Liter Salzwasser». Aber alle machten mit. Verweigerung war nicht gestattet. Ein Test, wie ihn Heidi Klum in ihrer «Germanys next Top Model« Show hätte anbieten können. Getreu nach dem Motto: Germanys Next «Demütigung».

Aktuelle Nachrichten