Vermischtes

Opioid-Moguln siedeln in die Schweiz über: Die Familie Sackler zieht nach Gstaad

400'000 Tote hat die Opioid-Krise in den USA gefordert. Sie nahm ihren Anfang mit der Verschreibung des Sackler-Produkts Oxycontin .

400'000 Tote hat die Opioid-Krise in den USA gefordert. Sie nahm ihren Anfang mit der Verschreibung des Sackler-Produkts Oxycontin .

Medienberichten zufolge hat die Familie Sackler ihren Wohnsitz nach Gstaad verlegt. Ihr wird in den USA vorgeworfen, ihr Vermögen mit dem Verkauf schwer abhängig machender Drogen erwirtschaftet zu haben.

(wap) Wie die «New York Post» schreibt, hat das Prominentenleben des «Big Apple» einen gewichtigen Abgang zu verzeichnen: Das Ehepaar Jacqueline und Mortimer Sackler soll sich am 22. Januar per E-Mail von seinem breiten Bekanntenkreis verabschiedet haben. Man freue sich, Freunde in Zukunft in Gstaad zu empfangen, schreiben die Milliardäre darin. Dort haben sie sich offenbar noch nicht angemeldet. Auf der Einwohnerkontrolle habe sich niemand gemeldet, wird Gemeindepräsident Toni von Grünigen am Freitag von der Westschweizer Tageszeitung «24 heurs» zitiert. Allerdings besitzt die Familie in Gstaad Immobilien.

In der amerikanischen Presse wird gemutmasst, die «meistgehasste Familie Amerikas» habe sich im Ferienort vor den in den USA gegen sie hängigen Klagen «versteckt. » Der Name Sackler ist dort untrennbar mit der Opioid-Krise verbunden, der nach Schätzungen 400'000 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. Grund dafür ist das Medikament Oxycontin, das in den 1990ern vom Familienunternehmen der Sacklers, Purdue, vertrieben und aggressiv vermarktet wurde.

Wie man heute weiss, ist Oxycontin ein schwer abhängig machendes Opiat. Viele Betroffene wurden stark süchtig, konnten sich das Medikament aber irgendwann nicht mehr leisten. Es folgte der Umstieg auf billige Heroin von der Strasse. Die Folgen waren verheerend: Ganze Communities wurden von der Opioid-Epidemie erfasst.

Die Sacklers, denen nun vorgeworfen wird, von Anfang an von der Gefährlichkeit des Medikaments gewusst zu haben, profilierten sich derweil als Mäzenen in Kultur und Unterhaltungsindustrie. 2019 brachten mehr als 500 amerikanische Bezirke und Gemeinden sowie Stammesorganisationen von Ureinwohnern eine Sammelklage gegen alle Mitglieder der Sackler-Familie vor. Insgesamt sehen sie sich einem Wust von 1600 Klagen gegenüber.

Noch stehen die Urteile aus. Die soziale Ächtung ist dem Prozess aber vorausgeeilt. Zu den Organisationen, die kein Sackler-Geld mehr annehmen, gehören die Tate Gallery in London, das Guggenheim Museum in New York und der Louvre in Paris. Auch in Gstaad, wo Jacqueline und Mortimer Sackler nun mutmasslich wenigstens zeitweilig wohnen, will man von ihrem Geld nichts mehr wissen. Eine jährliche Spende der Sackler-Mutter Theresa an das Gstaader Menuhin-Festival wird seit diesem Jahr nicht mehr angenommen.

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