150 Jahre Giroud Olma
Wer sich entwickelt, hat Zukunft

Giroud Olma wandelte sich vom Industriebetrieb zum Einkaufs- und Begegnungszentrum

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Das Giroud Olma-Areal gestern (erstes Bild) und heute. (zweites Bild)

Das Giroud Olma-Areal gestern (erstes Bild) und heute. (zweites Bild)

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Das Sälipark-Areal gehört zur Giroud Olma AG. Es steht für den Wandel der Zeit und ist ein Sinnbild der Geschichte, das die Zukunft im Blick hat.

Christiane Schneider
Die Wurzeln der Giroud Olma gehen ins Jahr 1866 zurück, als der Ingenieur Louis Giroud (1840–1919) ein technisches Büro in Olten gründete. Zur selben Zeit eröffneten die Von Roll‘schen Eisenwerke Gerlafingen auf demselben Areal eine Giesserei. Die Zusammenarbeit der beiden Firmen war seit jeher eng.
Olten als Zentralpunkt des Eisenbahnnetzes war für die Metallindustrie ideal gelegen. Das beginnende Eisenbahnzeitalter gab dem Ort einen gewaltigen Auftrieb. Louis Giroud konzentrierte sich auf den Maschinen- und Apparatebau und bot eine breite Produktpalette an – von Aufzügen über Pumpen, Koksaufbereitungs- und Transportanlagen, Turbinen bis hin zu Zentrifugalpumpen.

Fusion und Übernahme
1899 wurde die Einzelfirma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die 1919 mit der Ostschweizerischen Land-Maschinenfabrik AG aus Landquart (OLMA) und 1935 mit der Waagenfabrik Studer AG zusammen ging. Die Produktion wurde in Olten konzentriert. Das Aktienkapital der Giroud AG ging 1939 an die Von Roll‘schen Eisenwerke über. Die Giroud AG und die Olma AG fusionierten 1961 zur Giroud Olma AG. 1977 verkaufte die Von Roll AG das gesamtes Aktienpaket ihrer Tochterfirma Giroud Olma AG an das Schweizer Engineering-Unternehmen Foundry Design Corporation, die Firma des Giesserei-Ingenieurs Werner Jung aus Rapperswil. Traditionelle Produktelinien wurden infolge veränderter Marktverhältnisse stark abgebaut oder ganz aufgegeben.

Technik lebt in Acutronic weiter
Das Unternehmen konzentrierte sich fortan auf den Gross- bzw. Schwerapparatebau und wurde zum reinen Fabrikationsbetrieb. Mit der Übernahme von Produktelinien anderer Firmen orientierte sich das Unternehmen neu. Der Bereich Technik der Giroud Olma AG wurde 2003 in die Firma Acutronic Olten GmbH als Teil der Acutronic Schweiz AG ausgegliedert, die erfolgreich Simulatoren für die Luft- und Raumfahrtindustrie produziert.

DAS EINKAUFS- UND BEGEGNUNSZENTRUM

Ab Anfang der 1980er-Jahre hat sich das Giroud Olma-Industrieareal zum Dienstleistungspark entwickelt. Auf dem Firmengelände wurde mit dem Bau einer grösseren Anzahl von Verkaufs-, Schulungs- und Geschäftsbauten sowie mit dem Bau des Säliparks begonnen, der 2003 fertig gestellt war. Seither ist das Areal Begegnungsstätte zum Einkaufen, Verweilen und Weiterbilden. Heute ist die Giroud Olma AG ein Dienstleistungs- und Immobilienunternehmen.

Wie Olten zwei 90-jährige Männer im Engadin verbindet

Werner Jung traf einen ehemaligen Kunden – eine Begegnung, die den Giroud Olma-Seniorchef sehr bewegte
Im Juli 2016 trafen sich zwei betagte Männer im Engadin, der eine im Rollstuhl, der andere – noch rüstig – mit einem Gehstock. «Wissen Sie, wie glücklich Sie sein können, nur einen Spazierstock zu benötigen?», fragte der Rollstuhlfahrer. «Oh ja, das weiss ich, zumal ich in neuneinhalb Jahren 100 Jahre alt werde», antwortete sein Gegenüber. Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Mann mit dem Gehstock aus Olten kam, was beide miteinander verband. «Dann kennen Sie sicher die Giroud Olma?», fragte der Rollstuhlfahrer. «Gewiss. Die haben mir mein Leben lang die Hobelmaschinenmesser geschliffen und die Bandsägenblätter geschärft.» Er war demnach Schreiner. «Die bauen heute keine Maschinen mehr, die wollen jetzt Hochhäuser bauen», sagte er. Es klang für den Rollstuhlfahrer so wie «die sind jetzt Spekulanten geworden». «Ich bin derjenige, der die Turmidee von Olten hatte», gab sich der Rollstuhlfahrer zu erkennen, bei dem es sich um Werner Jung, den ehemaligen Chef der Giroud Olma AG in Olten, handelte. «Aber ich bin auch derjenige, der das damals weltberühmte Holzbearbeitungsprogramm der Giroud Olma einstellen musste, denn die italienischen Maschinen waren weniger als halb so teuer wie die Olma-Maschinen und haben den Markt für sich erobert», fügte Werner Jung hinzu. Die Wege der beiden Herren trennten sich wegen des aufkommenden Malojawindes und eines stürmischen Regens.

Die Begegnung mit dem Schreinermeister aus Olten – einem ehemaligen Kunden seiner Firma – bewegte Werner Jung. Zu gern hätte er ihm bei einem Kaffee, einem Bier oder gar bei einem Whisky erläutert, was es bedeutete, gegen den Ausklang des Industriezeitalters anzukämpfen und die weltweite Produktion einer Maschine einzustellen, die fast 100 Jahre lang produziert wurde und an deren Vervollkommnung drei bis vier Generationen gearbeitet hatten. «Ich dachte an die 1970er-Jahre zurück, als die Giroud Olma noch Maschinenbauerin war. Auch ich habe die Arbeit mit Holz geliebt. 1942 habe ich mit einer Modellschreinerlehre begonnen. In meinem Lehrbetrieb standen nur Olma-Maschinen, Abricht-Dickenhobelmaschinen und Bandsägen. Die Olma-Maschinen stammten aus Olten.

Der schleichende Niedergang des Giessereiwesens kündigte sich frühzeitig an. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren verlor die Giroud Olma AG sukzessive Marktanteile an italienische Mitbewerber. Die Italiener hatten mit Guss nicht mehr viel am Hut. Sie schweissten die einzelnen Maschinenteile einfach zusammen. Den Preis dafür zahlten die Kunden: Hatte ein Tischler eine geschweisste Hobelmaschine aus Italien in der Werkstatt stehen, begann diese nach zehn Jahren an allen Ecken und Kanten zu lottern.

Werner Jung stiess gar auf der Insel Sulawesi auf eine Hobelmaschine seiner Giroud Olma. Nun summt er das Hobellied: «So blase ich meinen Hobel aus und sag‘ der Welt ade.»

Werner Jung stiess gar auf der Insel Sulawesi auf eine Hobelmaschine seiner Giroud Olma. Nun summt er das Hobellied: «So blase ich meinen Hobel aus und sag‘ der Welt ade.»

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Als Jahre später die Kunden zu Giroud Olma zurückkamen und wieder Gussmaschinen wollten, war es zu spät. Die Giesserei-Industrie alten Stils war längst Geschichte.

Aber noch etwas, für mein Leben Entscheidendes, kam aus Olten. Das war der Schülerkalender vom Verlag Otto Walter. Ein Schweizer Missionar berichtete darin eindrücklich über seine Arbeit auf der Insel Sulawesi, über die Bewohner, die Flora und Fauna. Ich war so angetan davon, dass ich als 16-Jähriger beschloss, diese Insel als Erwachsener aufzusuchen. Dreissig Jahre später war ich in Sulawesi. Und was sah ich? Eine Olma-Hobelmaschine, etwa 80 bis 90 Jahre alt. Am anderen Ende der Welt! Die hochwertigen Olma-Maschinen waren praktisch unzerstörbar und überall auf der Welt zu finden.»

«Wir sind halbe Oltner»

Werner Jung betrieb echtes industrielles Engagement
Seit zwei Generationen lenkt die Familie Jung die Geschicke der Giroud Olma.

Werner Jung, Sie haben 1977 die Giroud Olma von Von Roll über-nommen. Was waren damals Ihre Beweggründe?
Werner Jung:
Als Giesserei-Ingenieur war ich weltweit tätig und hatte damals einen Grossauftrag in der UdSSR termingerecht zu erfüllen, bei dem die Giroud Olma Unterlieferant war. Das Unternehmen war im Besitz der Von Roll und sollte geschlossen werden. Das hätte mir finanziell grosse Probleme bereitet. Deshalb habe ich die Maschinenfabrik gekauft. Aus der unternehmerischen Not wurde ich von heute auf morgen Besitzer einer Firma im fernen Olten.

Kaufte die Giroud Olma AG aus der unternehmerischen Not heraus: Werner Jung.

Kaufte die Giroud Olma AG aus der unternehmerischen Not heraus: Werner Jung.

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Wurden Sie als Retter gefeiert?
Ganz im Gegenteil! Eines Tages erschien im «Oltner Tagblatt» ein Artikel zur Übernahme der Giroud Olma mit den Worten: «Musste es sein, dass uns ein Auswärtiger eine der traditionsreichsten Oltner Firmen vor der Nase wegkauft? Hat sich denn kein Oltner oder Solothurner finden lassen, der die Tradition von über 100 Jahren respektiert, erhält und weiter in die Zukunft führt? Weiss man, was dieser Spekulant in Zukunft mit der Giroud Olma vorhat?»

Wie ging es dann weiter?
Ende 1977 war das Schlimmste überstanden. Nach etlichen Schwierigkeiten, Stolpersteinen und juristischen Scharmützeln wurde daraus ein echtes industrielles Engagement. Mit den Leuten in der Produktion, auch mit den Meistern hatte ich ein sehr gutes Verhältnis. Einer der Meister sagte einmal zu mir: «Seit Sie Giroud Olma übernommen haben, waren Sie häufiger in den Werkstätten als unsere Direktoren in fünf Jahren.» Die Leute schätzten, dass ich mich für ihre Arbeit interessierte und mir Zeit zur Klärung von Detailfragen nahm und dass ich in neue oder gebrauchte Maschinen investierte. Die veränderten Marktverhältnisse erforderten Anpassungen. Neu konzentrierten wir uns auf den Gross- bzw. Schwerapparatebau für Giessereien, inklusive der Montage vor Ort bei unseren Kunden in der ganzen Welt.

«Dank der Belegschaft konnten wir das Ende des Maschinenbaus um eine Generation hinauszögern.»

Wie war es für Sie, als die Fertigung zunehmend reduziert wurde?
Die über einhundertjährige Tradition im Maschinenbau, die Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit der Oltner Belegschaft haben es ermöglicht, das Ende des Maschinenbaus aus dem Hochlohnland Schweiz um eine ganze Generation, das heisst um 25 bis 30 Jahre, hinauszuzögern. Das finde ich sehr beachtlich! Aber jedes Produkt wird einmal durch ein anderes ersetzt, so auch damals die Olma-Maschinen, konzipiert für Vollholzmöbel. Heute werden unsere Möbel nicht mehr aus Vollholz produziert, und so haben auch die dicken Hobelmaschinen ausgedient ebenso wie Giessereien. Daraus erwächst der stetige Wandel, und in jedem Neuanfang stecken wieder Chancen.

Wie wurden Ihre Pläne für das Areal und den Sälipark seinerzeit aufgenommen
Damals gingen doch einige Einsprachen beim Bauamt ein, obwohl das Projekt exakt nach den Bauvorschriften der Stadt Olten, des Kantons und des Bundes ausgearbeitet wurde. Die Verhandlungen mit den Einsprechern haben Jahre in Anspruch genommen. Am Ende konnte das Originalprojekt verwirklicht werden.

Sie haben die Geschäfte der Giroud Olma an Ihren Sohn Thomas übergeben. Welchen Rat geben Sie der Nachwelt

Sälipark Der Sälipark in Olten ist seit über 20 Jahren bei den Kundinnen und Kunden sehr beliebt. Mit Investitionen von weit über 100 Millionen Franken wird er in den nächsten Jahren zu einem modernen Einkaufs- und Begegnungszentrum mit altersgerechten Wohnungen und soll Akzente in der Stadtentwicklung setzen.

Sälipark Der Sälipark in Olten ist seit über 20 Jahren bei den Kundinnen und Kunden sehr beliebt. Mit Investitionen von weit über 100 Millionen Franken wird er in den nächsten Jahren zu einem modernen Einkaufs- und Begegnungszentrum mit altersgerechten Wohnungen und soll Akzente in der Stadtentwicklung setzen.

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Die Oltner sind mir ans Herz gewachsen, wir sind ja praktisch halbe Oltner. Nur dank dem Rückhalt aus der Belegschaft – von Männern, ihren Frauen und Familien – und dem Grossteil der Bevölkerung konnten wir jeden Wandel zum Wohle einer grossen Mehrheit umsetzen. Dass mein Sohn Thomas hier in meine Fussstapfen getreten ist und weiterhin Mehrwerte für Olten schaffen wird, freut mich sehr.
Wie gefallen Ihnen konkret die Pläne für den Sälipark 2020?
Auf dem Giroud Olma-Areal werden weiterhin Mehrwerte für Olten generiert. Ich finde es charmant, die Bedürfnisse von Jung und Alt, von Oltnern und Besuchern unter ein Dach zu bringen. Wenn ich die Fertigstellung noch erleben darf, werde ich der erste Bewohner der Alterswohnungen sein.

Ein optimales Zentrum

Thomas W. Jung ist vom Standort überzeugt

Thomas W. Jung, Sie setzen mit Grossprojekten auf das Wohnen, Leben und Einkaufen in Olten, warum?
Thomas W. Jung: Olten hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Die Fachhochschule mit ihren mehreren tausend Studierenden sorgt für eine positive, mitreissende Dynamik. Wir Unternehmer können ein grosses Potenzial an Fachkräften nutzen, und Olten bietet uns ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis. Zudem finden Familien hier im Zentrum der Schweiz noch bezahlbaren Wohnraum. Für mich sind das überzeugende Argumente für Olten, deshalb investieren wir und setzen auf die Zukunft.

Will Akzente in der Stadtentwicklung setzen: Thomas W. Jung.

Will Akzente in der Stadtentwicklung setzen: Thomas W. Jung.

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Wie sieht der Sälipark 2020 aus?
Der Sälipark ist seit über 20 Jahren sehr beliebt. Er ist aber in die Jahre gekommen und erfüllt nicht mehr alle Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden. Wir werden ihn deshalb zu einem trendorientierten Einkaufs- und Begegnungszentrum aufwerten und wollen Akzente in der Stadtentwicklung setzen.

Wie gehen Sie das an?
Wir haben uns intensiv mit Trends befasst, mit den Kunden im Sälipark gesprochen, Konzepte im In- und Ausland studiert und uns von ausgewiesenen Experten beraten lassen.

Was verbindet Sie persönlich mit der Region Olten?
Ich kam als elfjähriger Knabe nach Olten, als mein Vater die Giroud Olma AG erworben hatte. Ich habe viele Wochenenden in Olten verbracht und meinen Vater bei der Arbeit begleitet. Ich bin eng mit Olten verbunden.

Was ist Ihnen wichtig?
Wir wollen Verantwortung übernehmen und das Leben, Begegnen, Einkaufen und Miteinander positiv und zukunftsgerichtet für Jung und Alt rund um den Sälipark mitgestalten. Es wird ein sozialer Treffpunkt entstehen, der alle Generationen mit Service- und Dienstleistungsangeboten anspricht.

Wie sehen Sie das Zusammenspiel von Alt und Jung? Die Best Ager lösen die Senioren ab: Sie wollen aktiver am kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben teilnehmen. Sie suchen Wohnformen mitten im Leben: Zentral, schön und altersgerecht. Das wird es im neuen Sälipark geben mit massgeschneiderten Dienstleistungen und im Zusammenleben mit den Jungen, der sogenannten Generation Y. Für sie gestalten wir Unterhaltung und Begegnungszonen. Das bringt Lebensfreude und Energie ins Geschehen.

Was ist mit dem Turm von Olten?
Ursprünglich war die Idee, auf dem südlichen Areal ein Wohnquartier mit einem Turm zu schaffen. Die Projektidee wurde zurückgestellt. Jetzt ist ein Entwicklungskonzept für ein verdichtetes Quartier mit einem lebendigen Nutzungsmix entstanden, eine Realisierung ist frühestens 2020 vorgesehen.

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KONTAKT

Giroud Olma AG

Louis-Giroud-Strasse 26

4600 Olten

062 287 78 78

kontakt@giroud-olma.ch

www.giroud-olma.ch

www.saelipark.ch

www.saelipark2020.ch

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