Waffenlauf
«Die Wiler Altstadt erzeugt Gänsehautfeeling»: Deshalb starten Luzia und Sven Hunziker aus Rickenbach am Sonntag beim Frauenfelder Waffenlauf

Nach einem zweijährigen Unterbruch kann der Frauenfelder Waffenlauf wieder stattfinden. Während auf der Originalstrecke 42 Kilometer zurückgelegt werden müssen, sind es ab Startort Wil immerhin noch 21 Kilometer. Für die kompletten «Strapazen» hat sich das Ehepaar Luzia und Sven Hunziker aus Rickenbach entschieden.

Beat Lanzendorfer
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Die Packung ist bereit, Luzia und Sven Hunziker aus Rickenbach sind für den Frauenfelder am Sonntag startklar.

Die Packung ist bereit, Luzia und Sven Hunziker aus Rickenbach sind für den Frauenfelder am Sonntag startklar.

Bild: Beat Lanzendorfer

Darauf haben viele sehnlichst gewartet. Nach zwei Jahren coronabedingtem Unterbruch werden am Sonntag beim Frauenfelder Waffenlauf endlich wieder unzählige Läuferinnen und Läufer auf die verschiedenen Strecken geschickt.

Zwei von ihnen sind Luzia und Sven Hunziker. Das Ehepaar aus Rickenbach gehört zu jenen, die als Waffenläuferin und als Waffenläufer die Originalstrecke über 42 Kilometer von Frauenfeld nach Wil und zurück unter die Füsse nehmen.

Sie haben spät zueinandergefunden

Drei Tage, bevor auf dem Frauenfelder Marktplatz der Startschuss fällt, sitzen die beiden zu Hause in Rickenbach gemütlich in ihrer Wohnung am Esstisch und erzählen, wie sie zum Laufen gekommen sind. Die Vorfreude sei zwar spürbar, nervös seien sie aber noch nicht. «Das Kribbeln kommt dann schon noch», sagt Luzia Hunziker.

Während Sven Hunziker schon ab Kindesbeinen mit dem Laufen in Kontakt kam. Er sagt: «Mein verstorbener Vater war wie wir heute schon Mitglied beim LSC Wil», hat es seine Frau Luzia erst viel später gepackt. «Ich habe nach meiner Jugend wenig Sport gemacht. Irgendwann kam die Erkenntnis, dass ich etwas ändern muss im Leben.» Nachdem sie drei Jahre immer allein unterwegs war, fand sie das langweilig und ist dem Wiler Laufsportclub beigetreten. Im Nachhinein ein Glücksfall, denn hier hat sie ihren jetzigen Ehemann kennen gelernt.

Dass es mit den beiden so lange gedauert hat, das erstaunt dann doch. Beide sind nur wenige Meter voneinander aufgewachsen – er in Rickenbach, sie in Wilen – und haben sogar zur selben Zeit die Schule im Aegelsee-Schulhaus besucht. Dazu erklärt Sven Hunziker schmunzelnd: «Sie war eine Klasse über mir, ich habe sie aber nicht bemerkt.»

Ein Lauf direkt vor der Haustür

Was fasziniert den 39-jährigen Telematiker und die 40-jährige Lehrerin und Hausfrau am Frauenfelder? «Der Waffenlauf ist eigentlich nicht das, was ich gesucht habe. Der Frauenfelder findet aber praktisch vor unserer Haustür statt. Den Halbmarathon ab Wil habe ich bereits als ziviler Läufer ein paarmal bestritten. Irgendwann sagte ich mir, du kannst auch einmal die ganze Runde machen», sagt Sven Hunziker. Mittlerweile habe er die Runde schon siebenmal hinter sich gebracht.

Herkömmliche Marathons hat Luzia Hunziker schon mehrere in den Beinen. Vor ein paar Jahren suchte sie nach einer neuen Herausforderung. Dazu sagt sie: «Ein Marathon mit Gewicht ist noch etwas Spezieller, das fasziniert mich. Mit dem Militär kann ich zwar nicht so viel anfangen, aber die Kleider gehören halt dazu.»

Apropos Kleider: Die werden am Samstag oder Sonntagmorgen in Frauenfeld gefasst und nach dem Rennen wieder zurückgegeben. «Das hat den Vorteil, dass ich sie nicht selber waschen muss», sagt sie lachend. Zum Tenue gehört auch eine Packung, deren Gewicht nicht zu unterschätzen ist. Bei den Frauen beträgt das Mindestgewicht fünf Kilogramm, bei den Männern ist der Rucksack noch 1,2 Kilogramm schwerer.

Vorfreude auf die vielen Zuschauer an der Strecke

Was die Faszination des Frauenfelders ausmache? Darin sind sich die beiden einig: «Das Laufen bei halber Strecke durch die Wiler Altstadt mit den vielen Menschen an der Strasse erzeugt Gänsehautfeeling.» Sie würden sich über alle freuen, die sie an der Strecke unterstützen – und das dürften nicht wenige sein. Darunter auch ihre beiden Kinder (6) und (4).

Auf die Pizza danach freuen sich die beiden selbstverständlich auch. «Einige Läuferinnen und Läufer vom LSC Wil oder auch solche, die als Helferinnen oder Helfer im Einsatz waren, treffen sich nach dem Rennen jeweils noch zum Pizzaessen in Frauenfeld», erklären die beiden.

Und was für eine Zeit haben sie sich für die 42 Kilometer mit Ballast vorgenommen? «Ich bin bei den vorangegangenen Frauenfeldern immer zwischen 3:20 Stunden und 3:40 Stunden ins Ziel gekommen. Weil ich nach dem zweijährigen Unterbruch aber nicht genau weiss, wo ich stehe, wäre es schön, wenn ich nach etwa 3:40 Stunden über die Ziellinie laufen könnte», sagt Sven Hunziker. Nicht ganz so konkret wird seine Ehefrau: «Ich nehme es, wie es kommt. Freude und Wohlbefinden stehen im Vordergrund. Wir sind alle zufrieden, dass der Frauenfelder wieder stattfinden kann.»

Die Startzeiten beim Frauenfelder

Der Start des Waffenlaufs über 42 Kilometer erfolgt am Sonntag um 10 Uhr in Frauenfeld ab Marktplatz. Um 10.30 Uhr gehen die zivilen Läuferinnen und Läufer, welche die Originalstrecke absolvieren, vom selben Ort aus ins Rennen. Der Startschuss des Halbmarathons sowie jener der Juniorenläufe erfolgt in der Wiler Altstadt ab 12.30 Uhr. (bl)