ANALYSE
Jung, heimstark und effizient: Das sind die Zutaten zum ersten Wintermeistertitel des FC Wil

Bei Saisonhälfte grüssen die Wiler Fussballer von der Tabellenspitze der Challenge League. Was in der Hinrunde aufgefallen ist.

Simon Dudle
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Innenverteidiger Genís Montolio ist mit fünf Treffern Wils bester Torschütze der Hinrunde.

Innenverteidiger Genís Montolio ist mit fünf Treffern Wils bester Torschütze der Hinrunde.

Bild: Claudio Thoma, Freshfocus

So hatte es in den Katakomben der Lidl Arena noch kaum je getönt. Die Wiler johlten, sangen, feierten zu lauter Musik. Und das nach einem 0:0 gegen Stade Lausanne-Ouchy. Erstmals überhaupt sind sie Wintermeister in der Challenge League. Kaufen können sich die Äbtestädter damit nichts. Aber ein schöner Erfolg ist es allemal.

Heimstärke: Seit Mitte Mai zu Hause unbesiegt

Der FC Wil ist das beste Heimteam der Liga. 23 von 27 möglichen Punkten hat er geholt und ist seit Mitte Mai vor eigenem Anhang unbesiegt, das bittere Cup-Out gegen Sion mal ausgeklammert. Beeindruckend ist das Torverhältnis im Bergholz: 25:6. Gleich drei Mannschaften wurden mit mindestens vier Toren Unterschied oder gar mehr besiegt. In fünf der neun Heimspiele hielt Goalie Marvin Keller seinen Kasten sauber.

Auswärts hingegen sind die Wiler «nur» das viertbeste Team. Lediglich elf Tore wurden in neun Partien erzielt.

Knipser: Verteidiger ist am torgefährlichsten

Einen eigentlichen Torgaranten hat der FC Wil nicht. Kein Spieler erzielte in der Hinrunde mehr als fünf Treffer. Zum Vergleich: An der Spitze der Torschützenliste ist Koro Kone von Yverdon mit zwölf Toren. Mit fünf persönlichen Erfolgserlebnissen war Genis Montolio der treffsicherste Wiler Spieler. Alle Tore erzielte der spanische Innenverteidiger nach einem Corner. Dass die Äbtestädter zahlreiche verschiedene Torschützen haben, könnte ihnen noch zupasskommen. So sind sie weniger anfällig auf allfällige Abgänge.

Altersdurchschnitt: Niemand ist jünger

Die Wiler stehen mit dem jüngsten Team der Liga ganz oben. Dies lässt sich bei den Effizienzkriterien der Swiss Football League ablesen. Dort werden die Startelf-Einsätze von U21-Spielern (Jahrgang 2001 und jünger) addiert. 66 Punkte kamen bei den Wilern in der Hinrunde zusammen. Der erste Verfolger Lausanne-Sport kommt auf 45 Punkte. 18 Punkte gehen auf das Konto von Keller, der alle Hinrundenpartien durchspielte. Er ist der einzige Wiler Spieler, der keine Minute verpasst hat.

Mehr Fans: Aber immer noch geringer Zuspruch

Mit dem Höhenflug sind die Zuschauerzahlen gestiegen. Sie bewegen sich aber immer noch auf bescheidenem Niveau. Im Durchschnitt 1223 Zuschauer kamen an eine Partie ins Bergholz. Am meisten waren es gegen Aarau (1912 Fans), am wenigsten gegen Yverdon (834). In der Zuschauerstatistik liegen die Wiler auf Rang sechs. Die ersten beiden Verfolger in der Tabelle, Stade Lausanne-Ouchy und Yverdon, ziehen am wenigsten Fans aller Teams an.

Effizient: Ausser bei Penaltys

Der FC Wil trat im Herbst ziemlich effizient auf. 14 Prozent aller Torschüsse hatten auch ein Tor zur Folge. Nur Yverdon überbot diesen Wert und verwertete 15 Prozent aller Abschlüsse. Der FC Wil stellt mit 36 Treffern den zweitbesten Angriff der Liga (hinter Yverdon) und mit 22 Gegentoren auch die zweitbeste Abwehr (hinter Lausanne-Sport). Lediglich mässig effizient war Wil bei Penaltys. Deren fünf wurden gepfiffen, zwei verschossen.

Leader: Mindestens zwei Monate lang

Bis mindestens am 29. Januar sind die Wiler nun Leader. Sind sie es auch Ende Mai, steigen sie zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte in die höchste Spielklasse auf. Möglich ist dies, weil die Super-League-Anforderungen an das Stadion reduziert worden sind. Zuzutrauen ist es den Wilern mittlerweile. Entscheidend dürfte sein, wie viele Veränderungen das Kader in der Winterpause erfährt. Nicht allzu viele sollen es laut Präsident Maurice Weber sein. Ob das eingehalten werden kann?