Vereinter Angriff auf Zoller

In Rapperswil-Jona kämpfen die drei parteilosen Bruno Hug, Felix Hof und Stefan Ritz gemeinsam gegen Erich Zoller (CVP) um das Stadtpräsidium. Aufgrund dieser Strategie wird ein zweiter Wahlgang wahrscheinlicher.

Magnus Leibundgut
Drucken
Gemeinsamer Werbeauftritt gegen den Amtsinhaber: Felix Hof, Bruno Hug und Stefan Ritz wollen Stadtpräsident in Rapperswil-Jona werden. (Bild: pd)

Gemeinsamer Werbeauftritt gegen den Amtsinhaber: Felix Hof, Bruno Hug und Stefan Ritz wollen Stadtpräsident in Rapperswil-Jona werden. (Bild: pd)

RAPPERSWIL-JONA. Brisante Ausgangslage der Stadtpräsidiumswahl in Rapperswil-Jona: Neben dem amtierenden Präsidenten Erich Zoller stellen sich die drei parteilosen Kandidaten Felix Hof, Stefan Ritz und Bruno Hug zur Wahl. Und die steigen werbemässig vereint in den Wahlkampf. «Eine gemeinsame Werbung ist wirtschaftlich sinnvoll», schreiben Ritz, Hof und Hug in einer Medienmitteilung: Die drei werden einen Teil ihrer Wahlkampagne gemeinsam bestreiten und dafür rund vierzig verfügbare Plakatstellen der Stadt belegen. Zudem haben sie unter der Website www.sie-haben-die-wahl.ch einen gemeinsamen Internetauftritt erstellt. Die drei Kandidaten werden daneben jedoch auch individuell auftreten.

Taktik stösst auf Skepsis

Für den Politik- und Kommunikationsexperten Iwan Rickenbacher rückt nun ein zweiter Wahlgang stärker in Reichweite: «Der jetzige Angriff auf Zoller hat eine andere Dimension als derjenige vor fünf Jahren, als der CVP-Politiker die Wahl knapp schaffte – trotz einer gemeinsamen Kampagne der Parteipräsidenten von SVP, GLP und UGS.» Diese hätten nur deswegen kandidiert, um Zollers Wahl zu verhindern. Ambitionen auf dieses Amt hätte jedoch keiner von ihnen gehabt. «Es ging ihnen allein darum, auf diesem Weg die Hürde für das absolute Mehr zu erhöhen und Zollers Chancen zu mindern», konstatiert Rickenbacher. Wäre ihnen dies gelungen, hätten sie danach einen geeigneten Kandidaten präsentieren wollen. Diese Taktik sei beim Wahlvolk auf Skepsis gestossen: Zoller holte schliesslich 87 Stimmen mehr als das absolute Mehr.

Erich Zoller ist nicht verankert

«Der jetzige Wahlkampf sieht anders aus. Die drei Gegenkandidaten von Zoller wollen wirklich Stadtpräsident werden», sagt Rickenbacher: «Ebenso spielt das St. Galler Wahlmodell, das auswärtige Kandidaten zulässt, eine Rolle.» Einerseits biete es den Vorteil, dass eine breitere Auswahl an Kandidaten zur Verfügung steht. Der Nachteil liege andererseits in der schwachen Verankerung eines Auswärtigen im Ort, an dem er ein Amt übernimmt. «Dies bekommt jetzt Zoller zu spüren», führt der Politexperte aus: «Probleme in Zollers erster Amtszeit führen nun zu harten Angriffen gegen seine Person und folglich zur Schwierigkeit, die Wiederwahl zu schaffen.» Aus diesen Gründen hält Rickenbacher den Ausgang der Wahl für sehr offen.

Bruno Hug hat ein Handicap

Bezüglich der Chancen von Bruno Hug, zum Stadtpräsidenten von Rapperswil-Jona gewählt zu werden, meint der Experte: «Hug hat das Handicap, kein Mann des Ausgleichs zu sein. Rapperswil-Jona ist eine Stadt, die nach der Fusion noch immer mitten im Prozess steckt, eine Einheit zu werden. Da wäre ein Mann des Ausgleichs gesucht, um diese Stadt zu führen.»

Mark Balsiger, Politikberater und Autor mehrerer Bücher, äussert sich kritisch zur Rolle von Hug als Verleger und Redaktor der «Obersee-Nachrichten» in diesem Wahlkampf: Balsiger sieht eine unglückliche Verquickung zweier öffentlicher Rollen. Im Wahlkampf habe Hug mit einer Gratiszeitung, die in alle Haushalte verteilt werde, einen mächtigen Hebel zur Verfügung. «Mit so viel Medienmacht hätten viele Leute Skrupel», sagt Balsiger, der selber jahrelang als Journalist tätig war. Er erinnert daran, dass «Regionalfürsten» mit einer Zeitung als Sprachrohr bis in die 80er-Jahre gang und gäbe waren. Heute sei diese Machtballung jedoch verpönt.