Projektauflage
Die Region Wil präsentiert Pläne zum Hochwasserschutz: Öffentliches Sicherheitsbedürfnis gegen private Bedenken

Ende September kommt das Projekt Hochwasserschutz Region Wil zur öffentlichen Auflage. Die Standortgemeinden nutzten die Gelegenheit, um die Einwohnerinnen und Einwohner über den Stand der Dinge zu informieren.

Christof Lampart
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Der Informationsabend über den Hochwasserschutz Region Wil stiess am Dienstagabend in der Aula des Oberstufenzentrums Ägelsee auf ein grosses Interesse.

Der Informationsabend über den Hochwasserschutz Region Wil stiess am Dienstagabend in der Aula des Oberstufenzentrums Ägelsee auf ein grosses Interesse.

Bild: Christof Lampart

Ab dem 30. September liegt – nach über 50 Jahren an Planung – das Generationenprojekt in Rickenbach, Wilen und Sirnach für 20, in Kirchberg und Wil während 30 Tagen öffentlich auf. Zwar sind noch zwei Beschwerdeverfahren hängig, welche klären sollen, ob die Gemeindeanteile von Rickenbach und Wilen als gebunden oder als nicht gebunden zu budgetieren sind. Doch will man parallel die Zeit nutzen, um mit der öffentlichen Auflage die formelle Rechtskraft für das Projekt zu erreichen.

Fast gleich teuer wie ein Fussballplatz

Der Gemeindepräsident von Wilen, Michael Gieseck, brachte es, in Abwesenheit seines kranken Amtskollegen aus Rickenbach, Ivan Knobel, in der Aula des Oberstufenzentrums Ägelsee auf einen Nenner, was wohl viele von diesem Abend erwarteten: «Wir wollen heute wertneutral anschauen, wo wir stehen.» Dabei machten die Exekutivmitglieder aus Wilen und Rickenbach in ihren Stellungnahmen jedoch keinen Hehl aus ihrer Präferenz. Gieseck betonte:

«Die Sicherheit von uns Menschen in der ganzen Region sollte gewährleistet sein. Es sollte niemand ertrinken, wenn einmal so ein Umstand eintreten sollte.»

Und der Rickenbacher Gemeinderat Hans Suter brachte gegen Ende des Abends einen Vergleich ins Spiel. Vor einigen Jahren wollte man in Rickenbach für drei Millionen Franken einen Fussballplatz bauen, doch es kam nie zur Abstimmung.

Nun könne die Gemeinde jedoch praktisch für den gleichen Betrag einen Mehrwert nicht nur für sich, sondern für die ganze Region erhalten. «Der Hochwasserschutz ist ein nachhaltiger Schutz, der aber auch für mehr Natur, eine bessere Wasserqualität und einen nachhaltigeren Verkehr steht», so Suter. Suter hielt denn auch für die Exekutive seines Dorfes fest: «Das Kosten- und Nutzenverhältnis erachten wir für unsere Gemeinde hervorragend.»

Landwirtschaftslandverschleiss wurde kritisiert

Zwischen diesen Aussagen Giesecks und Suters standen ausführliche Erklärungen von diversen Experten und Wortmeldungen von relativ vielen skeptischen Frauen und Männern. Während von den Fachleuten vor allem die Sicherheitsaspekte und ökologischen Aspekte detailliert herausgestrichen wurden, kümmerten die zahlreich anwesenden Einwohnerinnen und Einwohner aus Rickenbach und Wilen andere Fragen.

Klemens Müller, Projektleiter

Klemens Müller, Projektleiter

Bild: Christof Lampart

Zum Beispiel jene nach dem Kulturlandverschleiss, welches einer der Referenten auf 2,8 Hektaren bezifferte. Projektleiter Klemens Müller vom Amt für Umwelt des Kantons Thurgau beteuerte zwar, dass man bei der Planung des Hochwasserschutzes das Möglichste getan habe, um «möglichst wenig Landwirtschaftsland zu verbrauchen», zumal es unmöglich gewesen sei, Bauern einen Reallandersatz anbieten zu können.

Niemand in der Gegend habe sein Land verkaufen wollen, sodass es leider nichts anzubieten gegeben habe, so Müller. An einem Ort sei zumindest eine Landumlegung möglich gewesen.

Wer haftet für Bohrungsschäden?

Während die Gemeindebehörden und die Experten, die durch das Projekt zu gewinnende langfristige Sicherheit und ökologische Verbesserung für die ganze Region betonten, beschäftigten die Gekommenen viel mehr die kurzfristigen Auswirkungen auf ihr Umfeld.

Ein Anwohner beim geplanten Huebbach-Stollen wollte wissen, wie lange die reine Bohrungszeit dauern werde und wer für die etwaigen Schäden, die beim Bohren entstünden, aufkommen werde. Er bekam zur Antwort, dass die Bohrungszeit des einen Kilometer langen Tunnels im Felsen, der 25 bis 30 Meter unter den Häusern von Wilen verlaufen soll, rund 200 Tage dauere.

Die Pläne zum Hochwasserschutz werden kritisch studiert.

Die Pläne zum Hochwasserschutz werden kritisch studiert.

Bild: Christof Lampart

Weitere 40 Tage würden beim Meienmättelibach benötigt. Man gehe davon aus, dass man gut fünf Meter am Tag im Untertagebau bohren könne. Auf diese Art und Weise sollte es gut möglich sein, Vibrationen zu verhindern. Klemens Müller sagte:

«Die Rahmenbedingungen bei den Arbeitsausschreibungen werden so ausgestaltet, dass der Bauunternehmer komplett für beim Bau entstandene Schäden haftet. Die Haftung wird auf den Baumeister übergehen und nicht auf den Bauherrn.»

Laut Beat Rick, der bei diesem Hochwasserschutzprojekt für die Geologie zuständig ist, sollte es aber nicht zu einem solchen Zwischenfall kommen. «Erlebbar ist Geologie dann, wenn sich das Loch im Tunnel nach oben fortsetzt; das wird hier aber ganz sicher nicht der Fall sein», beschwichtigte Rick.

Neue Vernetzungskorridore für Tiere

Zu guter Letzt sollen die Fliessgewässer – in diesem Fall der Hueb-, der Meienmätteli-, der Krebs- und der Alpbach durch das Projekt revitalisiert und markant aufgewertet werden. Laut dem Biologen Andi Hafner seien weite Abschnitte von Alp- und Krebsbach heute «künstlich und naturfremd».

Durch die gesetzlich vorgeschriebene Revitalisierung würden 870 Meter Bachlauf neu geschaffen und zwei Kilometer Bachlauf aufgewertet. «Gegenüber dem jetzigen Zustand bedeutet das eine massive Aufwertung, können doch die Bäche dann als neue Vernetzungskorridore für Wasser- und Landtiere dienen», so Hafner.