Lichtensteig
«In den vergangenen 14 Jahren war die Ernte noch nie so früh»: Die Trauben des Rebbergs in Lichtensteig sind bereits reif

Am Mittwochmorgen starten Hans Brunner und Nick Schönenberger die Ernte der Weintrauben. Das Wetter habe dieses Jahr perfekt gepasst, es habe sogar so wenig gespritzt werden müssen wie noch nie.

Noémi Sutter
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Der Rebberg am Fusse des Städtlis Lichtensteig.
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Der Unterschied der zwei Rebsorten Solaris und Riesling ist fast nicht zu erkennen.
Bis am Abend sollen alle Trauben geerntet sein.
«Die Mischung aus Riesling und Solaris gibt einen perfekten Wein.»
Die Weintrauben am Rebberg in Lichtensteig werden geerntet.
Die drei Rebsorten: Solaris, Tafeltraube Muscat Bleu und Riesling.
Der Lichtensteiger Städtli-Wy von Hans Brunner und Nick Schönenberger.
Dieses Jahr seien die Trauben riesig.

Der Rebberg am Fusse des Städtlis Lichtensteig.

Bild: Noémi Sutter

Am Fusse des Städtlis Lichtensteig leuchten unter dem bewölkten Himmel die bunten Farben der reifen Trauben des Rebbergs. Es ist Mittwochmorgen, die Winzer Hans Brunner und Nick Schönenberger machen sich mit ihren Helferinnen und Helfern an die Arbeit. Der Rebberg gehört dem Städtli Lichtensteig und wird von Hans Brunner und Nick Schönenberger gepachtet.

Brunner sagt: «Die Zeit ist gekommen.» Die Trauben müssten schon jetzt geerntet werden.

«In den 14 Jahren habe ich noch nie erlebt, dass die Ernte zu einem so frühen Zeitpunkt stattfindet.»

Der Grund dafür sei die Süsse der Weintrauben. Rieslinge solle man normalerweise nicht weiter reifen lassen wie bis zu einem Öchslegrad von 75 bis maximal 80. Je höher der Öchslegrad, desto süsser seien die Früchte. Hans Brunner sagt: «Unsere Trauben haben nun einen ungewöhnlich hohen Grad von 80 Öchsle.» Die Süsse könne mit einem Gerät, Handrefraktometer genannt, getestet werden.

Mit dem Handrefraktometer wird der Öchslegrad gemessen.

Mit dem Handrefraktometer wird der Öchslegrad gemessen.

Bild: Noémi Sutter

Dieses Jahr habe es super Verhältnisse gegeben, sagt Brunner. «Wenn es im Wallis oder im Hallau so trocken ist, dann haben wir hier in Lichtensteig die besten Bedingungen.» Es habe immer im richtigen Moment geregnet. Solch ein super Jahr mit riesigen Trauben habe der Winzer noch nie erlebt. Normalerweise müsse etwa ein Drittel der Trauben schon vor der Ernte abgeschnitten und weggeworfen werden, damit die Qualität der restlichen Früchte höher sei.

«Dieses Jahr nicht, im Gegenteil: Die Trauben haben bald eine zu hohe Qualität.»

Im Vergleich zum Jahr 2021 sei der Unterschied enorm. Brunner berichtet: «Letztes Jahr hatten wir Probleme mit einem Pilz, welcher schwarze Punkte auf den Trauben hinterliess.» Diese mussten alle abgeschnitten werden. Daher gab es nur den halben Ertrag wie üblich. Dieses Jahr werden jedoch 500 bis 600 Kilogramm an Weintrauben erwartet.

Durch die Wärme und Trockenheit mussten die Trauben zudem so wenig wie noch nie gespritzt werden. Das Spritzen diene dem Pflanzenschutz. «Es schützt vor allem vor Pilzen», sagt Brunner. Dieses Jahr sei die Gefahr jedoch nicht hoch gewesen.

Die drei Rebsorten: Solaris, Tafeltraube Muscat Bleu und Riesling.

Die drei Rebsorten: Solaris, Tafeltraube Muscat Bleu und Riesling.

Bild: Noémi Sutter

Damit die drei Rebsorten, die in Lichtensteig angebaut werden, reifen können, brauchen sie 120 Tage Zeit. Der Start sei jeweils im Frühling mit der Vegetation, die Reifezeit ende jeweils im Herbst mit der Ernte. «Nebst dem Riesling bauen wir jeweils auch die Sorte Solaris und die Tafeltraube Muscat Bleu an.» Die Solaris-Trauben haben einen Öchslegrad von 100, somit sei sie eine eher süsse Traube.

«Die Mischung aus Riesling und Solaris gibt einen perfekten Wein.»

Im Rebberg sind Hans Brunner und Nick Schönenberger mit ihren Helferinnen und Helfern zuversichtlich, bis am Abend alle Trauben ernten zu können. Nach der Ernte lassen Brunner und Schönenberger die Trauben zu Wein verarbeiten und geben einen Teil der nicht etikettierten Weinflaschen an das Städtli Lichtensteig. Den Rest der Flaschen behalten sie für sich und versehen sie mit einer Lichtensteiger Städtli-Wy-Etikette. In den öffentlichen Verkauf gelange dieser allerdings nicht, der Wein sei lediglich zum privaten Gebrauch gedacht.