Verkehr
Über 76 Millionen Franken Fördergelder: Bundesrat will drei Agglomerationsprogramme in der Ostschweiz unterstützen

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat am Freitag die Vernehmlassung über die vierte Generation der Massnahmen zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in der Agglomeration eröffnet. Auch die Ostschweiz hat drei Projekte eingereicht, die der Bundesrat unterstützt. Ob sie die Fördergelder des Bundes final erhalten werden, darüber entscheidet bis im Herbst das Parlament.

Aylin Erol
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Eine der Massnahmen von St.Gallen-Bodensee sieht etwa die Verschiebung des Bahnhofs Bruggen auf die Höhe des Bahnhof Haggen vor.

Eine der Massnahmen von St.Gallen-Bodensee sieht etwa die Verschiebung des Bahnhofs Bruggen auf die Höhe des Bahnhof Haggen vor.

Bild: Donato Caspari

Leben, Arbeiten, Freizeit – dafür pendeln Schweizerinnen und Schweizer tagtäglich in die urbanen Ballungszentren und wieder zurück. Insbesondere in den Agglomerationen nimmt damit nicht nur die Bevölkerungszahl stetig zu, sondern eben auch der Verkehr – auf den Strassen wie auch auf den Gleisen. Gemäss den Angaben des Bundes leben inzwischen rund drei Viertel der Schweizer Bevölkerung in Städten und Agglomerationen.

Da die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung oftmals nicht ausreichend aufeinander abgestimmt wird, hat sich der Bund 2009 dazu entschieden, intelligente Massnahmen zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in Städten und Agglomerationen finanziell zu unterstützen.

Wie Bundesrätin und Vorsteherin des eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) Simonetta Sommaruga in der Medienkonferenz am Freitag mitteilte, lege man den Fokus ausserdem auch auf die Schonung der Umwelt und die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Weiter soll in Verkehrsdrehscheiben investiert werden, um den Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsträgern zu vereinfachen

Bundesrat will alle Ostschweizer Programme mitfinanzieren

Ob Veloweg, attraktivere Bahnhöfe oder einen besseren Autobahnanschluss – was eine Region braucht, wissen die Kantone, Städte und Gemeinden am besten. Alle vier Jahre können sie deshalb Anträge auf Fördermittel für gemeinsam erarbeitete Agglomerationsprogramme einreichen. Entstanden ist so etwa auch die verbreiterte Seepromenade in Romanshorn für Fussgängerinnen und Velofahrer.

Am Freitag eröffnete der Bundesrat nun die Vernehmlassung zur vierten Generation der Agglomerationsprogramme. Eingereicht wurden in diesem Jahr auch drei Projekte aus der Ostschweiz:

  • vom Verein Agglomeration Rheintal (Zusammenschluss aus 23 Gemeinden, dem Kanton St.Gallen und dem Österreichischen Land Vorarlberg)
  • von Agglo St.Gallen-Bodensee (Zusammenschluss aus 45 Gemeinden aus den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, St.Gallen und Thurgau)
  • von Regio Wil (Zusammenschluss aus 23 Gemeinden aus den Kantonen Thurgau und St.Gallen)

Wie der Bund heute mitteilt, möchte er alle drei Projekte mit insgesamt 76,34 Millionen Franken unterstützen.

Doppelt so viel Geld für St.Gallen-Bodensee

Am stärksten gefördert werden soll das Agglomerationsprogramm von St.Gallen-Bodensee. 35 Prozent der Kosten, umgerechnet knapp 40 Millionen Franken, plant der Bund an ihre Projekte beizusteuern. Jeweils 30 Prozent der Finanzierung möchte der Bund der Agglo Wil, mit 18,44 Millionen Franken, und der Agglo Rheintal, mit 19,73 Millionen Franken, aussprechen.

Insgesamt schlägt der Bundesrat vor, Verkehrsprojekte von 32 Agglomerationen mit rund 1,3 Milliarden Franken zu unterstützen. Die Förderung ist damit noch nicht final zugesichert. Die Vernehmlassung dauert bis zum 9. September 2022. Letztendlich entscheidet das Parlament über den Antrag des Bundesrates. Das Fördergeld wird bei einer Annahme aus dem Agglomerationsverkehrs- und Nationalstrassen-Fronds (NAF) geschöpft.