Universität
Nach happigen Vorwürfen gegen Professor und Institut: HSG betraut eine Prüfgruppe mit der Untersuchung

Nachdem die «NZZ am Sonntag» eine Recherche über die «Machtballung» an einem HSG-Institut veröffentlicht hat, untersucht jetzt eine Prüfgruppe die Vorwürfe, die sich um Ausbeutung und umgeleitete Gelder drehen.

Seraina Hess Jetzt kommentieren
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Die Universität St.Gallen hat eine Prüfgruppe ins Leben gerufen, um das besagte Institut unter die Lupe zu nehmen.

Die Universität St.Gallen hat eine Prüfgruppe ins Leben gerufen, um das besagte Institut unter die Lupe zu nehmen.

Bild: Benjamin Manser

Von Missständen ist die Rede, von «Geld, Macht und Abhängigkeit»: An einem Institut der Betriebswirtschaftlichen Abteilung der Universität St.Gallen soll über Jahre hinweg ein «kleines Königreich gewachsen» sein. So beschreibt es die «NZZ am Sonntag» in ihrer Recherche vom 25. September.

Im Zentrum steht der Direktor des Instituts, der im Artikel aufgrund der Unschuldsvermutung anonym bleibt.

Kernaufgabe des Instituts sei die Forschung, die zum Teil durch die Beratung privater Firmen finanziert werde. Pikant: Nicht alle Einnahmen, die aus den Beratungen erwirtschaftet würden, kämen der Uni zugute, manche flössen in die Kasse der Firma des Professors und seiner Frau.

Die Geschäftsfelder überschneiden sich: Wissenschaftsnahe Projekte übernehme jeweils das Institut, jene aus der Praxis das Unternehmen. Die «NZZ am Sonntag» fragt: «Entscheidet der Professer also mit, wie die Einnahmen in fünf- bis sechsstelliger Höhe verbucht werden: Zugunsten der Uni? Oder in seine eigene Tasche?»

Keine Zeit für Forschungsarbeit

Die Recherchen basieren auf Aussagen von – teils ehemaligen – Doktorierenden, die mit der Zeitung gesprochen haben. Sie berichten auch, dem Professor fehle durch seine Firmentätigkeit die Zeit für die Forschung. Letztlich sei er an mehr als einem Tag pro Woche seiner Nebentätigkeit nachgegangen, was die Vorgaben der HSG sprenge. Auch die Infrastruktur der Universität habe der langjährige Direktor genutzt, was nur gegen Bezahlung erlaubt sei.

Das Gefühl, ausgeliefert zu sein

Die Vorwürfe umfassen aber weit mehr: Alle wissenschaftlichen Mitarbeitenden hätten Teilzeitverträge unterzeichnet, davon ein kleines Pensum für die Firma und ein grösseres für die HSG. Für die Doktorarbeit sei wenig Zeit geblieben, die Arbeitstage hingegen hätten sich teils in den späten Abend gezogen, der Aufwand für die Privatfirma sei gestiegen. Die «NZZ am Sonntag» schreibt gar davon, dass sich bei den Doktorierenden das Gefühl eingestellt habe, dem Professor ausgeliefert zu sein.

Zum angespannten Klima beigetragen habe auch, dass die Frau des Professors ebenfalls in Institut und Firma arbeite. Für ersteres zwar nur in einem 20-Prozent-Pensum, doch die Doppelfunktionen des Paars hätten trotzdem verunsichert.

Am meisten unter der Kultur des Instituts gelitten hätten die Frauen, als noch welche dort arbeiteten. Ihre Abbrecherquote sei um einiges höher ausgefallen als jene der Männer: «Fünf von den sieben Frauen, die 2017 am Institut ihre Dissertation schrieben, warfen den Bettel hin.»

Untersuchung mit externer Beteiligung

Die HSG bekräftigt im Artikel, die Nebenbeschäftigung auch im besagten Institut regelmässigen Kontrollen unterzogen zu haben. Es würden keine Beschwerden vorliegen, die sich mit den Aussagen der Zeitung deckten.

Die Universität stellte zeitgleich eine Prüfung der schwerwiegenden Vorwürfe in Aussicht. Nun soll sie erfolgen, wie die HSG am Mittwoch in einer Medienmitteilung schreibt. Der Universitätsrat hat zur Klärung der Anschuldigungen den Rektor mit der Einleitung eines Untersuchungsverfahrens beauftragt.

Eingesetzt wird eine Prüfgruppe unter externer Beteiligung. Dazu gehören alt Bundesrichter Niklaus Oberholzer (Vorsitz), Viviane Sobotich, Ombudsfrau der Stadt Rapperswil-Jona und Richterin am Verwaltungsgericht Kanton Zürich, Reto Foellmi, Dekan der School of Economics and Political Science und Direktor am Schweizerischen Institut für Aussenwirtschaft und Angewandte Wirtschaftsforschung der HSG, Generalsekretärin Hildegard Kölliker und Stephanie Bernet, juristische Mitarbeiterin im Generalsekretariat der Universität St. Gallen (Sekretariat).

Die Mitglieder der Prüfgruppe hätten ihre Arbeit bereits aufgenommen. Unklar sei jedoch, wann das Verfahren zum Abschluss komme.

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