Homeschooling
Kanton St.Gallen bewilligt erstmals Unterricht zu Hause – nach Rüge des Verwaltungsgerichts

Der St.Galler Bildungsrat hat drei Gesuche auf Homeschooling gutgeheissen, nachdem das Verwaltungsgericht befand, dass der Kanton zu streng war. Zwei Drittel des Heimunterrichts muss jedoch in Gruppen stattfinden.

Judith Schönenberger
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Erstmals können Kinder im Kanton St.Gallen zu Hause unterrichtet werden.

Erstmals können Kinder im Kanton St.Gallen zu Hause unterrichtet werden.

Bild: Benjamin Manser

Der Kanton St.Gallen ist für seine restriktive Praxis bekannt, wenn es um Heimbeschulung geht. Abgelehnte Gesuche begründet der Bildungsrat meistens damit, dass die Erziehung auf Gemeinschaftsfähigkeit nicht gewährleistet sei. Das Verwaltungsgericht hat nun befunden, dass der Bildungsrat in dieser Hinsicht zu streng gewesen ist, zumindest in drei Fällen, heisst es in einer Mitteilung des Bildungsdepartements. «Es hat den Bildungsrat deshalb aufgefordert, die Erfüllung dieser Voraussetzung in drei Fällen erneut zu prüfen.»

Diese drei Gesuche auf Heimbeschulung hat der Bildungsrat nun gutgeheissen, allerdings unter der Bedingung, dass 70 Prozent der Unterrichtszeit in Lerngruppen von mindestens drei Kindern stattfindet. Die Bewilligung für den Heimunterricht ist auf zwei Jahre befristet, heisst es in der Mitteilung weiter.

«Während dieser Zeit prüft die Schulaufsicht mit angemeldeten und unangemeldeten Besuchen, ob die Voraussetzungen für den privaten Einzelunterricht nachhaltig erfüllt werden.»

Die Schülerinnen und Schüler müssen ausserdem von einer Person unterrichtet werden, die ein anerkanntes Lehrdiplom für die betreffende Schulstufe hat.

Erste Bewilligungen im Kanton St.Gallen

Es sei das erste Mal, dass der St.Galler Bildungsrat Gesuche von Eltern bewillige, die ihre Kinder zu Hause unterrichten möchten. Die Gesuche auf Heimbeschulung hatten im Kanton St.Gallen im Schuljahr 2021/2022 stark zugenommen. Alexander Kummer, Leiter des Amts für Volksschule im Kanton St.Gallen, sprach im «Tagblatt» von einem «deutlichen Anstieg».

In der Mitteilung des Bildungsdepartements wird betont, dass der Bildungsrat die Förderung der Sozialkompetenz für sehr wichtig erachtet. «Privater Einzelunterricht rückt tendenziell die intellektuelle Förderung in den Vordergrund und vernachlässigt die Entwicklung der Sozial- und Selbstkompetenz.» Nur die Teilnahme an Freizeitaktivitäten genüge dafür nicht, denn diese würden Rücksichtnahme oder Toleranz nicht in gleichem Masse fördern, wie das der Unterricht in einer öffentlichen oder privaten Schule tue.