Bauprojekt
Im Grundsatz eigenständig: Neunforn will beim Neunforner Wasser bleiben und die eigene Versorgung sanieren

Der Neunforner Gemeinderat hat sich schon seit längerem Gedanken gemacht zur Zukunft der eigenen Wasserversorgung. Nun steht im Grundsatz fest: Man will an der Autonomie festhalten. Das hat Investitionen zur Folge von rund 3,8 Millionen Franken.

Mathias Frei
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Das Gemeindehaus in Oberneunforn.

Das Gemeindehaus in Oberneunforn.

Bild: Mathias Frei

Wenn es ums Wasser geht, machen die Neunfornerinnen und Neunforner keine halbe Sachen. Seit bald 120 Jahren fliesst die Tranksame aus eigenen Wasserfassungen. Und das soll auch in Zukunft so blieben, wie nun der Gemeinderat im Grundsatz entschieden hat. Gemeindepräsident Benjamin Gentsch spricht von einem Generationenprojekt, in finanzieller sowie in zeitlicher Hinsicht.

Es geht um die Sanierung der bestehenden Wasserfassungen, Pumpwerke und Leitung sowie den Bau eines neuen, höher gelegenen Reservoirs inklusive Leitungsnetz. Neunforn bezieht Wasser vom Grundwasser-Pumpwerk Inseli an der Thur, vom Grundwasserpumpwerk Riet etwas ausserhalb von Oberneunforn Richtung Schulhaus Rietacker und aus der Quelle nördlich von Nussbaumen, die zwar nicht auf Gemeindegebiet, aber der Gemeinde gehört.

Herbert Büttiker, Neunforner Gemeinderat (Ressort Werke).

Herbert Büttiker, Neunforner Gemeinderat (Ressort Werke).

Bild: Mathias Frei

Herbert Büttiker ist der für die Werke zuständige Gemeinderat. Wie er sagt, ist die Quelle seit 1904 in Betrieb, im Riet wird seit 1944 Wasser gefasst. Und das Pumpwerk Inseli wurde in den 1970er-Jahren gebaut.

«Unsere drei Anlagen erfüllen bis heute ihre Aufgabe – und das etwa in dem Ausmass, wofür sie einst konzipiert worden waren.»

Das sagt der Werkevorsteher. In den jüngsten Hitzesommer 2022 und 2018 hatte man absolut keine Probleme. Und sogar im Jahrhundertsommer 2003 gab es keine Einschränkungen für die Bevölkerung von Nüfere.

Wasserversorgung der Politischen Gemeinde Neunforn

Standorte der drei Wasserfassungen

Wie lange fliesst das Wasser noch aus den alten Anlagen?

Aber eben: Der Zahn der Zeit nagt. Die Frage sei, wie lange die Funktionstüchtigkeit der Anlagen noch gewährleistet sei, sagt Büttiker. Auch entspreche die Neunforner Wasserversorgung nicht mehr den heutigen Standards, sei es in Sachen Sicherheit oder auch Technik. Büttikers Fazit:

«Unsere Wasserversorgung hat gesamthaft grossen Erneuerungsbedarf.»
Benjamin Gentsch, Neunforner Gemeindepräsident.

Benjamin Gentsch, Neunforner Gemeindepräsident.

Bild: Donato Caspari

Deshalb hat sich der Gemeinderat schon länger Gedanken gemacht und auch eine Studie in Auftrag gegeben. Nun hat die Gemeindebehörde einen Grundsatzentscheid gefällt. Neunforn will auch in Zukunft eine eigenständige Wasserversorgung betreiben. Diskutiert wurden vorab drei Szenarien. Erstens: komplette Eigenständigkeit. Zweitens: komplette Integration in eine auswärtige Wasserversorgung. Drittens: Teilautonomie, also Zwischenvarianten.

Kein Klumpenrisiko bei Eigenständigkeit

Der Entscheid zu Gunsten eines Weiterbetriebs einer eigenständigen Wasserversorgung sei gefallen, weil die Wasserfassungen zwar Sanierungsbedarf hätten, aber grundsätzlich mehr als ausreichend Wasser lieferten, erklärt der zuständige Gemeinderat. Zudem fusst die bestehende Versorgung auf drei Standorten. Das heisst: Es gibt kein Klumpenrisiko, falls eine Anlage kurzzeitig ausfallen würde. Heute kommt das Neunforner Wasser zu 40 bis 50 Prozent aus dem Riet, die Nussbaumer Quelle liefert 30 bis 40 Prozent. 10 bis 30 Prozent Thurgrundwasser kommen dazu. Büttiker ergänzt:

«Bei letzterem haben wir die Konzession noch lange nicht ausgeschöpft.»

Bei der Integrationsvariante braucht es einen Partner. Naheliegend wäre die östlich liegende Gruppenwasserversorgung Schafferetsbuck. Diese kann aber die nötige Wassermenge mit den bestehenden Anlagen nicht liefern. Zwischenvarianten würden bedeuten, dass einzelne Neunforner Anlagen saniert, andere stillgelegt werden. Hinzu käme eine Anschlussleitung. Diese Varianten wären nicht viel günstiger oder sogar teurer als eine weiterhin eigenständige Versorgung.

Ein neues Reservoir braucht es so oder so

Das bestehende Reservoir Hochberg soll zurückgebaut werden.

Das bestehende Reservoir Hochberg soll zurückgebaut werden.

Bild: PD/Herbert Büttiker

Ob teilautonom oder komplett autonom: Es bräuchte auf jeden Fall ein neues Reservoir an einem höher gelegenen Standort. Oberneunforn ist in den letzten Jahrzehnten gewachsen. Das bestehende Reservoir Hochberg liegt in Sachen Druck zu tief für die höher liegenden Quartiere und für das Löschwasser. Der zuständige Gemeinderat sagt:

«Diese Problematik ist schon seit der Generellen Entwässerungsplanung aus dem Jahr 2007 bekannt.»

Der ideale Standort für ein neues Reservoir liegt oberhalb von Niederneunforn im Grossraum Winterhalde. Kostenpunkt für das neue Reservoir inklusive Leitungen: 1,3 Millionen Franken. Die vom Gemeinderat in Auftrag gegebene Studie rechnet bei der Variante Eigenständigkeit mit Kosten von rund 3,8 Millionen Franken, das neue Reservoir ist hierbei schon inklusive.

Laut Büttiker hat man vom Kanton bereits das Okay erhalten für die Variante der eigenständigen Wasserversorgung. Dem Stimmvolk will man den Baukredit für das neue Reservoir an der Bechtelisgemeinde 2023 vorlegen. Das weitere Vorgehen soll etappiert vonstattengehen.