Neue Spitalregion
Spitalrettung in Walenstadt rückt näher: Kantone St.Gallen und Graubünden skizzieren künftiges Angebot, Gemeinden wollen Immobilie übernehmen

Bewahrt eine Zusammenarbeit mit den Nachbarkantonen das Spital Walenstadt vor der Schliessung? Die Chancen hierfür sind intakt. Der grenzübergreifende Lenkungsausschuss des Projekts hat erste Eckpunkte festgelegt. Und: Sieben Sarganserländer Gemeinden erklären sich bereit, die Spitalimmobilie für acht Millionen Franken zu übernehmen.

Adrian Vögele
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Könnte das Spital Walenstadt sozusagen eine Filiale des Kantonsspitals Graubünden auf St.Galler Boden werden? Bis Ende 2022 soll das geklärt sein.

Könnte das Spital Walenstadt sozusagen eine Filiale des Kantonsspitals Graubünden auf St.Galler Boden werden? Bis Ende 2022 soll das geklärt sein.

Bild: Gian Ehrenzeller/ KEYSTONE

Lichterlöschen im Spital Flawil. Volksnein zur Verzögerung der Spitalschliessung in Wattwil. Das Spital Heiden wird Ende Jahr aufgegeben. So klangen die Nachrichten in der Ostschweizer Spitallandschaft in den vergangenen Monaten – die Konzentration der Standorte schreitet fort. Ein Sonderfall ist jedoch das Spital Walenstadt: Auch hier war ursprünglich geplant gewesen, das stationäre Angebot zu schliessen und nur noch ein Ambulatorium zu betreiben. Doch dann tat sich eine andere Option auf: Der Kanton Graubünden signalisierte Interesse an einer Zusammenarbeit, eine grenzübergreifende Spitalregion wurde zum Thema.

Der St.Galler Kantonsrat beauftragte darum die Regierung im vergangenen Jahr, zu prüfen, ob in Walenstadt ein stationäres Angebot in Kooperation mit den Kantonsspitälern Chur und allenfalls Glarus möglich wäre. Bis Ende 2022 sollen die Abklärungen abgeschlossen sein. Walenstadt bleibt einstweilen als Standort in der St.Galler Spitalstrategie enthalten.

Sicherheit für die Angestellten

Jetzt zeigt sich: Die Chancen des Sarganserländer Spitals auf eine Rettung sind intakt. Die erste Phase der Abklärungen ist abgeschlossen, wie es in einer Mitteilung des Kantons St.Gallen heisst. Am Freitagnachmittag wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Walenstadt über den Stand der Dinge informiert. Der Lenkungsausschuss – bestehend aus dem St.Galler Gesundheitschef, Bruno Damann, dem Verwaltungsratspräsidenten der St.Galler Spitalverbunde, Felix Sennhauser, und dem VR-Präsidenten des Kantonsspitals Chur, Martin Schmid – hat vier Absichtserklärungen verabschiedet.

Bruno Damann, St.Galler Gesundheitschef (CVP).

Bruno Damann, St.Galler Gesundheitschef (CVP).

Bild: Ralph Ribi

Erstens wird Sicherstellung des Spitalbetriebs am Standort Walenstadt während der Projektphase geregelt. Die Zusammenarbeit des Spitals Walenstadt und der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland, zu der das Spital gehört, mit dem Kantonsspital Graubünden wird verankert. Damann sagt:

«Es ist wichtig, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jetzt eine gewisse Sicherheit zu geben.»

Zweitens hat der Lenkungsausschuss das mögliche künftige Leistungsangebot des Spitals skizziert. Das Angebot orientiert sich an den im Jahr 2019 – also vor der Pandemie – erbrachten Leistungen des Spitals. Dass die Geburtenabteilung, die 2020 geschlossen wurde, wieder eröffnet wird, ist laut Damann jedoch nicht geplant.

Die Bündner übernehmen die Einrichtung, die Gemeinden die Immobilie

Drittens ist vorgesehen, dass das Kantonsspital Graubünden als künftiger Betreiber des Spitals Walenstadt die Geräte, das Mobiliar und weitere Einrichtungen von der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland übernimmt. Dies legt die dritte Absichtserklärung fest.

Christoph Gull, Flumser Gemeindepräsident und SVP-Fraktionschef im Kantonsparlament.

Christoph Gull, Flumser Gemeindepräsident und SVP-Fraktionschef im Kantonsparlament.

Bild: Ralph Ribi

Die vierte Absichtserklärung sieht die Übertragung von Land und Bauten des Spitals Walenstadt an die Sarganserländer Gemeinden für insgesamt acht Millionen Franken vor. Bereits im Frühling hatte sich dieses Engagement der Gemeinden abgezeichnet. Jetzt haben sie zugesichert, den Schritt zu machen, wie der Flumser Gemeindepräsident Christoph Gull am Freitag gegenüber dem SRF-«Regionaljournal» sagte. Walenstadt, Flums, Quarten, Sargans, Mels, Pfäfers und Vilters-Wangs haben eine Absichtserklärung zur Gründung einer Gesellschaft unterzeichnet, welche die Spitalimmobilie übernimmt. «Das ist der Grundstein, damit man nun in konkrete, vertiefte Verhandlungen und Abklärungen treten kann», so Gull.

Kantonsparlament soll im Juni 2022 entscheiden

Jetzt, in der zweiten Phase des Projekts, geht es um konkretere Fragen der Umsetzung. Zum Beispiel: Was passiert mit den Anstellungsverhältnissen der Mitarbeitenden bei der Übernahme des Betriebs durch das Kantonsspital Chur? Die zweite Phase soll in einem Jahr abgeschlossen sein. Danach werden der St.Galler Kantonsrat, das Kantonsspital Graubünden und die Sarganserländer Gemeinden die definitiven Beschlüsse über die Zukunft des Spitals Walenstadt fassen.

«Ich hoffe, dass das Kantonsparlament den Beschluss im Juni 2022 fällen kann», sagt Damann. «Wir treiben das Vorhaben mit Hochdruck voran.» Das Ziel sei ambitioniert.

«Es ist nicht einfach, ein Spital aus einem Spitalverbund herauszulösen und in eine neue Organisation zu überführen.»

Unzählige Details seien zu klären, von der Pensionskasse der Mitarbeitenden bis zur IT-Infrastruktur. Die Projektpartnerschaft mit Graubünden funktioniere jedoch sehr gut. Offen ist, welche Rolle der Kanton Glarus allenfalls im neuen Konstrukt einnehmen wird.

Listenspital mit Leistungsauftrag des Kantons St.Gallen

Falls die neue Spitalregion zu Stande kommt und das Spital Walenstadt sozusagen zu einer Filiale des Kantonsspitals Chur wird, ändert sich die Rolle des Kantons St.Gallen: Er würde dann Walenstadt aus seiner eigenen Spitalstrategie entlassen und ähnlich behandeln wie eine Privatklinik. «Das Spital wäre auf unserer Spitalliste und hätte einen Leistungsauftrag», sagt Damann. Damit ist aber auch klar: Falls Graubünden wieder aussteigt, ist der Kanton St.Gallen nicht mehr verpflichtet, das Spital in Walenstadt zu erhalten.

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