Kunstturnen
Strafverfahren wegen sexueller Nötigung gegen Ex-Cheftrainer aus Wil (SG): Justiz fordert internationale Rechtshilfe an – und bekommt keine Antwort

Die St.Galler Staatsanwaltschaft muss im Fall des Ex-Cheftrainers am Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz (RLZO) erneut Klage einreichen. Das Kreisgericht Wil hat diese wegen ausbleibender Rechtshilfe aus dem Ausland zurückgewiesen. Es geht um Verdacht auf sexuelle Handlungen mit einer minderjährigen Kunstturnerin – und mittlerweile auch um das Vorleben des Trainers.

Odilia Hiller
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Blick ins Innere des Regionalen Leistungszentrums Ostschweiz für Kunstturnen in Wil (SG).

Blick ins Innere des Regionalen Leistungszentrums Ostschweiz für Kunstturnen in Wil (SG).

Bild: Benjamin Manser (Wil, 6. März 2020)

Der ehemalige Cheftrainer der Kaderturnerinnen am Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz (RLZO) in Wil, gegen den seit August 2019 wegen eines Sexualdelikts mit einer Minderjährigen ermittelt wird, ist ungarischer Staatsangehöriger. Zuvor war er international tätig, darunter auch sechs Jahre in Island, bis 2014.

Zur Abklärung des Vorlebens des Beschuldigten hat das Untersuchungsamt Gossau Ende 2020 ein Gesuch um internationale Rechtshilfe gestellt. Auf die Antwort wartet die Justiz bis heute.

Seit Einreichung unbeantwortet

An welches Land das Rechtshilfegesuch des Bundesamts für Justiz gegangen ist, verraten die Behörden nicht. Aber: Das Gesuch ist seit Einreichung unbeantwortet geblieben. Ein Umstand, der das Kreisgericht Wil veranlasste, die im Juni 2021 eingereichte Anklage zurückzuweisen, wie «Blick» am Mittwoch berichtet.

Die St.Galler Staatsanwaltschaft habe sich zur Anklage entschieden, um dem Beschleunigungsgebot nachzukommen, sagt Sprecher Leo-Philippe Menzel auf Anfrage. Dieses verpflichtet Strafverfolgungsbehörden, Strafverfahren so schnell wie möglich durchzuführen. Deshalb habe man nicht länger auf die Ergebnisse des Rechtshilfegesuchs gewartet.

«Unabhängig davon, ob das Gesuch beantwortet wird oder nicht, wird die Staatsanwaltschaft die Anklage erneut einreichen.»

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Sachverhalt der Anklage sich nicht ändern werde, so der Sprecher, auch unter Einbezug einer allfälligen Antwort ausländischer Behörden.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Ex-Cheftrainer mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind, mehrfache sexuelle Nötigung sowie versuchte Nötigung zur Last. Das mutmassliche Opfer ist eine zum Tatzeitpunkt 17-jährige Kaderturnerin, die den Leistungssport als Folge der Ereignisse aufgab.

Freiheitsstrafe von 30 Monaten beantragt

Die Staatsanwaltschaft beantragt gegen den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Dies bei teilbedingtem Strafvollzug, wobei zehn Monate Freiheitsstrafe zu vollziehen und 20 Monate unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren bedingt aufzuschieben seien. Ferner beantragt sie gegen den Ungarn eine zehnjährige Landesverweisung sowie ein lebenslanges Verbot betreffend Tätigkeiten, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfassen.

Die Verjährungsfrist für die dem Beschuldigten angelasteten Delikte liegt bei 15 Jahren.

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