URAUFFÜHRUNG
Ostschweizer Musik aus China im Oberthurgau: Heinrich Schweizer ist ein weit gereister Künstler

Am Wochenende hebt das Sinfonische Orchester Arbon Heinrich Schweizers Hornkonzert mit Konzerten in Amriswil und Arbon aus der Taufe. Der Komponist lebt in China und kann coronabedingt nicht am Konzert dabei sein. Solist ist der junge, bereits international erfolgreiche Hornist Ivo Dudler aus Steinach.

Martin Preisser
Drucken
Wegen der Pandemie kann der Komponist Heinrich Schweizer nicht zur Uraufführung seines Hornkonzerts aus China anreisen.

Wegen der Pandemie kann der Komponist Heinrich Schweizer nicht zur Uraufführung seines Hornkonzerts aus China anreisen.

Bild: PD

«Weit ist das Land», so sind die aktuellen Konzerte des Sinfonischen Orchesters Arbon überschrieben. Weit in der Welt herumgekommen ist der aus dem St.Galler Rheintal stammende, 1943 geborene Komponist Heinrich Schweizer. Er hat in Paris, New York, Hongkong oder Kapstadt jeweils längere Zeit verbracht. Seit sechs Jahren lebt er mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Sanxiang Town, einem Teil der chinesischen Millionenstadt Zhongshan nördlich von Hongkong.

Eigentlich wollte Schweizer schon vor zweieinhalb Jahren in die Schweiz nach Amriswil zurückkehren, wo er eine Wohnung besitzt. Sanxiang Town ist seit anderthalb Jahren coronafrei. Schweizer führt dies auf die rigorose chinesische Disziplin im Umgang mit der Pandemie zurück. Und er erzählt vom Bauboom in seiner Stadt: «Was hier an Wolkenkratzern und Strassenschluchten gebaut wird! Ich habe das Gefühl, die heutigen Architekten sind die reinkarnierten Erbauer der Grossen Mauer.»

Der Hornist Ivo Dudler, unlängst erfolgreich beim renommierten ARD-Musikwettbewerb.

Der Hornist Ivo Dudler, unlängst erfolgreich beim renommierten ARD-Musikwettbewerb.

Bild: Michel Canonica

Wegen Corona hierzulande wird Heinrich Schweizer auch nicht zur Uraufführung seines Hornkonzerts kommen können. Der junge Solist Ivo Dudler aus Steinach, kürzlich erfolgreich beim renommierten ARD-Wettbewerb und bereits international unterwegs, wird es aus der Taufe heben, zusammen mit dem Sinfonischen Orchester Arbon unter der Leitung von Leo Gschwend. Gschwend hatte 2016 bereits Heinrich Schweizers musikalisches Märchenspiel «König Drosselbart» uraufgeführt.

Ein Konzert über die Entwicklung des Horns

Das neue Hornkonzert, das die Kulturstiftung des Kantons Thurgau finanziell mitunterstützt hat, ist wie Mozarts Hornkonzerte im Orchester mit zwei Oboen und zwei Hörnern besetzt. Das Solohorn setzt Heinrich Schweizer so ein, dass er die Entwicklung des Naturhorns zu Mozarts Zeiten bis zum modernen in Halbtönen klingenden Horn nachzeichnet. Nicht atonal, sondern ein wenig im spätromantischen Stil eines Max Reger klinge es, wie der Komponist selbst erklärt.

Die Ostschweizer Heimat wird immer wieder auch musikalisch thematisiert

Heinrich Schweizer erinnert sich gerne an seine Kindheit am Fuss des Alpsteins, an die Kühe, die er auf die Berge getrieben hat, ans Rübenpflanzen am Rhein, an den Vater, der in Hundwil als Pfarrer arbeitete. Schweizer hätte gerne mehr komponiert, sein Gesamtwerk dauert etwas mehr als zehn Stunden. Seine Heimat hat der weit gereiste Komponist in mehreren Werken thematisiert, etwa in der «Alpstein-Suite», in der ein Satz den Seealpsee musikalisch beschreibt. Und für Alphorn und Orchester hat Heinrich Schweizer ein «Swiss Panorama» komponiert. In seiner East West Symphony verbindet er europäische und asiatische Klänge. Ein westliches und ein östliches Orchester versammeln sich hierbei auf der Bühne.

Der erste Satz von Heinrich Schweizers East West Symphony.

Quelle: Youtube

Heinrich Schweizer hat sich auch als Musikethnologe betätigt und in Westafrika Forschungen betrieben. Die Welt betrachtet er nicht nur als Musiker, sondern auch als Fotograf. Er fotografiert seit über fünfzig Jahren, bis heute konsequent mit analogen Kameras. Einen Fotoband hat er bereits veröffentlicht. Ein zweiter über China und Hongkong ist in Vorbereitung. Im «Journey around the World» verbindet Schweizer seine fotografischen und seine musikalischen Eindrücke aus allen Teilen der Welt. Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) hat Heinrich Schweizers «Journey» für den Gebrauch im Musikunterricht in der Schweiz und Liechtenstein empfohlen.

Auch eine weitere Musiksammlung, «Musik im Wandel der Zeit», ist didaktisch ausgerichtet. «Weit ist das Land» nicht nur in Heinrich Schweizers musikalischem und fotografischem Werk, sondern auch im Programm des Sinfonischen Orchesters Arbon. Neben Schweizers Hornkonzert sind Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre, ein Konzertrondo von Mozart sowie Saint-Saëns' erste Sinfonie zu hören.

Sa, 19. 2., 19 Uhr, ev. Kirche Amriswil; So, 20. 2., 17 Uhr, Presswerk Arbon.