Swiss League
Dritter Sieg im dritten Playoff-Spiel: Selbst Phantomstrafen können den HC Thurgau nicht stoppen

Der HC Thurgau gewinnt am Donnerstag daheim gegen den SC Langenthal 4:3 nach Verlängerung und sorgt damit für ein kleines Eishockeywunder. Denn an diesem Abend hatte sich fast alles gegen die Ostschweizer verschworen. Doch nun reist der HCT am Samstag mit vier Matchbällen ins Oberaargau, wo es um 19.46 Uhr zur vierten Begegnung in diesem Playoff-Viertelfinal kommt.

Matthias Hafen
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Patrick Spannring (links, gegen Yves Müller) kassierte kurz vor Spielende eine Fünfminutenstrafe, die ungenutzt blieb.

Patrick Spannring (links, gegen Yves Müller) kassierte kurz vor Spielende eine Fünfminutenstrafe, die ungenutzt blieb.

Bild: Mario Gaccioli

Der HC Thurgau steht kurz vor dem Einzug in die Playoff-Halbfinals. Am Donnerstagabend erkämpfte sich die Mannschaft des Trainerduos Mair/Winkler mit einem heroischen Auftritt den dritten Sieg im dritten Playoff-Spiel gegen den SC Langenthal. Dies, nachdem der Titel «Heldengeschichte ohne Happy-End» praktisch schon gesetzt war. Aber Joker Daniel Woger traf in der 17. Minute der Verlängerung, als sich die Spieler immer schwerer taten, sich auf den Füssen zu halten, zum 4:3. Er versetzte die 1652 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Weinfelder Güttingersreuti damit in einen kollektiven Jubel. In der Best-of-seven-Serie führt der HCT damit 3:0.

Die Freude beim Publikum war umso grösser, weil den ganzen Abend alles und noch viel mehr gegen den HC Thurgau gelaufen war, sich immer wieder neue Hürden vor der kämpferischen Mannschaft aufgetürmt hatten. Doch Captain Patrick Parati und seine Mannen bewiesen abermals, wozu das arg dezimierte Team mit diesem Zusammenhalt fähig ist.

Dem HC Thurgau fehlen gleich acht Leistungsträger

Nicht nur musste Thurgau auf seinen Topskorer Jonathan Ang verzichten, der nach einem Crosscheck im letzten Spiel in Langenthal vorsorglich gesperrt wurde. Der zum Verteidiger umfunktionierte Adam Rundqvist gab krankheitsbedingt Forfait. Damit fehlten Headcoach Stephan Mair insgesamt acht Leistungsträger! Doch der HCT schaffte es, auf dem Eis die Personalsorgen vergessen zu machen, lieferte gegen den SC Langenthal einen intensiven und spannenden Playoff-Fight. Und selbst Thurgaus vierte Linie mit B-Lizenz-Spieler Frédéric Jolliet, Junior Justin Salamin und der Rapperswiler Leihgabe Robin Ramsauer nahm den Kampf an, verdiente sich von Trainer Mair immer wieder Sonderlob, weil sie entscheidend mithalfen, dass die Langenthaler trotz des stärkeren Kaders mehr zu beissen hatten, als ihnen lieb war.

Thurgaus Trainer Stephan Mair verstand auf der Spielerbank manchmal die Welt nicht mehr.

Thurgaus Trainer Stephan Mair verstand auf der Spielerbank manchmal die Welt nicht mehr.

Bild: Mario Gaccioli

Doch nicht nur der SCL war an diesem Abend Gegner des HC Thurgau – in gewisser Weise auch die vier Männer in Schwarz-Weiss. Sie sprachen im Mitteldrittel gleich mehrere Phantomstrafen gegen das Heimteam aus und brachte das fragile Gebilde damit ins Wanken. Denn fast alles konnten die Thurgauer kaschieren, nicht aber, dass ihr Boxplay ohne Ang und Rundqvist wirkungsloser ist. So führten die ersten drei Unterzahlsituationen alle zu Gegentoren. Gut hatte Ian Derungs dazwischen immer wieder für Thurgau getroffen (8./1:0, 28./2:1). Dennoch lagen die Ostschweizer nach 15 Sekunden im Schlussdrittel und dem 3:2 durch Eero Elo erstmals in dieser Playoff-Serie in Rückstand. Jetzt war der HCT offensichtlich angezählt. Als dann in der 47. Minute auch noch Langenthals Serge Weber den HCT-Kanadier Will Pelletier ungestraft ummähte, schwand die Hoffnung auf einen gerechten Ausgang.

Ein ganzer Konvoi reist am Samstag nach Langenthal

Doch mit der Hilfe des einmal mehr grandiosen Luis Janett im Tor blieb Thurgau im Spiel. Dominic Hobi gelang im Powerplay das 3:3 (49.). Und in den Schlussminuten überstand der HCT selbst eine (korrekte) Fünfminutenstrafe gegen Patrick Spannring sowie in der Verlängerung eine weitere korrekte Strafe gegen Goalie Janett. Wogers 4:3 in der 77. Minute stellte den Glauben an die Gerechtigkeit schliesslich wieder her.

Für die vierte Begegnung am Samstag um 19.46 Uhr in der Eishalle Schoren kann der HC Thurgau auf eine grosse Unterstützung vor Ort zählen. Mindestens drei Fan-Cars reisen aus dem Thurgau nach Langenthal. Zudem füllt der HCT einen weiteren Car mit Sponsoren und Gönnern des Klubs. Bleibt nur zu hoffen, dass Topskorer Ang dann wieder mittun kann und nicht noch länger gesperrt wird. Das finale Urteil ist noch hängig.

Thurgau – Langenthal 4:3 n. V. (1:0, 1:2, 1:1)

Güttingersreuti, Weinfelden – 1652 Zuschauer – SR Hürlimann/Hungerbühler, Micheli/Meusy.
Tore: 9. Derungs (Binias, Pelletier) 1:0. 22. Kläy (Elo, Christen/Ausschluss Spannring) 1:1. 28. Derungs (Pelletier) 2:1. 30. Kämpf (Elo, Coffman/Ausschluss Baumann) 2:2. 41. (40:15) Elo (Coffman, Tschannen/Ausschlüsse Schmutz, Kühni) 2:3. 49. Hobi (Derungs, Pelletier/Ausschluss Müller) 3:3. 77. Woger (Kühni) 4:3.
Strafen: 5-mal 2 Minuten plus 5 Minuten (Spannring) gegen Thurgau, 2-mal 2 Minuten gegen Langenthal.
Thurgau: Janett; Schmutz, Kühni; Moor, Parati; Törmänen, Forrer; Senn; Derungs, Pelletier, Binias; Baumann, Hobi, Spannring; Petrig, Hollenstein, Woger; Jolliet, Salamin, Ramsauer, Bleiker.
Langenthal: Caminada; Müller, Christen; Weber, Pienitz; Helfer, Maret; Higgins; Kämpf, Coffman, Elo; Tschannen, Kummer, Leone; Fuss, Kläy, Rüegsegger; Rehak, Nyffeler, Wyss; Wigger.
Bemerkungen: Thurgau ohne Ang (gesperrt), Rundqvist (krank), Lehmann, Palmberg/SWE, Soracreppa, Fechtig, Fritsche, Loosli (alle verletzt), Meier, Senn und Azevedo (alle überzählig). Langenthal ohne Bärtschi, Dähler, Stauffacher, Chanton und Guerra (alle überzählig).