Kommentar
HSG-Gesetz: So kann der Spagat zwischen Freiheit und Verantwortung gelingen

Das neue Gesetz für die Universität St.Gallen (HSG) muss viele Erwartungen erfüllen: Während Forschung und Wissenschaft grösstmögliche Freiheit verdienen, sollten die neuen Leitplanken auch Kritikerinnen und Kritiker der Institution überzeugen. Fazit: Die Aufgabe wird erfüllt.

Odilia Hiller
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Forschung und Lehre stehen auch künftig im Zentrum: Der Entwurf für das neue Universitätsgesetz ist da.

Forschung und Lehre stehen auch künftig im Zentrum: Der Entwurf für das neue Universitätsgesetz ist da.

Bild: Michel Canonica (St.Gallen, 17. September 2021)

An der HSG wird untersucht und gelehrt, was erfolgreiche Unternehmen ausmacht. Beispielsweise, wie es gelingt, mit phänomenaler Leadership und optimalen Strukturen zufriedene Mitarbeitende und eine glückliche Kundschaft zu erzielen – am besten auch noch mit Gewinn. Dies unter Berücksichtigung ethischer Grundsätze und immer mehr auch ökologischer und gesellschaftlicher Nachhaltigkeit.

Ausgerechnet in den eigenen Reihen knirscht es in dieser Hinsicht im Gebälk. Seit in den vergangenen vier Jahren aufgrund diverser Irrungen und Wirrungen offensichtlich wurde, dass die Strukturen der Bildungsanstalt mit der Gegenwart nicht mehr mithalten konnten, wurde klar, dass auch das in die Jahre gekommene Universitätsgesetz von 1988 grundlegend überarbeitet gehört. Das brauchte Zeit, während die internen Regelungen in Bezug auf ethisches Verhalten und Kontrollmechanismen rascher überarbeitet und die entsprechenden Bereiche ausgebaut wurden.

Der Wissenschaft gehört grösstmögliche Autonomie gewährt

Nun liegt der Entwurf vor. Der Spagat ist beträchtlich: Als öffentliche Universität muss die HSG zeitgemäss und nachvollziehbar geführt sein. Der Wissenschaft muss das Gesetz grösstmögliche Autonomie gewähren, damit die angesehene Institution weiterhin international und national reüssieren kann. Gleichzeitig muss es den Anforderungen an eine staatliche Institution genügen und volle Transparenz garantieren, was die Interessen der Steuerzahlenden angeht. Auch die regionale Verankerung des Ostschweizer Bildungsleuchtturms darf nicht vernachlässigt werden.

Der Vorschlag der Regierung überzeugt. Ohne über den Haufen zu werfen, was funktioniert, wird das Organigramm modernisiert und bereinigt.

Was zu ungenau geregelt war, namentlich die Verantwortlichkeiten der obersten Organe der Universität, wird geklärt. Beispielhaft wird dies an den Instituten der HSG, die zwar viel leisten, sich aber über ihre Organisation teils zu weit weg von der zentralen Führung der Universität bewegen. Die Graubereiche dieser Organisationsformen öffneten Missbräuchen besonders die Tür.

Höchste Zeit, dass das Rektorat gestärkt wird

Wo Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten klar und nachvollziehbar geregelt sind, wird besser gearbeitet – das weiss jedes HSG-Kind. Diese Hausaufgaben erfüllt das neue Gesetz. Dass der bisher eher schwerfällig agierende Senat erhalten bleibt, sich aber gewisser Aufgaben via Ausschuss entledigen kann, leuchtet ebenso ein wie die Stärkung der Position der Rektorin oder des Rektors.

Höchste Zeit, dass diese Funktion gegenüber den Instituten weisungsberechtigt wird und deren Aufsicht verantwortet.

Zu begrüssen ist ausserdem die Neuorganisation des Universitätsrats: Indem die Bildungsdirektion im Präsidium verbleibt, gleichzeitig aber die Mitglieder des Rats fachlich professionalisiert werden, wird ein wichtiger Schritt in Richtung Ende der Mauscheleien und einer Erhöhung der Fachkompetenz des obersten strategischen Organs unternommen.

Das Letzte, was dieses Gesetz nun braucht, sind Kantonsrätinnen und Kantonsräte, die bisherige Privilegien verteidigen, als jede Partei jemanden ins höchste HSG-Gremium hieven konnte. Auch diese Zeiten sollten vorbei sein, damit die Universität erfolgreich in die Zukunft schreiten kann.

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