Kommentar
Im Thurgau ist das Zukunftsprojekt Wil West gut aufgehoben

Wil West lebt. Daran ändert der negative Kreditentscheid des St.Galler Stimmvolks wenig. Wil West bleibt ein zukunftsgerichtetes Projekt, das unnötigen Kulturlandverschleiss verhindert, indem in den umliegenden Dörfern auf Einzonungen und dazu nötige Erschliessungen verzichtet wird. Vielleicht wird der Name Wil West verschwinden, aber nicht der Glaube an die zugrunde liegende Idee.

Hans Suter
Hans Suter
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Der Entwicklungsschwerpunkt Wil West in der Übersicht.

Der Entwicklungsschwerpunkt Wil West in der Übersicht.

PD

Wil West steht für einen kompakten Arbeitsraum für 2000 bis 3000 Menschen, die nicht mehr wegpendeln müssten. Es liegt am Rand attraktiver Wohngebiete, ohne diese aber mit Emissionen wie Lärm, Verkehr oder Gerüchen zu belasten, und hat eine hervorragende Erschliessung mit zwei Bahnhöfen, Bushaltestellen, Autobahnanschluss, Strassen, Fuss- und Radwegen. Dies sind die Argumente der Befürworter. Und sie sind nachvollziehbar.

Der grosse Teil von Wil West liegt auf Thurgauer Boden, gehört aus historischen Gründen aber dem Kanton St.Gallen. Dieser darf die Erschliessung seines Gebiets nach der negativ verlaufenen Volksabstimmung nun nicht finanzieren. Aber er kann das Land dem Kanton Thurgau verkaufen. Dieser ist nach wie vor gewillt, das Land einzuzonen. Würde er Eigentümer, liessen sich einige Strukturen in diesem anspruchsvollen, komplexen Zukunftsprojekt vereinfachen.

Dass dazu Kulturland benötigt wird, wie die Gegner beklagen, lässt sich nicht leugnen. Für betroffene Landwirte ist das unter Umständen sehr schwierig. Es darf aber auch nicht verschwiegen werden, dass dank Wil West in der Region umso weniger Kulturland eingezont wird und der Kanton Thurgau die zu überbauende Fläche vollumfänglich über sein noch verfügbares Kontingent kompensiert.

Im Thurgau ist das Zukunftsprojekt Wil West gut aufgehoben. Die Thurgauer Bauern dürften wissen, dass in der Schweiz Jahr für Jahr drei bis vier Milliarden Franken für die Landwirtschaft aufgewendet werden. Sie dürften auch wissen, dass das über Steuern und Abgaben finanziert wird und das dafür nötige Geld in der Wirtschaft verdient wird. Eine gesunde Koexistenz von Landwirtschaft und Wirtschaftsunternehmen mit hoher Wertschöpfung auf wenig Raum ist im Thurgau möglich. Hier wissen alle, dass sie aufeinander angewiesen sind. Also sollten sie sich die Hand reichen.