Musikkultur
Endlich ohne Gehörschutz: Nach 30 Jahren Suche nach einem neuen Probelokal ist die Stadtmusik Frauenfeld fündig geworden

Musikerinnen und Musiker beim Zügeln: Kürzlich hat die Stadtmusik Frauenfeld ihr neues Probelokal bezogen. Es befindet sich im Wohn- und Geschäftshaus Multiplex direkt über der Migrosfiliale. Endlich ist genug Platz da für die 60 Mitglieder des Musikvereins, endlich ein Raum mit Tageslicht, den man auch lüften kann. Der Kontakt für den Raum kam über die Tochter von Richard Nägeli zu Stande.

Mathias Frei
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Während die einen im neuen Probelokal die Perkussion einrichten, sitzen andere bereits Probe.

Während die einen im neuen Probelokal die Perkussion einrichten, sitzen andere bereits Probe.

Bild: Donato Caspari

«Hoffentlich reicht es?» Fabian Bächi zittert. Passt die grosse Kesselpauke durch die Tür? Es ist kurz nach 20 Uhr. Normalerweise würde nun die wöchentliche Probe der Stadtmusik laufen. Aber an diesem Donnerstag ist alles anders. Es steht der Umzug ins neue Probelokal an – vom Schulhaus Reutenen in den ersten Stock des Wohn- und Geschäftshauses Multiplex im Langdorf, wo unter anderem eine Migrosfiliale daheim ist. Rund 50 Mitglieder der Stadtmusik helfen mit. Und da kommt dann auch die Pauke angerollt. Es wird eng, aber sie geht durch.

Fabian Bächi, Präsident der Stadtmusik Frauenfeld.

Fabian Bächi, Präsident der Stadtmusik Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari

Bächi ist Präsident der Stadtmusik. Ältere Mitglieder hätten ihm erzählt, dass man schon vor 30 Jahren immer wieder mal nach einem grösseren Probelokal Ausschau gehalten habe.

«Der Mehrzweckraum – ich nenne es ‹Mehrzweckrüümli› – der Oberstufenschulanlage Reutenen ist einfach viel zu klein für uns.»

Die Stadtmusik Frauenfeld, ein voll ausgebautes Harmonie-Blasorchester der ersten Stärkeklasse, zählt aktuell rund 60 Musikerinnen und Musiker. Das Probelokal im Reutenen war ein langer Schlauch, man sei hintereinander statt nebeneinander gesessen. Und man musste zwingend einen Gehörschutz tragen, weil es so dermassen laut war.

Von südamerikanisch bis symphonisch

Die Stadtmusik Frauenfeld lädt am Samstag, 21. Mai, zum diesjährigen Casinokonzert. Tänzerische Leichtigkeit und packende Temperamente erwarten einen im Programm – «von der Eröffnungsouvertüre über südamerikanische Rhythmen und israelische Volksweisen bis hin zu symphonischen Tänzen». Das Konzert mit dem gut 60-köpfigen Orchester unter der Leitung von Dirigent Thomas Fischer um 19.30 Uhr im Casino am Bahnhofplatz. Nummerierte Sitzplätze in drei Preiskategorien (15/20/25 Franken) stehen zur Verfügung. Platzreservationen unter Telefon 052 720 24 54 oder auf vorverkauf@stadtmusik-frauenfeld.ch. (ma)

www.stadtmusik-frauenfeld.ch

Das neue, 250 Quadratmeter grosse Probelokal.

Das neue, 250 Quadratmeter grosse Probelokal.

Bild: Donato Caspari

Musik auf Wanderschaft

Die Pandemie im Frühling vor zwei Jahren verschärfte das Problem weiter. Eine Zeit lang durfte gar nicht mehr geprobt werden, danach war eine gewisse Quadratmeterzahl pro Musikerin oder Musiker vorgeschrieben. Faktisch waren im Reutenen keine Orchesterproben mehr möglich. Die Stadtmusik kam zuerst in einer Lagerhalle der Firma Pasta-Premium unter, später bekam man Gastrecht im Probelokal des Musikvereins Islikon-Kefikon.

Der Stream des diesjährigen Neujahrskonzerts.

Video: Stadtmusik

Vergangenen Frühherbst dann die frohe Nachricht: Die Stadtmusik kann im Multiplex einen knapp 250 Quadratmeter grossen Raum mieten. Per 1. April läuft der Mietvertrag, befristet auf zwei Jahre, jedoch mit der Möglichkeit auf Verlängerung. Die Tochter von Richard Nägeli war früher selber bei der Stadtmusik aktiv. Nägeli ist Verwaltungsratspräsident der Multiplex-Eigentümerin Langfeld AG.

Im neuen Probelokal im Langdorf.

Im neuen Probelokal im Langdorf.

Bild: Donato Caspari
«Nägeli unterstützt uns grossartig.»

Das sagt der Stadtmusik-Präsident. Der Raum sei akustisch hervorragend und schalldicht. Der spezielle Boden, die Wände und Panele an der Decke würden dazu beitragen, sagt Bächi. «Endlich haben wir auch Tageslicht und können lüften», meint er schmunzelnd. Zudem gibt es eine kleine Kaffeeküche mit Kühlschrank, der bereits mit Bier für nach der Züglete gefüllt ist. Die Hebebühne und der Warenlift auf der Rückseite des Gebäudes seien das Tüpfelchen auf dem «i». Ohne die finanzielle Unterstützung der Stadt Frauenfeld wäre das nicht möglich, sagt Bächi. In Weinfelden oder Kreuzlingen seien solche Probelokale bei dem Musikverein aber längst Standard.

Instrumente stehen bereit.

Instrumente stehen bereit.

Bild: Donato Caspari

Vereine als Mitnutzer gesucht

Ab April proben nun die Stadtmusik und die Jugendmusik mittwochs- und donnerstagabends je zwei Stunden lang. Eine weitere Musikgesellschaft habe bereits Interesse an der Mitnutzung des Probelokals signalisiert. Zudem wird Bächi noch die Guggenmusik Rungglä-Süüder anfragen.

Beim Einspielen mal Probe sitzen.

Beim Einspielen mal Probe sitzen.

Bild: Donato Caspari
«Der finanzielle Aspekt ist das eine. Ich fände es einfach schade, wenn der super Raum nicht besser genutzt werden würde.»

Das sagt Bächi. Und er kann sich auch vorstellen, dass das Probelokal für Musikfremdes genutzt werden könnte: für Sitzungen, Yogalektionen oder vieles mehr.